Samstag, 25. Februar 2017

Am Rande des Wahnsinns

Ich komme nicht mehr klar. Weine so unendlich viel. Ständig. Aus heiterem Himmel. Egal wann, egal wo, ich fange plötzlich an zu weinen.

Ich weiß noch nicht mal so recht warum. Es ich noch nicht mal so recht wegen Johannes. Also doch schon. Aber anders. Nicht (mehr), weil er weg ist. Ich hab ihm damals nicht all zu viel bedeutet, das muss man akzeptieren. Muss ich akzeptieren. Sicher auch nicht meine Stärke. Nein, mit Ablehung kann ich nicht umgehen. Aberr was mich grade so völlig aus der Bahn wirft. Wäre ich bei der Reise dabei gewesen... Ich hätte nicht mit Johannes umgehen können. Weil ich alles bin nur nicht ich. Wer weiß schon, wer oder was ich wirklich bin. Aber bei ihm... Ich bin ständig so konzentriert. Noch viel ernster als eh schon. Hinterfrage ständig alles. Ihn, mich... Vermische Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Kann nichts einfach so stehen lassen.

Kein Wunder, dass der keinen Bock auf mich hat. Aber ich kann es auch nicht ändern. Aber richtig ist schon, dass er alles falsch macht. Alles falsch machen muss. Weil ich nichts annehmen kann. Nichts einfach so stehen lassen kann.

Und ich weiß, dass ich das nicht lernen kann. Wie viele Chancen hat man in so einem Prozess? Für ihn bin ich so, wie ich halt zu ihm bin. Er weiß nicht, was in mir vorgeht. Was auch besser so ist. Aber... Ich bin die ganze Zeit - seit Jahren - immer und immer wieder total komisch zu ihm. Er denkt ja, ich bin wirklich so. Muss er ja auch denken.

Ich wäre so gerne "frei". Wäre gerne dabei gewesen bei dieser Reise. Hätte mich freuen können, ihn nach so langer Zeit mal wieder zu sehen. Hätte mich nach seinem Wohlbefinden erkundigen können. Hätte mir meinen Rüffel abholen können, weil ich die Ultras so scheiße finde, dass ich wegen denen nicht mehr zum Fußball fahre.

Aber statt dessen... Ich hätte mich noch nicht mal gefreut, ihn zu sehen. Hätte ihn kühl begrüßt, wie ich ihn immer begrüße. Hätte vielleicht neben ihm gestanden, hätte nicht gewusst, was ich sagen soll. Hätte auf seine Frage wie es mir geht mit "alles gut und selbst?" geantwortet... Da gab es diese zwei Szenen... Als er mich das gefragt hatte... Ein mal fing ich fast an zu weinen, konnte nichts sagen. Noch nicht mal mehr "alles gut". Er umarmte mich, hielt mich fest. Um uns waren so viele Menschen. Er ließ mich los und sagte, dass er mir am nächsten Tag schreiben wird. Er tat es. Fragte, ob er sich Sorgen machen müsse... Noch an diesem Tag ließ ich mich freiwillig auf die Geschlossene einweisen...
Das andere Mal... Ich sagte "alles gut", er sah mich an und sagte: "das stimmt nicht." Ich fragte, ob ich ihm denn jetzt meine ganze Lebensgeschichte erzählen soll. Er meinte, dass er mich ja auch so schon ein bisschen kennen würde. Danach sagte er noch: "Ich hab dich lieb." Ich starrte ihn ungläubig an. Er meinte: "Das ist so." Ich sagte daraufhin, dass sich das aber nicht so anfühlt, wenn er nie auf meine Nachrichten antwortet. Er kam dann bei einem anderen Spiel extra deswegen noch mal auf mich zu. Er war betrunken... er sagte: "Du willst wissen, warum ich nicht antworte? Weil ich so bin. Ich bin einfach so."
Wie viele Jahre ist das jetzt her? Ewig...

Jörn erwähnte noch beiläufig, dass Johannes mit ner gemeinsamen Freundin telefoniert hatte. Eine seiner Schnecken. Läuft aber wohl schon länger nichts mehr. Von ihr weiß ich. Sie ist toll. Sie hätte ich irgendwie "akzeptieren" können. Nicht nur akzeptieren müssen. Auch da... Würde er mich anrufen... Ich würde sterben und nicht annehmen. Vor kurzem regte ich mich noch fürchterlich auf. Er rief Jörn an, weil er etwas über eine Sache wissen wollte, die ich mitorganisiert habe. Es ging um so eine Fanartikel-Aktion. Ich hatte ihm sogar so ein Utensil besorgt, hab die Kohle für ihn überwiesen... Und da fragt er bei Jörn nach und nicht bei mir?! Etwas, was ich immer noch nicht verstehe. Aber seitdem mir klar ist, dass ich gar nicht mit ihm telefonieren hätte können...

Ob er das weiß? Gewusst hat? Und deswegen so ist? Man kann ihm vorwerfen was man will. Aber er hat ein gutes Gespür für so was. Wohl ein positiver Nebeneffekt, wenn man so viele Weiber hat(te)...

Ja... Es ist egal, was er tut oder nicht. Weil ich einfach mit nichts davon umgehen kann und klar komme. Ich hab es mir so sehr gewünscht, dass wir irgendwann wieder in irgendeiner Form zueinander finden. Nochmal... Ich rede nicht von Beziehung. Aber er war mir mal so wichtig, ich wollte ihn nie verlieren. Ich wollte einfach ein Stück von ihm behalten. Wenn nicht als Partner, dann als Freund. So abgedroschen das nun mal auch klingt.

Aber ich kann es nicht. Ich muss aufgeben. Alles andere macht mich kaputt. Setzt mich ständig unter Druck. Ich will ja "normal" zu ihm sein. Aber wenn ich normal bin, dann bin ich nicht mehr ich. Und genau das war es doch, was uns damals so ausgezeichnet hat. Also zumindest für mich. Dass ich bei ihm damals so verdammt frei war. Mir keine Gedanken gemacht habe, über nichts und niemanden. Keine Angst hatte.

Tja... Ich bin traurig, spüre, wie der Selbsthass immer stärker wird. Ich kann nicht mehr. Und morgen fahre ich zu Jörn... Das kann ja lustig werden. Zumal ich ja auch da wieder auf dem Trip bin, dass er eigentlich Eine verdient hätte, die viel besser zu ihm passt. Die all das mit ihm teilt. Die Fußballreisen, den Alkohol, von mir aus auch die Begeisterung für Johannes... Aber das Ding ist... Er hatte ne geile Reise. Ja, er hatte sie ohne mich und mit mir hätte er wieder auf so vieles verzichten müssen... Durch meine Unlust hätte ich auch ihm den Spaß verdorben. Klar könnte ich ihm das so sagen... Könnte den Streit herbei provozieren. Stattdessen hab ich ihm gesagt, dass ich mich freue, dass er ein paar schöne Tage hatte und er bitte seine Karten auch in der nächsten Saison behalten soll. Ich kann ihn bei so was nicht begleiten, dass sollte ich ihm wenigstens den Spaß lassen...

Und dennoch... Ich weiß nicht, wann ICH ihn zuletzt so glücklich gemacht habe... Und mit mir hätte er auf dieser Reise nicht so viel Spaß gehabt.

Auch das trägt nicht grade zu einem guten Gefühl bei...




Freitag, 24. Februar 2017

Es könnte so einfach sein...

Jörn war die letzten Tage in Sachen Fußball unterwegs. War viel mit Johannes zusammen, sie sind sogar gemeinsam geflogen... Es war das erste Mal, dass ich nicht dabei war. Und wieder dreht sich alles in mir. Die kleinen Kinder weinen, weil sie gemeinsame Zeit mit ihm verpasst haben. Denken, dass sie ihm in der Zeit zeigen hätten können, dass sie sehr wohl liebenswert sind. Der Trotzkopf gibt zum Besten, dass es gut war, dass er nicht da war, er hätte doch eh wieder nur irgendeine Schnecke am Start gehabt...

Und ich? Ich halte das alles nicht mehr aus und denke: Haltet doch einfach alle nur die Schnauze. Was soll ich auch sagen? Den Kindern, dass keine gemeinsame Zeit irgendwas ändern würde? Schon gar nicht jetzt. Noch nicht. Wir haben es schon so oft versucht. Es gab so viele Gelegenheiten... Egal was wir getan oder nicht getan haben, es hat nichts geändert. Und diesem Trotzkopf... Ja, hätte sein können. Und wenn er die Stewardess im Flieger flach gelegt hätte...

Dieses Fußball-Ding. Jörn hatte die Reise ohne mich so sehr genossen. Das Erlebnis Fußball. Er kam so glücklich zurück. So hatte ich ihn lange nicht gesehen. Ursprünglich wollte auch er in der kommenden Saison seine Karten abgeben... Nachdem ich ihn aber heute so gesehen habe... Ich habe ihn gebeten, es nicht zu tun. Das ist einfach voll sein Ding. Er brennt dafür. Das kann und will ich ihm nicht weg nehmen. Mich hingegen... ich rege mich immer noch über all diese Ungerechtigkeit dort auf. Kann mich über Siege nicht mehr freuen. Lese keinerlei Berichte mehr über den Verein. Bekomme nichts mehr mit und interessiere mich auch nicht mehr dafür.

Für Jörn wäre eine aus diesen Fußball-Kreisen besser. Die all das mit ihm lebt. Das hätte er verdient.

Ich fühle mich so einsam. So falsch, so unrichtig, so... Ich weiß gar nicht wie. So nicht dazu gehörig. Noch nicht mal verlassen oder so. So fremd. Man steht dabei, aber gehört doch nicht dazu. Versteht nicht, worüber die anderen reden, weil man den Inhalt nicht kapiert. Wird nicht beachtet. So ausgegrenzt und ausgeschlossen.

Ich sollte irgendwas für mich tun. Mich selbst trösten oder so. Aber das Ding ist... Ich weiß noch nicht mal, was mir gut tut.

Es wäre so einfach, wenn ich nicht so verdammt kompliziert und kaputt wäre. Wenn ich all diese Ungerechtigkeit besser akzeptieren könnte, wenn ich diese besoffenen Menschen besser ertragen könnte, diese Lautstärke und Enge, die nun mal beim Fußball so herrscht. Wenn mir Johannes nichts ausmachen würde. Wenn ich auch einfach auf so Fußballreisen gehen und Spaß haben könnte. Aber ich kann es nicht. Und es steht halt auch nicht unbedingt auf der Liste von den Dingen, die ich gerne können würde.

Gäbe es Jörn nicht, würde ich wirklich gar nichts mehr von Johannes mitbekommen.

Ich bin einfach scheiße traurig. Fühle mich so... Ich weiß es immer noch nicht wie. Ich passe einfach nirgendwo hin. Gehöre nirgendwo dazu. Kann nirgendwo dazu gehören. Bin einfach so schrecklich unangepasst. So anders. Ich war mein Leben lang ein Außenseiter. Und ich bekomme es einfach nicht hin, dauerhaft irgendwo dazu zu gehören. Ich weiß auch nicht, ob ich das überhaupt wollen würde...

Ich bin aktiv. Verteile jeden Tag irgendwelche Zeitungen oder Flyer, mache jeden zweiten Tag Sport... Aber eigentlich würde ich am liebsten einfach nur hier liegen. Mich vergraben.

Ich passe einfach nicht in diese Welt. Müsste so vieles an mir ändern, dass es halbwegs passen würde. Aber ist es das wert?

Donnerstag, 23. Februar 2017

Und dann hat es "Klick" gemacht...

Ich hatte letzte Woche ein sehr tränenreiches Gespräch mit meiner Psychotante. Sie fragte, warum ich immer nach seinem Whatsapp-Status gucke. Zuerst versuchte ich zu erklären, dass mir 90 Prozent seiner Angaben ja gefallen, dass sie mich ihm wieder näher spüren lassen. Dass es mich ja nur umbrettert, wenn er da was mit anderen Weibern schreibt. Sie fragte dennoch immer und immer wieder nach. Warum ich es nicht einfach lasse. Und während ich mich immer weiter versuchte raus zu reden, wurden die Stimmen in mir immer lauter. Es war verrückt... Da brüllten so viele Stimmen plötzlich: "Nein, tue das nicht. Nimm ihn uns nicht wieder weg. Lass das nicht zu. Du darfst ihn uns nicht noch mal weg nehmen." Das hat mich so aus dem Konzept gebracht, dass ich nicht mehr wirklich reden konnte. Von den Stimmen konnte ich zu dem Zeitpunkt nichts erzählen, weil sie mich selbst völlig überfordert haben. So in der Form kannte ich sie schließlich auch nicht. Es war so deutlich. Es waren kleine Kinder, die nicht nochmal verlassen werden wollten.

Die Psychotante kam zu dem Schluss, dass ich Johannes nur nicht loslassen würde, damit ich bei Jörn diese Verlustängste nicht habe. Dieser Meinung kann ich mich nicht anschließen. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Johannes war so ein Herz-Ding. Ohne Sinn und vor allem ohne Verstand. Es war einfach nur Gefühl. Bei Jörn hingegen. Er ist ein Guter. Ein verdammt Guter. So ziemlich das Beste, was mir passieren hat können. Und dennoch ist es mehr so ein Kopf-Ding. Er tut so unfassbar viel für mich, ist immer da, wenn ich ihn wirklich brauche. Verzichtet auf so viel für mich. Passt sich mir und meinen Bedürfnissen an. Nimmt Rücksicht. Und dennoch... Es ist bei weitem nicht mit dem Johannes-Gefühl zu vergleichen. Sollte Jörn mich mal verlassen... Klar werde ich traurig sein. Aber ich werde nicht sterben. Ich muss mich neu aufstellen, neu organisieren, hab niemanden mehr, der mir hilft. Aber mein Herz, mein Herz wird nicht kaputt gehen. Ich werde den Schmerz und den Verlust unter Kontrolle haben.

Aber was ich nun verstanden habe... Durch diese Kinderschreie... Ja, ich nehme ihnen Johannes weg. Nicht schon wieder. Beim ersten Mal konnte ich nichts dafür. Er hat uns verlassen. Aber jetzt... Ich muss Verantwortung übernehmen. Ich tue diesen Kindern nichts Schlimmmes an, dadurch, dass ich ihn verlasse. Ganz im Gegenteil. Es tut diesen Kindern nicht gut, auf seine Aufmerksamkeit zu hoffen, die doch ausbleibt.

Ich hab das Gefühl, ich muss ihnen was anderes geben. So als Trost oder so. Aber... Ich bin dazu nicht bereit. Diese Sache mit dem inneren Kind / den inneren Kindern. Die macht mir Angst. Ich hab Angst davor, was da sonst noch so raus kommt.

Ich werde dennoch auch weiterhin auf Abstand gehen. Hab ja seit über einer Woche jetzt seine Nummer bei Whatsapp gelöscht. Klappt gut. Vielleicht ist es ja wirklich besser für mich. Jörn hatte mir die Tage eine Nachricht von ihm an ihn vorgelesen, in der er mich lieb grüßt. Ich konnte es sogar für einen kurzen Moment einfach so annehmen und mich sogar ein wenig darüber freuen. Dauerte aber nicht mehr lange, dann fiel mir wieder ein, dass er mich nur grüßt, weil ich Jörns Freundin bin. Hätte Jörn ne Andere, würder er halt die grüßen. Ich sollte lernen, alles was Johannes so sagt einfach so anzunehmen, wie er es sagt. Wertfrei. Aber... Grade bei Johannes... Damals hatte ich alles so angenommen, wie er es gesagt hat. Was er gesagt hat. Hatte nichts hinterfragt. Hatte alles geglaubt. Deswegen ist das halt jetzt nicht so einfach.

Johannes hatte damals auch nicht alles richtig gemacht. Hat mir mit vielem sehr weh getan. Mit Dingen, die er zu mir gesagt hat. Dinge, die ich auch nicht vergessen werde. Aber es ist halt auch so, dass er im Moment nichts mehr richtig machen kann. Und das ist meine schuld, nicht seine. Daran muss ich arbeiten. Ich weiß nicht... Es ist irgendwie seit so langer Zeit mal wieder so, dass ich denke, dass er vielleicht doch ein Guter ist. Dass er nicht nur ein Arschloch ist.

Er hat seine Frauen und wird sie auch weiterhin haben. Und er hat auch welche, die ihm mehr bedeuten, als ich es jemals getan habe. Das gilt es zu akzeptieren. Und zwar alle, auch die kleinen Schreihälse.

Ich würde mir wünschen, dass wir uns eines Tages noch mal begegnen könnten. Unvoreingenommen. Ohne gemeinsame Vergangenheit. Alles auf Null. Und dann hätte ich gerne, dass wir es beide besser machen. Noch nicht mal als Beziehung. Aber dennoch mit Vertrauen. Und Ehrlichkeit. Und Aufrichtigkeit. Naja.

Jetzt lasse ich erstmal los und verklickere den Zwergen, dass es besser so ist. Für uns.




Mittwoch, 15. Februar 2017

Der Kampf zwischen Verstand und Gefühl

Ich weiß, dass es albern ist. Ich weiß, dass es mir nicht zusteht eifersüchtig zu sein. Ich weiß, dass es mir scheißegal sein müsste. Johannes kann zig Liebeserklärungen am Valentinstag erhalten und verschicken. Es geht mich nichts an. Und weh tun dürfte das schon seit Jahren nicht mehr.

Denkt ihr, ich weiß das nicht?

Und ganz genau das macht mich ja so hilflos. Dass es trotzdem so verdammt weh tut. Mich so verdammt traurig macht. Dass ich mich so schlecht und so verdammt wertlos und klein fühle. Ungeliebt. Unwichtig.

Das bringt mich um, ehrlich. Ich fühle mich dem einfach so hilflos ausgeliefert. Ich fühle es nicht nur, ich bin es. Ich kann einfach nichts dagegen tun. Doch... Süßigkeiten in mich hinein stopfen. Dann rege ich mich zumindest darüber auf... Lenke mich von dem Schmerz ab, bin dafür wütend auf mich selbst.

Das Absurde dabei ist ja... Meine Mutter kam gestern ins Krankenhaus, am Valentinstag, an dem Tag, an dem Johannes Liebesbotschaften in seinem Whatsapp-Status veröffentlicht. Lungenentzündung, Intensivstation... Sie hat eh nur noch einen funktionsfähigen Lungenflügel... Aber auch das lenkt mich nicht von dem Schmerz ab. Nein, es müssen Süßigkeiten sein. Eine Tüte Chips, eine Tafel Schokolade und eine Tüte NicNacs. Geht... Ohne Probleme. Ich hab da kein Sättigungsgefühl.

Das ist einfach alles Mist. Wie irgendwelche Dämonen oder so. Damit meine ich nicht die Süßigkeiten. Darüber könnte ich die Kontrolle erlangen. Das müsste ich nicht tun. Ich müsste mich nur ein bisschen mehr zusammen reißen, mich anderweitig ablenken. Skills... You know what I mean. Ja, ich sollte mir einfach was anderes überlegen. Die Kohle anstatt in Süßigkeiten in etwas investieren, was mir gut tut. Irgendwas Schönes. Ja, daran bin ich selber schuld. Ist aber auch nicht mehr das größte Drama. Ich kann mittlerweile über 90 Minuten am Stück joggen, das geht schon wieder runter.

Aber bei den Johannes-Gefühlen... Die sind einfach da. Ich kann es nicht verhindern. Es ist echt ein mieses Gefühl.

Wenn ich da an den Redaktionsjob denke... Ich gucke überhaupt nicht mehr, was sie so tun. Wie oft sie meinen einstigen Ticker füllen. Ich schaue mir auch nicht die Profile meiner einstigen Kollegen an. Ich will es einfach nicht wissen.
Bei Facebook klappt es bei Johannes ja mittlerweile auch recht gut. Ich gucke kaum noch. Da postet er aber auch keine privaten Sachen. Oder eher selten. Liebesbotschaften würde er hierüber nicht verschicken... Wir hatten damals so was auf seiner Chronik... We will and we can... Weiß nicht mehr so genau, er hatte es kurz nachdem er mich abserviert hatte gelöscht... Zack... Weg damit. Ich sollte ihn bei Whatsapp so einstellen, dass ich nichts mehr von ihm sehe... Andererseits... Ich weiß gerne, wie es ihm geht. Er gibt so viel preis über seinen Status. Über sich... So viel mehr, wie er mir jemals noch erzählen würde. Manchmal lese ich das wirklich gerne. Naja... Aber sollte Whatsapp wirklich diesen Status-Checker einführen, bin ich eh am Arsch. Dann darf ich eh nicht mehr gucken. Ich wäre am Arsch, würde er wissen, wie oft ich bei ihm gucke. Oh Gott... Ich werde seine Nummer jetzt löschen. Dann sehe ich nichts mehr. Und er bekommt es nicht mit. Ich könnte ihn auch einfach blockieren bei Whatsapp. Sollte er dann aber doch irgendwann mal auf die Idee kommen, sich bei mir zu melden, dann würde er es merken. Ich hab es getan... Ich hab seine Nummer gelöscht. Sie ist weg... Er kann jetzt unendlich viele Liebesbotschaften in seinen Whatsapp-Status packen, ich werde sie nicht mehr lesen... Weniger Schmerz - weniger Süßigkeiten.

Es ist schwer. Ich hab ihn so oft schon gelöscht. Ob bei Whatsapp oder Facebook. Gebracht hat es nie was. Es ist was Tieferes. Das kann man nicht durch ein paar Klicks auslöschen. 

Ich hoffe, die Psychotante kann mir helfen. Ich will so nicht mehr weitermachen. Es ist in der Tat sehr schwer auszuhalten. Das Schlimme ist... Ich bin ihm seit Jahren total egal. War es vielleicht sogar schon immer. Wegen so einem sollte es einem nicht so schlecht gehen. NIcht seit so vielen Jahren.

Auch das weiß ich. Aber manchmal reicht Wissen einfach nicht aus.


Donnerstag, 9. Februar 2017

Hilfe naht...

Meine Psychotante wird versuchen mir zu helfen. Johannes endlich dahin zu packen wo er hin gehört. Weit weg.

Ich hab der heute so viel erzählt. Hab gesagt, dass ich zwar schon so einiges in meinem Leben geschafft habe... Ich rauche nicht mehr, trinke nicht mehr, schneide mir nicht mehr die Arme auf, nehme keine Drogen mehr... Alles geschafft... Nur ihn kann ich nicht loslassen. Mein Kopf schon... Aber mein Gefühl einfach nicht. Sagte, dass ich schon so viel versucht hätte, aber dass einfach nichts hilft.

Ich hab sogar von der Zeit danach erzählt... Davon, dass ich meinen Arsch von diesem verheirateten Typen entjungfern lassen habe. Weil das die einzige Körperöffnung war, bei der ich noch mitentscheiden hätte können. Aber nach Johannes wusste ich einfach, dass es niemals wieder so jemand Besonderen geben würde wie ihn. Und genau so jemand sollte dieser Eine sein... Davon, dass ich danach eigentlich nur sterben wollte.

Hmm. Ich weiß nicht so recht, wie ihre Hilfe aussehen wird. Darüber haben wir nicht gesprochen. Ich schätze, sie lässt mich jetzt einfach mal erzählen.

Sie meint, dass sie meine Verzweiflung deutlich spüren könnte. Ob ich denn gerne an die gute Zeit mit ihm zurück denke. Nein, das tue ich nicht... Weil ich nicht mehr weiß, ob sie echt war. Für ihn echt war... Ja, ich sagte, dass ich mir mittlerweile wünschte, wir hätten nie eine gemeinsame Zeit gehabt. Ich hätte nie diese Gefühle gehabt. Denn diese kurze Phase des Glücks bedeutet seit Jahren Schmerzen.

Ganz ehrlich... Wenn das der Preis ist, den ich dafür zahlen muss, dass es endlich aufhört... Dann würde ich ihn sofort überall löschen. Whatsapp, Facebook... Ich will einfach nur, dass es endlich aufhört... Aber so ganz ohne ihn geht es nicht. Doch, für mich schon. Aber er ist ein Bestandteil in Jörns Leben. Sein Name wird immer wieder mal fallen. Ich käme in ganz schöne Erklärungsnot würde ich seinen Kumpel jetzt überall löschen. Aus heiterem Himmel. Obwohl er mir nichts getan hat. Zumindest seit Jahren nichts mehr getan hat.

Die Psychotante (irgendwann sollte ich mir mal nen charmanteren Namen einfallen lassen) meinte, dass ich meine Gefühle mehr zulassen sollte. Ich finde ja, das tue ich seit Jahren... Genau das ist ja mein Problem. Wie viele Tränen habe ich wegen ihm vergossen? Wie oft tat es einfach nur so entsetzlich weh?

Aber mir ist egal was sie sagt. Ich werde es tun. Ich weiß es nun mal nicht besser. Ich bekomme es alleine nicht hin.

Hab ich Angst? Dieser Schmerz wurde in den letzten Jahren zu einem Bestandteil in meinem Leben. Es wäre irgendwie auch ein Verlust. Nicht von Johannes, den habe ich schon längst verloren. Aber wenn diese vertraute Gefühl plötzlich weg wäre. Möge es auch noch so unangenehm sein. Ich weiß es nicht. Dieser Zwiespalt. Je mehr ich just in diesem Moment darüber nachdenke, ruft in mir eine Stimme: Nein, wir können ihn nicht gehen lassen. Wir brauchen ihn. Also nicht den Schmerz, sondern Johannes.

Es ist grausam, echt. Was sich in dem einen Moment so richtig anfühlt, ist im nächsten Moment schon wieder so falsch.

Alles nicht so leicht. Aber ich weiß, dass ich diesen Schmerz nicht mehr haben möchte. Und Johannes bedeutet nur noch Schmerz. So leid mir das ja selbst irgendwie tut. Ich sollte mich über seinen Geburstagsgruß freuen. Zum Beispiel...
Mir fallen so viele Szenen ein. In denen er mir eigentlich gezeigt hat, dass er mich nicht so scheiße findet, wie es sich für mich manchmal anfühlt. Aber ich bekomme es einfach nicht hin. Habe Erwartungen an ihn, die er einfach nicht erfüllen kann. Das weiß ich. Ach, was ich nicht alles weiß. Und trotzdem bekomme ich es nicht hin. Ganz schön frustrierend.

Ja, ich werde ihr vertrauen. Und das tun was sie mir sagt. Ich schaffe es alleine nicht. Und ich mag nicht mehr leiden. Nicht wegen jemandem, den das doch eh nicht interessiert... Nicht mehr interessiert. Das ist er nicht wert.

Ich weiß nicht, ob ich es jemals schaffen werde. Ob es eines Tages nicht mehr weh tun wird. Aber irgendwie kann es ja nur besser werden. Ich werde ihn ganz und gar verlieren. Mit ihm geht es nicht. Es wird ein für immer sein... Eigentlich sollte es ein für immer zusammen werden...

Manchmal denke ich zurück an David... Den kleinen behinderten Jungen aus dem Kinderheim, in dem ich mal gearbeitet habe. Vier Jahre alt, geistig und körperlich behindert. Konnte nicht sprechen, nicht alleine essen, nicht laufen... Ich hab ihn geliebt. Es war das erste Mal, dass ich wirklich geliebt habe, glaube ich. Und David hatte diese Liebe auf seine Art erwidert. Hat so oft die Arme nach mir ausgestreckt, hat immer gelacht, wenn er mich gesehen hat. Hat auf mich anders reagiert als auf die anderen Mitarbeiter. Ich wollte für immer bei ihm sein. Hatte seinen Vater ausfindig gemacht, wollte ihn finden, mich mit ihm verbünden und David zu uns holen. Alles Mögliche ging durch meinen kranken Kopf. Ich will das auch gar nicht weiter ausführen. Es war krank. Richtig übel krank. Ich kam dann relativ bald in die Klinik. Weil ich versucht hatte mich umzubringen. Danach fing ich zwar noch mal in diesem Kinderheim an zu arbeiten, aber es ging nicht. Ich musste mich von David trennen. Mit meiner "Liebe" tat ich ihm nicht gut. Und all den anderen Kindern natürlich auch nicht. Ich hatte mich dazu entschieden zu gehen. Ich hab David seitdem nie wieder gesehen. Ich hätte die Möglichkeit dazu gehabt, das Kinderheim und ich sind im Guten auseinander gegangen. Aber ich wollte nicht. Ich hatte Angst. Dass ein Lächeln von ihm genügen würde und ich wäre einfach wieder so gefangen von ihm. Meine Güte... Das ist 18 Jahre her. Er ist heute erwachsen. Ich würde ihn wahrscheinlich nicht mehr wieder erkennen. Was ich sagen wollte... Als ich mich damals für dieses "für immer vorbei" entschieden hatte, war es irgendwie besser.

Und irgendwie fehlt das bei Johannes nach wie vor. Irgendein Teil von mir kann ihn einfach nicht loslassen. Obwohl mein Kopf weiß, dass das alles Bullshit ist. Dass ich den Johannes so wie er in den letzten Jahren zu mir ist doch überhaupt nicht brauche. Dass er mir nicht gut tut. Den Johannes von einst gibt es aber nicht mehr. Zumindest nicht für mich.

Bla, bla, bla... Das weiß ich doch alles. Und dennoch bekomme ich es nicht hin. Das ist echt ein scheiß Gefühl. Jedem Anderen würde ich ja auch raten, diesen Vollidioten endlich abzuhaken. Würde mir selbst keine Sekunde länger mehr zuhören. Ist doch eh seit Jahren dasselbe.

Naja, vielleicht kann mir die Psychotante ja tatsächlich helfen...

Montag, 6. Februar 2017

Ohne Freunde

Würdet ihr demnächst heiraten... Wüsstet ihr, wer euer Trauzeuge werden soll?
Ich heirate nicht, schon gar nicht demnächst, aber noch weniger weiß ich, wer mein Trauzeuge werden sollte.

Ich habe nicht wirklich Freunde. Ich hatte gestern Geburtstag. Kaum einer hat an mich gedacht. So einen ruhigen Geburtstag hatte ich in der Tat noch nie. Die Glückwünsche kann man an 1,5 Händen abzählen. Johannes bekommt nen Finger davon... Hätte ich ne Party schmeißen wollen... Okay, um kostenlos saufen und essen zu können, muss man nicht befreundet sein. Aber davon ab. Mit wem hätte ich denn feiern sollen?

Nicht, dass es mich stören würde. Ich mag Menschen nun mal nicht sonderlich. Sie sind mir zu schwierig, ich bin zu schwierig, wir harmonieren einfach nicht. Sie überfordern mich und strengen mich an. Ich weiß oft nicht, wie ich mich verhalten muss und soll. Was richtig und was falsch ist. Ich kann einkaufen gehen und die Menschen an der Kasse grüßen. Ich kann anderen Leuten die Türe aufhalten oder Menschen aus dem Weg gehen wenn ich im Weg stehe. Ich kann mich entschuldigen und bitte und danke sagen. Aber so wirklich mit ihnen agieren kann ich nicht. Und um ehrlich zu sein reichen mir auch diese oberflächlichen Kontakte. Würde ich mein Inneres nach außen kehren... Verstehen würde mich doch eh keiner. Und manche Verhaltensweisen dieser ach so normalen Bevölkerung machen mir wiederum Angst. Aus der Ferne mag ich das sogar hin und wieder ganz gerne betrachten. Aber mittendrin sein? Nein...

Ich hab vor ein paar Tagen durch Zufall meine letzte echte beste Freundin bei FB wiedergefunden. Caro... Damals war ich 17 oder so. Das ist mein halbes Leben her. Ich hab sie geliebt. Sie war einfach "meine". Da passte nichts und niemand dazwischen. Wir waren unzertrennlich. War natürlich auch eine wichtige Phase in unserem Leben. Mit 17... Tja... Bis ich dann so richtig krank wurde, in die Klinik kam... Zwei Jahre dort blieb... Es war schwer für mich, als Caro plötzlich feste Freunde hatte, als ich sie teilen musste... Diese Angst, sie zu verlieren... Deswegen bin ich nicht krank geworden... Aber gut war es auch nicht für meinen eh schon desolaten Zustand. Johannes sagte ja schon, dass ich nicht mehr der Mensch war, den er einst kennen gelernt hatte... Was soll dann Caro sagen? Als es mir nach Johannes die Lichter ausgepustet hat, war es zumindest für mich kein fremder Zustand mehr. Damals bei Caro war es auch für mich neu. In der Klappse zu sein, so verdammt lebensmüde und kraftlos zu sein... So lustlos und so wenig Leben bejahend. Sich das Recht raus zu nehmen, auf das Leben und alles was dazu gehört auch einfach mal zu scheißen. Caro hatte mich noch oft besucht in der Klinik. Aber irgendwann hatte ich mich verleugnen lassen. Wollte keinen Besuch mehr. Unsere Welten hatten sich verändert. Sie zog in eine Großstadt, machte beruflich Karriere und ich... Ich saß in der Geschlossenen... Ein paar Jahre danach hatten wir uns bei StudiVZ getroffen und ein paar Nachrichten ausgetauscht. Ich war zu ehrlich. Hab sie überfordert. Das Ding war... Ich hatte sie so vermisst in den Jahren, so oft von ihr geträumt... Ja, all das hab ich geschrieben. Damit hatte ich sie endgütlich vertrieben. Diese Nachricht war unser letzter Kontakt. Ich werde ihr bei FB auch keine Anfrage schicken oder sie kontaktieren. Ich habe ihre Bilder angschaut, sie sieht gut aus. Sie hat Freunde, wirklich glücklich... Ihr gehts gut. Besser als es ihr mit mir jemals gehen könnte. Sie lebt in einer anderen Welt. In der Welt der gesunden Menschen. Da ist kein Platz für so jemanden wie mich. Aber sie war cool und wir haben ne Menge erlebt.

Hmm. Ich war ja irgendwie darauf vorbereitet, dass mir Johannes gegebenenfalls gratulieren könnte. Er hatte sich letztes Jahr mehrfach dafür entschuldigt, dass er mich vergessen hat. Er ist also tatsächlich ein Kalendertyp... Er hat alles richtig gemacht... Aber ich... Ich bin bei ihm mal wieder so ganz anders als bei den anderen wenigen Leuten, die ebenfalls an mich gedacht haben. Ich hab ihm geantwortet und mich bedankt und von meinem Tag erzählt, so ähnlich wie bei allen anderen auch. Die meisten davon haben daraufhin auch nicht mehr geantwortet. Genauso wenig wie Johannes. Bei den Anderen fällt es mir nicht auf. Bei ihm schon. Nach wie vor der Wunsch, er möge sich doch dafür interessieren, was ich ihm schreibe. So wie er es früher mal getan hat... Tut er aber nicht. Wieder der Wunsch, ich hätte doch einfach nur meine Schnauze gehalten. Hätte einfach nur "Danke" geschrieben. Darauf hätte noch nicht mal ich ein "Bitte" erwartet. Er ist weg und kommt nie wieder. Wann begreife ich das endlich? Warum kann ich einfach nicht damit zufrieden sein, dass er überhaupt gratuliert hat? Denn das müsste ich. Grade weil ich es nicht bei FB stehen habe und es die meisten Leute einfach nicht auf dem Schirm hatten. Er schon...

Mein Kopf weiß so viel. Aber mein Herz... Es ist ein scheiß Gefühl, wenn man darüber einfach keine Kontrolle hat. Wie so ein kleines Kind. Ein trotziges, bockiges, kleines Kind, das einfach nicht hören will. Und eigentlich würde ich dann als Erwachsener irgendwann sagen: Dann lauf zu und mache deine eigenen Erfahrungen. Aber das tut es. Immer und immer fällt es auf die Schnauze. Was soll man da machen? Festbinden? Knebeln und fesseln? Das wäre eine Möglichkeit. Die aber einfach nicht so recht funktionieren will. Wenn ich da an Kira denke... Wenn die immer irgendwas wollte, was sie aber eigentlich nicht bekommen sollte... Zum Beispiel andere Hunde, dann half Ablenkung. Erst gar nicht zulassen, dass sie drauf anspringt, es vorher unterbinden und sie mit irgendwas anderem beschäftigen. Und sie vor allem hinterher dafür loben, dass sie die anderen Hunde am leben lassen hat. Ablenken tue ich mich ständig. Aber ich lobe mich nie. Hmm.

Nach Frau Dr. Brenners Tod... Da hatte ich mich zunächst jede Woche und danach jeden Monat dafür gelobt, dass ich es geschafft habe. Habe mich regelrecht dafür belohnt. Nachdem ich jetzt schon so viel ausprobiert habe und nichts so recht funktionieren will... Vielleicht sollte ich es halt auch einfach nicht als so selbstverständlich ansehen, dass mich alles kalt lässt, was mit Johannes zu tun hat. Denn so ist es halt nun mal nicht. Ob es so sein sollte oder nicht. Er ist nicht näher auf meinen Tagesablauf eingegangen und das tut mir weh. Punkt. Aber hey... Ich lebe noch und werde es auch überleben.

Aber er hat mich nicht vergessen. Er hätte mich nicht in seinen Kalender eintragen müssen. Aber er hat es getan. Und das ist nett. Ist es schließlich von allen anderen auch, die das getan haben.

Oh man... Jens zum Beispiel hat gar nicht gratuliert. Und das tut in keinster Weise weh.

Das Leben ist irgendwie manchmal echt ein Arschloch. Punkt.

Donnerstag, 2. Februar 2017

Und dann plötzlich

ist wieder alles beim Alten. Die Gewissheit, dass ich es niemals schaffen werde.

Dieses Gefühl fing langsam an. Schleichend. Am Dienstagmittag, nachdem zum tausendsten Mal bei Shopping Queen auf VOX die Rede von Fifty shades of grey war, nachdem zum tausendsten Mal die Kinovorschau für den zweiten Teil in der Werbung aufblitzte, war es dann so weit. Ich zog los und kaufte mir die alle drei Bände. Ja, bislang ging all das an mir vorüber. Kein Buch gelesen, keinen Film geguckt.

Den ersten Band habe ich schon durch. Aber dadurch fühle ich mich nur noch schlechter. Ich stecke auch in so einem Rollenspiel. Bin Johannes Sub. Und er ohne es zu wissen der Dom. Aber... Wisst ihr das Schlimme ist? Ana bekommt für ihre Unterwürfigkeit die Aufmerksamkeit und Belohnung von Christian. Unter den Voraussetzungen wäre ich eine verdammt gute Sub. Wenn Johannes mir nur ein klein wenig Aufmerksamkeit schenken würde. Mir ein klein wenig von seiner Art zu lieben zukommen lassen würde. Dafür dürfte er mir jeden Tag den Arsch versohlen.

Vielleicht ist das aber auch die Art von Aufmerksamkeit die ich kenne. Es ist bei Johannes irgendwas Tieferes. Es ist nicht einfach nur, dass ich nicht Loslassen kann. Wenn es etwas mit diesem Urvertrauen zu tun hat... Ich weiß nicht. Kleine Kinder sollten doch so empfinden, oder nicht? Bei seinen Eltern zu 100 Prozent willkommen fühlen. Geliebt. Gebraucht. Wichtig. Etwas, was ich nicht kenne. Vielleicht mal kannte. Man kommt ja irgendwie so zur Welt. Aber meine Mutter konnte mir nichts von alledem geben. Sie konnte mich anschreien. Sie konnte mich schlagen. Sie konnte mich beleidigen. Das war das, was ich bekommen hatte.
Und dann kam damals einfach Johannes. Und gab mir so viel. So viel Gutes. So viel für mich eigentlich doch völlig Fremdes. Und zum zweiten Mal hab ich es verloren. Nur mit dem Unterschied, dass er mich noch nicht mal mehr schlägt oder anschreit. Er tut einfach gar nichts.

Ich schaffe es einfach nicht alleine. Aber ich glaube, meiner Psychotante ist das ganze Ausmaß auch nicht bewusst. Eigentlich wollte ich heute mit ihr darüber reden. Aber ich kann mich nicht durchsetzen. Letztendlich haben wir ne Stunde über Sport gesprochen. Ich muss lernen mich dahin zu setzen und zu sagen, worüber ich sprechen möchte. Aber... Ich weiß nicht, ob sie mir helfen kann. Ich weiß nicht, ob mir überhaupt jemand helfen kann.

Ich weiß, dass mein Verhalten total Borderline ist. Und ich weiß, dass ich genau das hasse. Wenn ich mich genau dieser Diagnose entsprechend verhalte. Wenn ich diesen Stempel verdiene. Wenn ich nicht mehr individuell, sondern einfach nur eine Diagnose bin. Das möchte ich nicht. Aber im Moment ist es wieder so, dass ich ihn so sehr hasse. Vorhin waren wir zeitgleich bei Facebook online, ich wusste gar nicht, dass ich das sehen kann, wann und ob er online ist. Eigentlich hat er das doch aus... Sagte er damals zumindest mal. Ich bin schnell offline gegangen, wollte ihn nicht sehen.
Seinen Whatsapp-Status hat er was weiß ich wem gewidmet. "In Liebe" steht da. Es tut nicht sonderlich weh. Ich wünschte einfach, ich würde nie wieder irgendwas von ihm sehen oder hören. Aber auch nur, um ihn mir in der nächsten Sekunde zurück zu wünschen.

Ich hab bald Geburtstag. Ich denke darüber nach, ob er sich dieses Mal daran erinnern wird. Nachdem er mich letztes Jahr vergessen und sich dafür entschuldigt hat. FB ist wieder so präpariert, dass keiner weiß, wann ich Geburtstag habe. Keiner wird daran erinnert werden, mir zu gratulieren. Ich weiß nicht mal, was mir lieber wäre. Ich glaube fast, dass er dieses Mal dran denken wird. Ja, vielleicht stehe ich jetzt sogar in seinem Kalender. Er führt so was, daran glaube ich. Aber... Es wäre der erste Kontakt seit Monaten. Ich weiß wann er Geburtstag hat. Ich werde ihm dieses Mal nicht gratulieren. Jörn wird von uns Beiden gratulieren. Wir teilen uns sämtliche Geburtstagsgrüße immer auf. Und Johannes ist definitiv sein Part. Sie stehen sich näher.

Ich brauche Hilfe. Wirkliche Hilfe. Ich schaffe es einfach nicht. Ich hab so viel geschafft in meinem Leben. Aber das... Das schaffe ich einfach nicht. Und ich kann einfach nicht mehr. Ich will nicht mehr. Ich halte das einfach nicht mehr aus. Ehrlich.

Ich möchte wieder frei sein. Möchte auch wieder irgendwie glauben und vertrauen können. Er hat mich kaputt gemacht. Noch kaputter als ich es jemals war. Hätte er sich nicht eine Andere dafür suchen können? Ich gehe kaputt und er denkt noch nicht mal mehr an mich. Schon seit Jahren nicht mehr. Und es tut ihm noch nicht mal leid.

Ich kann diese Bücher nicht zu Ende lesen. Es tut weh. Sich zu unterwerfen ist eine Sache. Aber der Kerl liebt diese Frau dabei. Auf seine Art. Sich zu unterwerfen und dabei noch nicht mal beachtet zu werden ist so viel erniedrigender.

Ich hab mittlerweile mit dem Boxen angefangen. Ich besitze jetzt sogar Boxhandschuhe. Mir gehts nicht um Technik oder so was. Aber es tut gut, gegen irgendwas zu schlagen. Zu merken, wie viel Kraft da drin steckt. In mir. Egal, wie schwach, klein und hilflos ich mich fühle. Wenn ich gegen diese Schaumstoffteile boxe, dann spüre ich meine Kraft. Und ein Ventil schadet mir sicher nichts. Ich gehe ja mittlerweile sämtlichen Leuten aus dem Weg. Seitdem ist es leichter für mich. Aber dennoch bin ich mittlerweile ein Mensch geworden, der alles in sich hinein frisst, nicht mehr meckert, alles versucht so hinzunehmen, weil ich weiß, dass ich nicht sachlich und vernünftig diskutieren und argumentieren kann und sämtliche Streitgespräche verliere. Und dann ist es plötzlich so weit. Aus heiterem Himmel explodiere ich und irgendjemand, der mir in dem Moment noch nicht mal wirklich was getan haben muss, bekommt die volle Ladung ab. Den ganzen Frust, die ganze Wut. Vielleicht hilft mir da das Boxen ruhiger zu werden. Diskutieren oder versuchen meine vermeintlichen Rechte irgendwo durchzusetzen werde ich dennoch nicht mehr versuchen. Oder nich irgendwo über etwas beschweren. Versuchen mich zu erklären. Spätestens seit dem Redaktios-Aus habe ich verstanden, dass ich das einfach nicht kann. Schon gar nicht mit und bei Dingen/Menschen, die mir am Herzen liegen. Am Ende verliere ich eh alles. Und nein, ich möchte das auch nicht lernen. Ich gehe den Menschen lieber noch mehr aus dem Weg. Seitdem lebe ich ruhiger. Denkt doch nur mal daran, wie es mir heute gehen würde, hätte ich Johannes niemals so nah an mich ran gelassen. Es war ein Fehler. Ein großer Fehler. Den ich nie wieder begehen werde und auch nicht möchte. Ich vergleiche das mittlerweile mit dem Rauchen. Ich habe gerne geraucht. Sehr gerne sogar und wollte auch nie so wirklich aufhören. Bis auf den Tag, bis ich mich etwas zu weit aus dem Fenster gelehnt hatte und es einfach versuchte. Die ersten 14 Tage waren die Hölle für mich. Und das hat mich so wütend gemacht. Ich war so kurz davor diesen Kampf zu verlieren. Nach 14 Tagen war ich der Sieger. Aber ich bin mir nicht sicher, ob ich das nochmal durchstehen würde. Ich glaube nicht. Alleine aus dem Grund werde ich nie wieder mit dem Rauchen beginnen. Weil ich Angst vor den ersten Tagen danach habe.

Und... so schön die Zeit mit Johannes - zumindest für mich - auch war. Nie wieder will ich diesen Schmerz spüren. Und bei Johannes sind es eben nicht nur lächerliche 14 Tage. Es ist eine never ending story. Schon seit Jahren. Und genau das ist nicht normal. Das weiß ich.

Wie kann man mir helfen? Ich hab manchmal das Gefühl, dass das einfach keiner kennt. Auch keine Psychologen. Dass das eine Diagnose ist, die man erst noch erfinden muss. Ich flehe ihn wie ein kleines Kind an, mich zu trösten. Mich in den Arm zu nehmen, mir zu sagen, dass alles gut wird. Und dann ist da wieder dieser andere Teil, der ihn nie wieder sehen möchte. Der ihm laut zuruft: Verpiss dich! Und egal was er tut, es ist immer das Falsche. Er hat im Grunde genommen auch keine Chance. Genauso wenig wie ich. Ich fühle mich dem Ganzen genauso hilflos ausgeliefert. Fühle mich auch mehr wie so ein Beobachter, der ständig hin und her gerissen wird. Wie eine Marionette. Mal wird an dem Faden mehr gezogen, mal an dem anderen.

Ja, eigentlich ist diese Hilflosigkeit das Schlimmste. Ich würde mich am liebsten in eine Klinik einweisen lassen. Ich schaffe es einfach alleine nicht. Aber wie gesagt... Erstens habe ich das Gefühl, dass mich in dem Punkt eh keiner ernst nimmt. Zweitens habe ich Angst um meinen Zeitungsjob, ich darf ja noch nicht mal mehr Urlaub nehmen, weil sie keine Vertretungen für mich und meine ganzen Bezirke finden. Und drittens... Was soll ich Jörn denn sagen?

Ich weiß einfach nicht was ich machen soll. Ich hab Angst. Diese Traurigkeit und dieser Schmerz kommen einfach immer wieder. Das ist nicht nett... Und überfordert mich.