Donnerstag, 28. April 2016

Und dann plötzlich...

Ist es einfach nicht mehr zu übersehen. Dass Johannes gar nicht so perfekt ist.

Hmm. Mit seinen ganzen anderen Schnecken... Ich weiß nicht, vor ein paar Monaten fing es ja an, dass ich es plötzlich steuern konnte. Ich konnte die Gedanken an ihn und seine Weiber zulassen, es tat scheiße weh, aber ich konnte es plötzlich auch wieder stoppen. Etwas, was ich Jahre lang zuvor nicht konnte. Wenn der Film lief, dann lief er in Endlosschleife. Wenn ich heute daran denken würde, dass ich ihm einfach nichts bedeutet habe, dass ihm so viele Weiber viel mehr bedeutet haben und bedeuten, als ich es jemals getan habe, dass ich für ihn einfach nur Nichts war. Ein Zeitvertreib. Bedeutungslos. Dann würde das immer noch weh tun. Ich glaube, so ganz wird dieser Schmerz nie vergehen. So was tut nun mal auch entsetzlich weh. Wenn man glaubt, dass man für einen Menschen wichtig und wertvoll ist, man dies zum ersten Mal nicht nur glaubt, sondern auch spürt... und dann am Ende erfährt, dass dem nie so war. Dass man nur ein Spiel war. Ja, das tut weh.

Irgendwie erinnert mich das ans Kiffen früher. Ich habe ja lieber immer Tüte geraucht als Bong. Da konnte ich meinen Zustand besser steuern. Und naja, sobald ich dieses gewissen Grinsen in der Fresse hatte, legte ich die Tüte weg. Das war mein Lieblingszustand. Wie in Watte gepackt, so geschützt, alles war so weit weg. Ja, das war ein schönes Gefühl.
Bei Johannes ist es jetzt so ähnlich und doch anders. Ich kann daran denken und sobald ich plötzlich diese Lähmung spüre, diese Lähmung, die noch versucht den Schmerz aufzuhalten, lege ich die Gedanken weg.

Hmm. Beim letzten Spiel war es komisch. Wir standen wieder recht nah beieinander. Aber wir haben beide wieder nichts gesagt. Haben uns angeschaut, er hatte eine Sonnenbrille auf, ich habe seine Augen nicht gesehen und ich hatte schon das Gefühl, als wollten wir uns gegenseitig demonstrieren, dass wir uns irgendwie nahe sind, fast schon zusammengehören. Aber... Gesagt haben wir wieder Beide nichts. Diese Nähe tut uns nicht gut. Anfangs dachte ich ja immer, nur ich wüsste dann nicht mehr, was ich sagen soll. Aber er weiß es auch nicht. Ich habe ihn dieses Mal zumindest offen angelächelt. Und mich dann aber doch weggedreht und mit "meinen" Leuten gesprochen. Nicht vergessen, ich schreibe ihm seit über einem halben Jahr jeden Monat zum Todestag seiner Nichte. Schicke kommentarlos ein Trauerbild. Das rechnet er mir schon hoch an, glaube ich.

Aber... Wie oft habe ich ihm zum Beispiel erzählt, dass das heutige Datum, der 28.04. mein Datum ist? Schon krass. 13 Jahre ist sie nun schon tot. Die Erinnerungen an sie verblassen. Aber ich werde nie vergessen, dass sie der Mensch war, der an mich geglaubt hat, als es ansonsten schon längst keiner mehr getan hat. Und dass ich ohne sie niemals hier wäre, wo ich heute bin.

So was weiß Johannes nicht. Er kennt ja noch nicht mal meinen Geburtstag. Und dann mache ich ja jede Woche mittlerweile eine Umfrage innerhalb der Fanszene. Ich hatte ihn dieses Mal auch befragt, er wollte bis dann und dann antworten. Und? Er hat es vergessen. Es kam nichts. Obwohl er zugesagt hat.

Zugegeben, es ist noch nicht ganz leicht, ihm diese negativen Eigenschaften zu zugestehen. Wie er total besoffen die Hälfte vom Fußballspiel beispielsweise verpennt. Ständig irgendwelche Termine vergisst. Sich noch nicht mal dafür entschuldigt. Aber ich schätze, da läuft es so ähnlich wie mit dem Kiffen. So lange zulassen, bis es anfängt weh zu tun und dann erstmal wieder weglegen.

Ich habe ihn schon lange nicht mehr mit einer anderen Schnecke gesehen. Gut, ich bin ja mittlerweile auch häufig nicht mehr im Fanblock, sondern mehr in anderen Bereichen des Stadions unterwegs. Weiß nicht, wie es wäre, wenn ich es jetzt wieder sehen würde. Ob da die Kiffer-Mentalität auch greifen würde. Als ich es vor ein paar Monaten immer gesehen hatte, war es eher wie Bong rauchen. Ein Zug und alles war vorbei, out of control. Dauerschmerzberauscht. Hmm.

Ja, ich fange so langsam an hinzuschauen und mich zu trauen, gegebenenfalls auch zu sehen, dass er gar nicht so toll ist. Ich habe viele Jahre lang wegen ihm gelitten. Hatte mega große Schmerzen. Hätte das fast nicht überlebt. Schon schlimm genug, dass ich ihm nichts wert war. Aber all das für jemanden, der in Wirklichkeit gar nicht so toll ist? Und... Wenn dem so ist... Dann würde das ja in der Tat beweisen, dass ich damals blind war. Wäre das dann nicht der letzte Beweis dafür, dass ich damals alles falsch verstanden habe? Dass er nichts davon so gesagt hat, wie ich es verstanden habe? Dass es offensichtlich war, dass er nie an mir interessiert war?
Das wäre noch ein bisschen zu viel. Das wären härtere Drogen, da reicht Cannabis nicht aus.

Ich kann das doch nicht alles falsch verstanden haben, oder? "Du bist ganz klar meine Nummer 1." "Ich würde um dich trauern, wenn du nicht mehr bei mir wärst." "An was anderes denken als an dich?" "Mir gehts doch ganz genauso wie dir, wir müssen nur ehrlich zueinander sein." "Ich hab dich sehr, sehr lieb und das ist nicht nur so daher gesagt." Man schickt doch nicht jeder jeden Abend irgendwelche seiner Lieblingslieder, oder? Man schreibt doch nicht mit jeder rund um die Uhr, oder? Man sagt doch nicht zu jeder, dass man sich mit ihr eine Beziehung vorstellen kann, dass es aber halt schwierig aufgrund der Entfernung und des Zeitfaktors werden könnte, oder?
Er scheinbar schon... Ich hab so sehr an seine Worte geglaubt. An jedes seiner verfickten Worte.

Seitdem fällt mir Vertrauen nur noch schwerer. Bekommt am meisten mein neuer "Chef" zu spüren. Wir flirten immer noch. Und ja, wenn ich wollte, wären wir schon längst in der Kiste gelandet. Trotz Beziehungen. Aber genau deswegen mache ich das nicht. Ich bin in einer Beziehung. Und auch, wenn es da irgenwie echt irgendwas in mir auslöst... Ich hasse Fremdficker, das geselle ich mich sicherlich nicht zu ihnen. Vor allem wäre danach meine Beziehung vorbei. Ich könnte nicht so tun, als sei nichts gewesen. Egal. Ist auch kein Thema. Jedenfalls ist dieser Chef so gut zu mir. Aber ich glaube ihm trotzdem nichts. Und er merkt das auch bzw. weiß es. Weil ich ihm das auch sage... "Weißt du, bislang gab es noch nicht allzu viele Menschen in meinem Leben, die es wirklich gut mit mir gemeint haben, warum also solltest also ausgerechnet du so sein?" Eine Frage, die ich ihm schon öfters gestellt habe. Ich wünschte, ich wäre bei Johannes damals so gewesen. Hätte mir einiges an Schmerz erspart. Ja, ich war ein paar Tage lang glücklich. Unfassbar glücklich sogar. So glücklich, wie ich es noch nie in meinem Leben war und wohl auch nie wieder sein werde. Was aber auch okay ist. Weil wenn diese paar Tage Glück mit Jahre langem Schmerz bezahlt werden müssen, dann verzichte ich sehr gerne darauf.

Ja, ich glaube, Johannes hat mich in dem Punkt vollends zerstört. Vertrauen war ja noch nie so meine Stärke. Aber seitdem... Komisch, dass ich das erst jetzt merke. Bei meinem Chef. Gut, vermutlich weil da eben noch so ein anderes Gefühl ist. Er könnte mir weh tun. Wenn ich es zulassen würde. Aber so schotte ich mich ab und lasse es nicht zu. Er kommt mir nicht zu nahe. Nahe ja, aber nicht zu nahe. Das werde ich nie wieder zulassen. Nie wieder.

Vor zwei Wochen hatten Jörn und ich uns quasi schon getrennt. Wie immer ging es um Alkohol. Darum geht es immer wenn wir uns streiten. Und... Es ist halt leider definitiv so, dass ich Jörn emotional nicht so sehr vermissen würde. Aber er tut halt schon sehr viel für mich und ist sehr gut für mich. Das würde ich vermissen. Und würde mich auch erstmal überfordern. Wenn ich Hilfe brauche, ist er da. Er nimmt mir schon viel ab. Und ich glaube, dass ich vieles auch wirklich nicht alleine hinbekommen würde. Von daher macht er mein Leben irgendwie besser. Holt mich ein bisschen mehr raus aus meiner kleinen, geschützten Welt. Ich würde auch alleine klar kommen. Ich würe mich voll und ganz auf meine Zeitungen und meinen Autorenjob konzentrieren. Aber das wäre es dann halt auch. Mehr würde ich nicht mehr tun. In ein paar Tagen ziehe ich um. Ich glaube nicht, dass ich das ohne ihn tun würde. Ich würde lieber an meinem Nachbarn kaputt gehen, weil ich es alleine nicht schaffen würde, den Umzug zu stemmen. So was halt.

Meine Psychologin bringt mich leider nicht weiter. Schade. Sowas spürt man einfach. Sie reißt die Gespräche an sich. Nach der "Trennung" von Jörn, das war grade mitten drin, kam ich gar nich dazu, davon zu erzählen. Stattdessen wollte sie mich in so einen Park schicken, damit ich da Fußball spiele. Häh? Ich hätte ja dann lieber über den Streit gesprochen, vielleicht auch erfahren, was ich denn da besser machen kann, in so Streitsituationen mache ich schon auch sehr viel falsch, glaube ich. Ich werde da schon auch sehr gemein und ungerecht.
Ach, und dann auch manche Diskussionen um das Fanleben. In so einer Fanszene gibt es Regeln und Gesetze und die sind einfach so. Punkt. Da versucht sie dann, mich auf die Unsinnigkeit dieser Gesetze aufmerksam zu machen, indem sie irgendwelche überspitzten Fragen stellt. Ich bin ziemlich therapieerfahren und weiß, worauf sie hinaus will. Aber das sind Gesetze und keine persönlichen Empfindungen, daran gibt es nichts zu rütteln. Ja gut... Mir persönlich bringt es also jetzt leider nichts. Aber für die Rentenversicherung ist es wohl ganz gut. Und was Johannes angeht... So ganz kleine Fortschritte mache ich ja auch ohne Psychologen.

Ich hatte auf der Depressions-Station ne ganz tolle Ärztin. Die hatte mir damals in puncto Johannes und auch Jens wirklich sehr geholfen. Die Zeit war halt einfach zu kurz. Waren ja nur sechs Wochen. Aber sie war die erste und auch die einzige, bei der ich das Gefühl hatte, sie würde mich verstehen und so vertraute ich ihr auch irgendwie. Nahm ihre Ratschläge an. Sehr gerne an. Was sie mir sagte, das tat ich. Und es fühlte sich richtig an. Und selbst wenn sie damals sagte, dass ich Johannes zu dem Zeitpunkt als er es sagte, bestimmt auch wichtig war. Dass er es bestimmt so gemeint hat, wie er es gesagt hat... Ja, selbst das hatte ich ihr damals geglaubt. Aber ich kann mich ja jetzt nicht deswegen einweisen lassen. Das würde Jörn nicht mitmachen. Dabei würde mir das vielleicht mal wieder ganz gut tun... So ne Reha oder so ne psychosomatische Kur oder so was. Nicht so ne Klinik, wo die total Gestörten sind. Einfach so ein Ort, um mal wieder ein bisschen zur Ruhe zu kommen, sich mal wieder ein bisschen zu sortieren und dann hinterher wieder gestärkt zurück zu kommen. Hmm.

Naja... So, hiermit beende ich meinen Roman.

Mittwoch, 6. April 2016

Nähe und Distanz

Ich denke heute viel an Johannes. Nein, eigentlich erst seit ein paar Minuten. Aber manchmal sind die Gedanken so intensiv, dass sie sich wie Stunden anfühlen...

Bei letzten Spiel hatten wir eine Unterhaltung. Es war eine ganz komische Situation. Er war schon im Stadion und ich lief von außen vorbei, weil ich zum Presseeingang musste. Er sah mich, wir unterhielten uns. Zwischen uns waren zwei Zäune. Und doch waren wir uns in diesen Minuten so nah wie schon seit ewigen Zeiten nicht mehr. Es war nicht nur Smalltalk, es war auch kein Schweigen, es war so was wie eine richtige Unterhaltung mit jemandem, den man etwas besser kennt.

Seit ein paar Minuten denke ich daran, wie es "früher" zwischen uns war. Eine Szene, die es so oft zwischen uns gab. In der Zeit, in der wir noch gar nicht miteinander sprechen konnten... So oft standen wir uns einfach gegenüber, er hielt meine Hand, manchmal auch nur einen Finger davon und wir schauten uns einfach nur an. Wortlos. Das war schön. Damals... Heute würde ich ihm den Vogel zeigen. Aber damals... Ich war noch so voller Fragen, damals noch viel mehr als heute, aber wenn er mir so gegenüber stand, meine Hand in seiner, ich ihm in die Augen schaute, dann fühlten sich die Fragen irgendwie anders an. Sie waren auszuhalten. Nicht so wichtig.

Damals wusste ich diese Art der Nähe überhaupt nicht zu schätzen. Heute empfinde ich sie plötzlich als wertvoll. Und jetzt in diesem Moment sehne ich mich sogar fast danach. Dass einfach jemand schweigend meine Hand hält und mir in die Augen schaut und mir das Gefühl vermittelt, dass alles okay sei...

Das letzte Mal hatte er das übrigens getan, nachdem er mich bei Facebook raus geschmissen hatte. Er hatte sich zunächst dafür entschuldigt, mir aber doch keine neue Anfrage mehr geschickt. Beim nächsten Wiedersehen begrüßte ich ihn mit den Worten: "Na, Ex-Facebook-Freund" und er sagte, dass es besser so sei. Ich stammelte nur so was wie "Wie du meinst" vor mich hin und drehte mich weg, um andere zu verabschieden. Als ich danach wieder an ihm vorbei wollte, hielt er meine Hand fest. Wir standen zunächst ziemlich auf Spannung uns gegenüber, weil ich ja eigentlich schnell an ihm vorbei wollte. Ich ging einen kleinen Schritt auf ihn zu, so dass zwar die Spannung nicht mehr ganz so krass war, aber dennoch noch vorhanden und genug Distanz zwischen uns. Auch da schauten wir uns einfach nur wortlos in die Augen. Und obwohl sein Verhalten so schlimm für mich war. In diesem Moment tankte ich irgendwie wieder Kraft. Immer noch mit ziemlich wenig Verständnis vür sein Verhalten, aber durch dieses Festhalten und angucken, fühlte es sich irgendwie besser an. Richtiger an. Ich kann gar nicht beurteilen, wie lange diese Szenarien wirklich immer dauerten. Irgendwann, als es sich für mich richtig angefühlt hat, ließ ich dann seine Hand los, nickte - immer noch wortlos -, drehte mich um und ging. Es war so ein "ich verstehe" - Nicken.

Hmm. Mir fehlt diese Nähe. Nicht nur in unseren Gesprächen, sondern halt auch diese Momente. Aber so langsam... So langsam beginne ich zu verstehen, dass es besser so ist. So war es bei Jens damals auch. Das ist ein ganz wichtiger Prozess, glaube ich. Auch wenn er weh tut und nicht die schönste Phase des Loslassens ist, glaube ich. Weil einem eben auch bewusst wird, dass es solche Momente nie wieder geben wird.

Zack. Plötzlich war der Gedankenblitz da, ob er das mit all seinen Weibern so gemacht hat. So macht. Dass auch diese Geste nichts von Bedeutung für ihn ist. Solche Gedanken tun ziemlich weh.

Ich habe eine neue Wohnung. Nächsten Monat gehts endlich hier raus. Den üblichen Stress mit dem aktuellen Vermieter... Erst sagt er, wir werden uns mit einer vorzeitigen Kündigung schon einig und ann plötzlich doch nicht mehr... Doppelte Mieten könnten mich ziemlich ruinieren und mein komplettes Erspartes auffressen. Und nicht finanziell abgesichert zu sein ist eine sehr große Katastrophe für mich, die mir sehr große Angst macht. Die neue Wohnung ist größer, schöner und natürlich hoffentlich auch ruhiger. Und der Vermieter hat sich für mich entschieden, obwohl ich ehrlich war. Das bedeutet mir sehr viel. Dass er mir vertraut, obwohl ich ich bin. Das ist so ähnlich wie Händchen halten und schweigen...

Ja, das fehlt mir. Es war ein sehr schönes und beruhigendes Gefühl... Das mir sehr gut getan hat. Selten hat mich etwas so sehr beruhigt wie das. Dabei kann ich eigentlich überhaupt niemandem in die Augen schauen. Einfach nur in die Augen schauen. Und wieder stellt sich die Frage: Was hat er anders gemacht als die Anderen? Ich weiß es nicht. Aber vieles von dem was er tat, hatte mir sehr gut getan. Und es fehlt mir.

Freitag, 25. März 2016

Immer noch da

Hey, ihr schaut ja immer noch hier vorbei. Danke hierfür.
Und auch, wenn ich nicht mehr so viel schreibe. So könnt ihr euch doch geehrt fühlen. Denn hier komme ich irgendwie nur noch her, wenn es mir schlecht geht. Wenn ich traurig bin. Wenn ich so traurig und so voller Gedanken bin, dass ich eigentlich nur noch alleine sein möchte und niemanden mehr an mich ran lassen kann.

So wie jetzt.

Ich bin kaputt. Körperlich am Ende. Die letzten drei Tage habe ich so viele Zeitungen verteilt, morgen gehts weiter. Ein Zustand, der einen ja durchaus auch mal befriedigen kann. Aber nicht, wenn man in eine Wohnung kommt und der Typ von oben drüber wieder da ist. Seit zwei Tagen. Ich höre wieder jeden Schritt, den er macht. Ich höre seinen Fernseher, ich höre sein Radio. Ich ertrage das einfach nicht. Er war die letzten Monate in einer Klinik. Ich hatte mich zuvor schon versucht daran zu gewöhnen. Ohne Erfolg. Und in den letzten Monaten hab ich einfach gemerkt, wie sehr ich diese Ruhe brauche. Ich hatte das Gefühl, das erste Mal in dieser Wohnung angekommen zu sein. Ein Stück weit wieder frei zu sein. Jetzt wird wieder alles von diesen Geräuschen dominiert. Nachts kann ich nur noch mit Ohropax schlafen, weil ich ansonsten überhaupt nicht schlafen kann. Die Geräusche... Auch tagsüber. Ich ertrage es einfach nicht, dass da ständig was ist, was ich nicht zuordnen kann. Also auch tagsüber mit Ohropax oder Kopfhörern in den Ohren. Ich fühle mich einfach in meiner eigenen Wohnung nicht sicher und wohl. Komm auch hier nicht mehr zur Ruhe. Muss auch hier ständig alles beobachten und im Griff haben. Das hab ich aber nicht. Wegen diesen Geräuschen, auf die ich einfach keinen Einfluss habe.
Also bedeutet das wieder umziehen. Aber wohin? Wer bezahlt das? Und wer hilft? Jörn findet die ganzen Geräusche ja nicht schlimm, hört man doch kaum bis gar nicht. Ich höre sie. Laut und deutlich... Und vor allem gibt es im Moment nirgendwo eine freie Wohnung. Und nicht vergessen, ich bekomme die EU-Rente. Damit ist man bei Vermietern noch viel unbeliebter als Hartz4-Empfänger. Kein Witz, die Erfahrung musste ich machen. Hätte Jörn nicht bei dieser Wohnung für mich gebürgt, hätte ich die auch nicht bekommen. Dabei habe ich mir in meinem Leben noch nie was zu schulden kommen lassen. Hab keine Schulden, hasse Schulden...

Seit drei Wochen gehe ich wieder zu einer Psychologin. Es ist noch kein Gespräch vergangen, in dem ich nicht geheult hätte. Ich... Ich glaube, Frau Dr. hat mich in über zehn Jahren nie heulen sehen. Auf Frau Dr. Brenners Beerdigung... Doch, da schon. Aber ansonsten? Nicht das ich wüsste. Es liegt auch nicht an der Person, die mir da gegenüber sitzt. Ich weiß noch nicht mal wie sie heißt. Ehrlich nicht. Ich hab keine Ahnung. Das ist eine Gemeinschaftspraxis, ich hab einfach einen Termin bekommen und zack war ich da. Ist auch egal wie sie heißt. Ich glaube, es ist einfach, weil ich so lange "ohne" war. Über zwei Jahre lang in dem Strom der Normalen mitgeschwimmt bin und meine Gedanken und Gefühle für mich behalten habe. Und jetzt ist es wie so ein Ventil. Ich darf jetzt einfach drauf los plappern. Und nichts anderes tue ich. Ich rede einfach vor mich hin. Und heule wegen jedem Scheiß. Wenn ich erzähle, wie perfekt das Leben von meinen Brüdern verlaufen ist, was sie alles haben, dann fange ich an zu heulen. Wenn ich von meinem alkoholkranken Knasti-Bruder erzähle, heule ich. Wenn ich von dem Krebs meiner Mutter erzähle, heule ich. Wenn ich erzähle, dass meine Gefühle für Jörn immer weniger werden, ebenfalls.

Ja, und dann gibt es da noch Johannes... Ich wollte eigentlich gar nicht über ihn reden. Weil eigentlich ging es mir "dank" der Erkrankung und des bevorstehenden Todes meiner Mutter wegen ihm besser. Ich konnte sehen, wie diese Bitch ihm zum Beispiel irgendwelche Fotos auf die Pinnwand krallt. Wegen einem davon bin ich vor Monaten noch ausgerastet. Konnte damals nicht atmen, hatte wieder diesen unfassbaren Schmerz. Jetzt habe ich das Bild halt zur Kenntnis genommen und nicht all zu viel gefühlt. "Dumme Bitch", habe ich dennoch gedacht. Stimmt ja auch.
Tja... Letzte Woche hieß es bei meiner Mutter dann mal kurzzeitig aufatmen. Doch kein weiterer Tumor. Eine Diagnose, die mein Vater und mein Bruder anhand von Arztberichten gestellt haben. Ich wusste nur nicht, dass sie die Diagnose und nicht der Arzt sie gestellt hat. Und nachdem der Tod plötzlich doch nicht mehr so nah war, war Johannes plötzlich wieder akut. Plötzlich wieder die Gedanken, dass ich ihn nie etwas bedeutet habe. Dieser unfassbare Schmerz. Die Gewissheit, dass es nie aufhören wird weh zu tun.
Und deswegen habe ich dann doch kurz über ihn gesprochen. Bzw. mehr über Jörn und dann halt in dem Zusammenhang über die starken Gefühle, die ich damals für Johannes hatte. Dieses Gefühl, ihm wichtig zu sein, mir wichtig zu sein, generell wichtig und wertvoll zu sein, keine Angst zu haben, sicher und geborgen zu sein... Diesen Kram halt. Und sie stellte mir eine eigentlich relativ simple Frage, auf die ich bis heute nicht wirklich eine Antwort finde. Was hat er denn anders gemacht als ihr aktueller Freund? Was hat er überhaupt gemacht, dass es so war wie es war? Tja. Wie erklärt man das? Ich weiß es nicht. Ist ja auch egal, ist ja eh nichts davon wahr. War nichts wahr.

Jörn... Wir haben unseren ersten gemeinsamen Urlaub gebucht. Nach Tunesien eine Woche. Er freut sich total. Hmm. Selbst da denke ich, dass ich lieber alleine gefahren wäre. Einfach an den Strand legen, lesen, Sonne, Meer, hin und wieder kurz abkühlen... Er will Action, Kamel reiten und so. Immer häufiger sage ich unser abendliches Telefonat ab. Heute auch. Morgen sollte ich eigentlich zu ihm. Hab es auf Sonntag verschoben. Ich bin aber auch wirklich erschöpft. Will und muss Kraft tanken. Ob das jetzt in dieser Wohnung hier funktioniert mit dem Typen über mir weiß ich auch noch nicht. Naja, mit Kopfhörern und Musik höre ich es ja nicht. Und auf die Musik kann ich Einfluss nehmen.
Ja, ich bin mir eigentlich ziemlich sicher, dass nur noch mein Kopf mit Jörn zusammen sein möchte. Und selbst der zweifelt, weil Kopfbeziehungen nicht fair sind. Dem Anderen gegenüber. Der ja vielleicht mit dem Herzen fühlt... Aber auch hier... Bei Johannes dachte ich, er würde mit dem Herzen fühlen. Ja, ich dachte wirklich er würde fühlen. Für mich. Ich hätte ihn berührt und erreicht. Hab ich nicht. Bei Jörn hingegen... Da habe ich diese Zuneigung nie so richtig gefühlt. Hatte nur ganz selten das Gefühl, als ginge es wirklich um mich. Eine Beziehung halt. Aber nicht zwingend mit mir. Ja, vielleicht ist ja auch wirklich das die Antwort. Johannes kann alleine. Sehr gut sogar. Und ich dachte halt wirklich, er wäre wegen mir mal kurzzeitig da ausgebrochen, hätte sich raus getraut. Dass er das mit so ziemlich jeder macht die er flachlegt, wusste ich doch nicht. Und mittlerweile frage ich mich auch, ob ich nicht wirklich alles falsch verstanden habe... Zum Beispiel... Es ging ums Kochen. Können wir Beide nicht. Und um den anstehenden Besuch. Und er sagte damals so was wie: Wir sollten unsere wenige kostbare Zeit die wir gemeinsam haben dann eh sinnvoller nutzen, als in der Küche zu stehen. Würde mir das irgendein anderer Typ sagen, wäre mir klar, dass er vom Vögeln redet. Aber bei Johannes... Ich hab mir überhaupt keine Gedanken darüber gemacht, was er damit meint. Aber weil auch völlig egal war, was er damit meint, es wäre einfach alles okay gewesen. Ein anderes Beispiel. Da ging es um das tägliche Schreiben bis zu unserem Treffen: Wir können uns jetzt nur die Finger wund schreiben und uns dann die Wunden lecken, wenn wir uns endlich sehen. So oder so ähnlich. Auch da würde ich jedem unterstellen, dass er vom Vögeln redet, wenn er "lecken" sagt. Ja, die Worte von Johannes kamen bei mir einfach anders an. Wahrscheinlich war ich wirklich einfach zu doof und hab nicht kapiert, dass es auch bei ihm nur ums Ficken ging.

Ich hab schon ein Talent dazu, mich immer noch weiter runter zu ziehen... Meine Mutter stirbt bald, ich fühle mich in meiner eigenen Wohnung nicht wohl, meine Beziehung ist im Arsch... Ja. Da kann ich Johannes grade auch noch gebrauchen.

Läuft bei mir...

Ein Arzt hat die Diagnose nicht bestätigt. Meine Mutter hat wieder Krebs, in 1,5 Wochen gehts wieder in die Uniklinik.

Montag, 7. März 2016

Und dann ist es plötzlich so

Dass Johannes mehr und mehr an Bedeutung verliert.

Aber seitdem Marcell in meinem Leben ist... Da plötzlich wieder jemand ist, der an mich glaubt. Der mich stärkt. Der an mir festhält... Ich war noch nie in so einer Situation. Natürlich nicht. Ich war ja auch noch nie in einer Beziehung. Aber in einer Beziehung zu sein und sich so sehr nach einem Anderen zu sehnen. Okay, zuvor war es immer Johannes, der da irgendwie im Hintergrund war. Aber Marcell ist real. Wir haben jeden Tag Kontakt. Müssen wir ja auch, wir arbeiten ja auch zusammen. Ich denke so viel an ihn. Träume von ihm. All das tut man nicht, wenn man in einer Beziehung ist. Das sollte aufhören. Aber es fühlt sich gut an.

Johannes hat morgen Geburtstag. Das war immer ein großer Anlass für mich. Hab mir Tage lang zuvor überlegt, wie ich gratuliere. Dieses Mal... Keine Ahnung. Eigentlich könnte ich das auch Jörn überlassen, wir gratulieren oft im Partner-Modus. Mal er, mal ich. Sie stehen sich näher als Johannes und ich es tun. Aber da ist noch dieses Ding, dass er meinen Geburtstag vergessen hat. Ich glaube, ich will ihm einfach rein drücken, dass ich ihn nicht vergessen habe.

Morgen nimmt mit Marcell mit zu einem wirklich wichtigen Termin. Ich bin sehr aufgeregt. Aber ich weiß auch, dass er auf mich aufpassen wird. Er wird nicht zulassen, dass mir was passiert.

Ich hätte niemals gedacht, dass ich jemals wieder solche Gefühle für jemanden entwickeln könnte. Gefühle, die nicht sein dürfen. Die niemals ausgelebt werden dürfen. Ich bin mit Jörn zusammen und das ist auch gut so.

Und dann habe ich morgen auch noch einen Termin beim Psychologen. Endlich. Ich hatte am Samstag während dem Fußballspiel mit Panikattacken zu kämpfen. Obwohl nur Menschen um mich herum waren, die ich kenne und mag. Das war ganz schön mies. Und auch so habe ich wieder verstärkt mit irgendwelchen Ängsten zu kämpfen. Ich weiß nicht so recht, woran das liegt. An meiner Mutter? An Marcell? Verlustängste?
Er wird eines Tages auch aufhören an mich zu glauben. Das tun sie früher oder später alle. Wenn sie mich erst mal richtig kennen. Dann wird er gehen und nie wieder zurück kommen. Er wird mich einfach wieder alleine lassen. Ein Grund mehr, mich wieder mehr davon zu distanzieren. Mich nur auf den Job zu konzentrieren.

Ja, ich hab Angst davor, dass es wieder aufhört. Es tut gut, wenn da jemand ist, der einem das Gefühl gibt, wertvoll zu sein. Aber ich will mich nicht daran gewöhnen. Ich muss mich wieder mehr davon distanzieren. Muss an Johannes denken. Daran, wie er mich einfach weggeschmissen hat. Wie er nachgetreten hat. Wie ich ihm scheißegal war. Wie ich sterben hätte können und es ihn nicht interessiert hat. Daran, was ich für Schmerzen hatte. Jahre lang. Das will und kann ich nicht noch mal erleben.

Ja, das würde ich einfach nicht noch mal überleben. Ich glaube, dann will ich doch lieber den üblichen Johannes-Schmerz zurück. Den Schmerz, an den ich mich in den letzten Jahren irgendwie gewöhnt habe. Aber noch mal jemandem zu vertrauen, jemandem zu glauben, dass ich ihm wichtig bin und dann am Ende feststellen zu müssen, dass das nichts als gelogen war... Das kann ich einfach nicht noch mal. Die Konsequenzen wären einfach zu heftig für mich. Es geht nicht.

Ich muss ein Einzelkämpfer bleiben. Das kann man auch in einer Beziehung sein. Sorry Marcell, aber ich kann das einfach nicht. Ich würde dir so gerne glauben... Aber ich kann es nicht. Ich kann es einfach nicht...

Donnerstag, 3. März 2016

Schon was länger her

Dass ich was geschrieben habe. Hmm. Es passiert grade einiges.
Bei meiner Mutter wurde ein neuer Tumor entdeckt. Dieses Mal im Hals. Ja.

Gestern beim Fußball. Es war komisch. Eigentlich wollte ich zu einem befreundeten Ordner. Ich wollte ihn vor dem Spiel besuchen. Johannes stand neben ihm. Mein Ordner hatte keine Zeit, aber Johannes kam raus. Wir standen nebeneinander, versuchten miteinander zu reden... Aber... Es kam kein wirkliches Gespräch zustande. Ich wusste auch wirklich nicht, was ich mit ihm reden soll. Worüber. So gehts mir mit ganz vielen Menschen. Ich bin nicht der Typ, der mit jedem redet. Mein Gott. Sind wir inzwischen wirklich Fremde geworden? Es ist nach wie vor nicht so, dass ich wirklich komplett losgelassen habe. Werde ich das überhaupt jemals? Keine Ahnung. Ich denke nach wie vor vermutlich ein mal am Tag mindestens an ihn. Ja, ich glaube schon. Aber diese ganzen Gedanken... Dass ich ihm nie etwas bedeutet habe, dass ich nicht gut genug war, dieses Ding, dass ich zumindest dachte, ich würde ihm was bedeuten und es einfach nicht so war. Wenn ich so darüber schreibe, dann tut es nach wie vor weh. Aber auch da würde ich behaupten, dass es nicht mehr ganz so schlimm ist. Aber es ist trotzdem krass. Ich hab mich noch nie einem Menschen so nah gefühlt wie ihm. Wir hatten uns damals so viel zu sagen. Hatten so viele Themen, so viele Gemeinsamkeiten. Aber gestern? Wir standen nebeneinander, hielten Smalltalk, langweilten uns beide, er fing dann an, einen Status bei Facebook zu posten, ich schaute ständig auf die Uhr, weil ich zu ner gewissen Uhrzeit woanders sein musste. Ich kann noch nicht mal sagen, dass es eine unangenehme Situation war. Ich stehe neben vielen Menschen schweigend.Weil ich einfach nicht weiß, was ich mit ihnen reden soll. Es gab schon Zeiten, da stand ich total aufgeregt neben ihm und hatte Angst davor, irgendetwas Falsches zu sagen. Da hielt ich Schweigen für die bessere Alternative. Aber gestern? Ganz komisch. Aber so ähnlich war es bei Jens dann plötzlich auch. Eines Tages. Obwohl wir uns so nah waren, hatten wir keine gemeinsamen Themen mehr. Haben wir auch heute nicht. Vielleicht bin ich ja auf nem guten Weg? Man darf aber auch nicht vergessen, dass ich ihn gestern in diesem Jahr das erste Mal wiedergesehen hatte. Zuletzt vor fast 3,5 Monaten. Seitdem wir uns kennen hatten wir glaube ich noch nie so lange Pause. Und nichtsdestotrotz gibt es dennoch noch Punkte, bei denen ich mich bei ihm mehr aufrege, als bei anderen Menschen. Ja, wo mich sein Verhalten mehr beschäftigt als dasselbe Verhalten von anderen Menschen. Und das ist ein Verhalten, das noch nicht mal was mit mir zu tun hat. Ach, ich kann das grade nicht erklären. Ich schätze, ich bin schon nen Schritt weiter. Aber am Ziel noch lange nicht.

Und dann passiert grade was ganz Blödes. Von dem ich selbst überrascht bin. Ich verabscheue Fremdficker so dermaßen. Und ich hätte für mich selbst die Hand ins Feuer gelegt, dass mir so was niemals passieren würde. Ich würde gar nie in so eine Situation kommen, weil mich andere Männer einfach nicht interessieren, dachte ich immer. Aber seit ein paar Tagen... Mein neuer Chef von dem Fußball-Dings... Wir schreiben jeden Tag, er flirtet mit mir... Wäre da nicht Jörn... Ich würde sofort drauf einsteigen. Aber ich muss mich imemr wieder selbst daran erinnern, dass ich in einer Beziehung bin. Seit über zwei Jahren. Aber ich denke viel an ihn. Ich genieße seine Nähe. Ja. Ich hoffe, dass er es niemals darauf anlegt... Ich hab selbst Angst davor, dass ich mir plötzlich die Hand verbrennen könnte. Und trotz allem. Auch wenn bis dato überhaupt noch nichts passiert ist. Und ja auch gar nichts passieren wird... Wenn man überhaupt erst darüber nachdenkt, obwohl man in einer Beziehung ist, sich phasenweise sogar wünscht, man wäre Single... Dann ist das nicht grade ein gutes Zeichen, oder? Und das Einzige, was mir dann immer einfällt ist: Jörn ist so gut zu mir, wie noch nie zuvor ein Mensch. Ich hab ja immer gesagt, dass es nicht so ist wie bei Johannes. Was ja auch gut so ist. Das hätte mich fast umgebracht.

Aber... Gibt es einen Zusammenhang? Zwischen dem plötzlich größer gewordenen Abstand zu Johannes und dem Chef? Dass da plötzlich wieder Gefühle sind? Es darf einfach nicht sein. Nicht für so ein paar Gefühle. Das hat Jörn nicht verdient. Und das was er mir gibt, ist viel wichtiger als so ein Gefühlskram. Beständigkeit. Er bleibt einfach bei mir, egal wie schwierig ich manchmal bin. Er lässt mich nicht alleine. Und ich würde behaupten, dass er meine schlimmsten Seiten mittlerweile zu Gesicht bekommen hat. Ja, das ist das, was ich in meinem Leben bislang viel zu selten hatte. Das sollte ich nicht aufgeben. Nicht für irgendeinen Flirt.

Tja...

Samstag, 6. Februar 2016

Sorry

Ich konnte es ja kaum erwarten, bis ich mich nach Mitternacht endlich bei all den Pappnasen bedanken konnte, die mich und meinen Geburtstag vergessen haben.

Johannes hatte mir dann heute morgen geschrieben. Über FB und über Whatsapp. Hatte sich entschuldigt und mir alles Gute gewünscht. Ich wusste doch eh, dass du ich dir nicht wichtig genug bin und du mich vergisst.
Meine Antwort: Kein Ding, alles gut. Ich weiß auch nicht von jedem meiner FB-Freunde den Geburtstag.
Er schreibt: Du bist aber nicht JEDER!
Kannst du mir das nicht einfach mal zeigen, anstatt das immer nur zu sagen?! 

Aber seht ihr. Ich wusste, dass ihm solche Daten eigentlich wichtig sind. Das erste Mal seit langem, dass ich das Geühl habe, dass ich ihn doch ein wenig kenne.

Auch bei Jens lag ich richtig. Obwohl unser neuer gemeinsamer Chef ihm gestern extra noch mal gesagt hatte, dass ich Geburtstag habe, kam nichts. Ich hatte Jens dann heute "beruflich" geschrieben und erst da hatte er mir dann nachträglich gratuliert. Hätte ich ihm nicht geschrieben, wäre wahrscheinlich gar nichts gekommen. So ist der Kerl einfach.

Apropos neuer Chef. Mit dem hatte ich mich dann gestern auch kurz getroffen, weil er ne Kleinigkeit für mich hätte. Die Kleinigkeit bestand aus 100,00 Euro! Das ist echt krass.

Ich weiß ja seit über zwei Wochen jetzt, dass ich da beruflich ein bisschen mehr machen darf und mir da ja in Zukunft echt coole Dinge passieren werden. Ich hab das meinen Eltern noch nicht erzählt. Wir haben hin und wieder in der Zeit telefoniert. Aber das Ding ist... Sie fragen mich noch nicht mal, wie es mir geht oder was es Neues gibt. Und ich frage, ob das immer so war. Ich hab ihnen schon als Kind nie was erzählt. Das weiß ich. Aber habe ich ihnen nie etwas erzählt, weil mich sowieso niemand gefragt hat? Hmm. Ich reize das im Moment aber auch aus. Erzähle es nicht von mir aus. Weil ich einfach mal abwarten möchte, ob man mich überhaupt irgendwann mal nach meinem Leben fragt. Ich glaube, es ist wichtig, dass Eltern ihre Kinder auch mal fragen, wie es ihnen geht, was sie so erleben und erlebt haben, ob sie etwas beschäftigt, ob es etwas gibt, was sie beschäftigt oder über das sie reden möchten. Ja, ich denke, das gehört zu den Job von Eltern. Ich denke, für mich wäre das kein Job, sondern ein Grundbedürfnis. Wissen zu wollen, wie es in meinem Kind aussieht. Naja, egal. Ich bin mittlerweile 34 Jahre alt und damit eh raus ;-) . In dem Alter will ich kein Kind mehr. Ich bin schlichtweg zu alt. Für mein Empfinden. Meine Mutter war 38 als sie mich bekommen hat und sie war einfach immer älter als alle anderen Mütter und so viel uncooler. Ich weiß, dass das nicht am Alter liegen muss. Aber nein, ich möchte keine Mutter sein, die 10 Jahre älter ist als die Mütter der Freunde meines Kindes.

Ich schlafe seit fast zwei Wochen so mega schlecht. Kann nicht einschlafen. Dabei bin ich so mega müde und kaputt. Total ausgelaugt. Aber kaum lege ich mich abends hin, dann ist es vorbei. Ich denke zu viel nach. Über meine Eltern. Ich kann es einfach nicht fassen. Jeder von uns hat und wird das erleben. Eltern sterben nun mal. Warum ist das ausgerechnet für mich so schwer? Das verstehe ich einfach nicht. Aber ich hab nächste Woche eh nen Termin beim Psychiater. Oder übernächste Woche? Weiß ich grade nicht, dann lasse ich mir glaube ich mal was verschreiben. Obwohl ich ansonsten so gegen Medikamente bin. Aber wenn ich nicht schlafe, dann gehts mir einfach nicht gut. Und der Zustand dauert mir im Moment schon zu lange an. Und obwohl ich schon verschiedene Dinge ausprobiert habe, habe ich einfach das Gefühl, dass ich das grade selbst nicht in den Griff bekomme. Und Schlaf ist nun mal eines der wichtigsten Dinge für mich. Wenn ich nicht genug Schlaf bekomme, dann bekomme ich den Rest auch nicht mehr hin. Mal 1-2 Nächte nicht schlafen ist okay. Aber zwei Wochen sind zu lange. Da ist das Problem dann gravierender.

Nun denn. Alles wird gut, gehen wir es an.

Freitag, 5. Februar 2016

Happy Birthday

Das erste Mal... Dass ich bei FB die Einstellung so hinbekommen habe, dass die Außenwelt wirklich nicht mitbekommt, dass ich Geburtstag habe. Mein Datum habe ich schon seit Jahren ausgeblendet, aber bislang hatte ich verplant, meine Chronik dicht zu machen. Und wenn dir erst mal einer was in die Chronik klatscht, dann zieht der Rest nach.

Es sind nicht viele Menschen, die auch ohne FB an mich denken. Bislang eigentlich nur Familie. Und mein neuer Chef. Und Jörn natürlich. Jens wird das nicht wissen. Er merkt sich so was nicht. Er ist ein Egoist und merkt sich nur seinen eigenen Kram. Das macht er aber mit allen so. Johannes... Er ist nicht so. Er kann sich wichtige Daten sehr gut merken. Wichtige Daten von wichtigen Menschen. Der Grund, warum er mich heute vergessen wird. You know what I mean.

Ich weiß, wann Jens Geburtstag hat und ich weiß natürlich auch, wann Johannes Geburtstag hat. Und ich kenne nicht viele Geburtsdaten. Auch ich bin darin sehr schlecht.

Tja. Das Risiko besteht halt, wenn man FB so einstellt. Danach weißte Bescheid. Bekommste deine Bestätigungen.

Aber... Dafür hab ich jetzt wieder einen guten Chef. Der mich nahezu lobt. Erst vorhin hat er wieder geschrieben, dass er stolz auf mich ist. Ihr glaubt gar nicht, zu was ich fähig sein kann, wenn da jemand ist, der an mich glaubt. Gab es noch nicht so oft in meinem Leben. Tut gut. Sollte jeder haben. Immer. Okay, zumindest oft. Ich weiß, dass ich nicht der beste Schreiber dieser Welt bin. Da würde er sicherlich bessere finden. Er würdeUnd auch Leute finden, die sich so viel besser mit dem Verein auskennen als ich. Die so viel mehr Hintergrundwissen haben. Und trotzdem vertraut er ausgerechnet mir. Keinen tausend anderen Leuten. Da gibt es im Moment nur eine Person, die er all das anvertraut und zutraut. Und das bin ich. Was soll man da sagen außer Danke? Ich werde mein Bestes geben, das verspreche ich. Und hoffe, dass es reicht...

So, aufräumen, duschen, Zeitungen verteilen... Jörn sehe ich wahrscheinlich erst beim Fußball heute Abend. Bis morgen Mittag, dann geht er Karneval feiern.

Und eigentlich bin ich ziemlich müde und ausgelaugt. Fast schon depressiv. Ich glaube, ich bleibe heute nicht bis zum Schluss im Stadion. Wollte ich beim letzten Spiel schon nicht. Das Problem ist aber, dass man gar nicht so leicht aus dem Stadion kommt während dem Spiel. Die Türen sind ja nicht offen. Also muss man erst nen Ordner bitten... Und das hat nichts mit irgendwelchen Leistungen auf dem Platz zu tun. Ich fühle mich da einfach plötzlich nicht mehr wohl. Mir ist alles zuviel und ich will nach Hause. So war es damals auch... Kurz bevor ich auf der Geschlossenen gelandet bin...

Naja... Happy Birthday