Montag, 22. Januar 2018

Abgehakt?

Hmm. Ich war gestern und heute mit Iva unterwegs. Sie kann genauso wenig loslassen wie ich. Wobei... Wenn ich so mitbekomme, wie sie ihrem aktuellen Typen nachhängt... Das ist wie so ein Spiegel. Der Typ kann mit ihr auch machen was er will. Mal antworten, mal nicht. Mal da sein, dann wieder abhauen. Sie bleibt trotzdem. Wenn er mal nicht antwortet, dann bleibt immer die Hoffnung, dass er es vielleicht morgen tut. Oder spätestens übermorgen.

Für mich selbst ist sonnenklar, dass ich so etwas nie, nie wieder erleben möchte. Ich mag nie wieder so abhängig sein. So angewiesen sein auf die Reaktionen von irgendjemandem. Dieses nicht durchhalten können von sich selbst auferlegten Vorsätzen wie zum Beispiel: Ich melde mich jetzt auch nicht mehr. Dann hält man es doch nur für wenige Stunden durch, die ein einziger Kampf sind um dann doch ne Nachricht zu schicken. Und dann geht das hoffen und bangen wieder von vorne los. Antwortet er dieses Mal? Wann? Da gehts noch nicht mal mehr um den Inhalt den diese Typen von sich geben...
Wie verzweifelt muss man sein? Ich weiß gar nicht, wen ich erbärmlicher finde... Uns hechelnden und vor allem winselnden Weiber oder diese gestörten Typen, die einen einfach so verhungern lassen. Keine klare Ansagen machen. Sich vor allem drücken. Keine Verantwortung übernehmen. Und dann ihre Probleme einfach durch schweigen lösen.

Bevor ich so etwas jemals wieder mit mir machen lasse, bleibe ich lieber für immer alleine. Und dennoch bin auch ich nach wie vor dieses kleine Mädchen, das sich bereits jetzt Gedanken darüber macht, wie ich denn darauf reagieren soll, sollte mir Johannes wider Erwarten in zwei Wochen doch zum Geburtstag gratulieren. Ich hätte tausend Dinge zu sagen und sollte es wohl doch nur bei einem "Danke" belassen. Und ich stelle mir die Frage, was denn überhaupt schlimmer bzw. besser wäre. Wenn er sich gar nicht meldet. Was sehr gut sein kann. Heute vor vier Monaten hatte er mir zuletzt geschrieben. Zum Todestag seiner Nichte. Ich hatte ihm ein Bild einer brennenden Kerze geschickt. Kommentarlos. Um zu zeigen, dass ich daran denke. "Lieb von dir"... Am nächsten Tag versuchte ich ihn darauf anzusprechen, warum er mich bei Whatsapp so blockiert hatte. Warum er meine Nummer gelöscht hatte. Schrieb, dass ich ihn bei meinem Status raus genommen hatte, damit er nichts mehr von mir sehen muss. Dass ich ihn aber jederzeit wieder aufnehmen würde, sollte er jemals wieder etwas von mir sehen wollen. Nichts... Kurze Zeit später - ich begann das erste Mal bei Instagramm Dinge zu posten (nennt man das so?), hatte ich einen Follower weniger.
Mit Abstand kann ich gut sagen, dass ich so ne Scheiße nie wieder haben möchte. Nie wieder in meinem Leben so sehr leiden möchte. Nie wieder so auf die Reaktionen eines bestimmten Menschens angewiesen zu sein. Wenn dieser Kerl dann aber plötzlich wieder da ist... Dann ist man einfach wieder so verdammt machtlos. Dann man wird man doch nur wieder zur Marionette. Zwar schon noch mit eigenem Willen, aber völlig handlungsunfähig.

Und genau das macht es so verdammt schwierig. Wo ich ja selbst noch nicht mal weiß, was ich mir denn überhaupt wünschen soll. Einerseits wünscht sich dieses kleine Mädchen diesen tollen Kerl von einst so, so, so, sooooooooo sehr zurück. Dieser Kerl, der sie einfach nur anzuschauen braucht und ihr dadurch so viel Sicherheit und Geborgenheit schenkt. Und dann gibts da diesen anderen Teil in mir, der ganz laut brüllt: "Bleib bloß weg von mir, du tust mir eh nur weh."

Ich werde mich jedenfalls zukünftig von vorne herein vor diesen schwierigen Typen verschließen. Wie ich es ja bei dem Ingenieur auch direkt getan habe. Habe seit Dienstag auch nichts mehr von ihm gehört. Ist okay. Ich werde nur noch mit Leuten kommunizieren, die sich freiwillig bei mir melden. Die den Kontakt zu mir suchen. Die mit mir im Gespräch bleiben. Völlig egal ob Mann oder Frau.

Aber was mir heute auch wieder ganz bewusst wurde... Ich werde keinen Mann mehr finden. Ich würde mich definitiv auch nicht nehmen. Alleine schon die Grundeigenschaften fehlen mir doch gänzlich. Wenn sich so ein Typ bei mir vorstellen würde, ich würde ihn auch nicht nehmen. Definitiv nicht. Wenn er die Rente wegen der Psyche bekommen würde. Mit Narben übersähte Arme hätte. 15 Kilo zu viel. Wer nimmt mich denn mit all diesen Mängeln überhaupt noch ernst? Da bin ich doch schon bei mindestens 90 Prozent durchgefallen. Tja. Und dann kommen wir ja erst zum Charakter. Lest euch nur die oberen Abschnitte durch. Normal ist das nicht...

Ich bin nicht vermittelbar. Dessen bin ich mir so sicher. Und es nutzt nichts. Das gilt es jetzt einfach zu akzeptieren und dennoch das Beste daraus zu machen. Sich alleine durchs Leben zu kämpfen. Ohne Rettungsanker. Ich könnte mir auch mein Leben lang falsche Hoffnungen machen. Aber nach meinem Ex... Der mir sogar ein Eheversprechen gab und sich dnenoch verpisst hatte... Für mich sind diese kurzen Geschichten einfach keine Option. Ich wollte immer jemanden, der für immer bleibt. In guten wie in schlechten Zeiten. Das wäre mir das wichtigste gewesen. Aber ich kann nicht mehr. Ich ertrage es nicht mehr. Ich würde ein weiteres Verlassenwerden nicht verkraften können. Ich muss mich schützen.

Mir bleibt jetzt einfach, mir mein Leben so schön wie nur irgendwie möglich zu gestalten. Alleine. Es ist jetzt nun mal so. Mir bleibt jetzt nur, das Beste daraus zu machen. Mich deswegen nicht selbst zu bemitleiden. Obwohl es wirklich traurig ist. Es ist nicht schlimm, dass ich nicht "normal" arbeiten kann. Damit komme ich klar. Darauf konnte ich gut verzichten. Aber mit einem Partner an der Seite alt zu werden... Nicht mehr alleine zu sein. Geliebt zu werden. Das hatte ich mir schon sehr gewünscht. Und es ist natürlich auch schwer zu akzeptieren, dass ich damit so alleine bin. Bei jedem funktioniert es irgendwie. Die meisten haben ihre Beziehungen. Kinder. Männer. Nur mich erträgt auf Dauer keiner. Das ist schwer. Das ist schon sehr erniedrigend. Tut nichts für mein Selbstwertgefühl. Im Gegenteil. Ja, das ist nicht so einfach, das so wegzustecken. Es ist nun mal noch nicht mal irgendwas, was ich mir freiwillig ausgesucht hatte. Die Rente auch nicht. Die wollte ich anfangs auch nicht. Aber ich hatte dann recht schnell gemerkt, dass es mir dadurch besser geht. Nur dass es mir ohne Partner besser geht... Das kann ich halt nicht zu 100 Prozent bestätigen. Es hat seine Vorteile, definitiv. Aber hat halt auch seine Nachteile.

Iva will sich jetzt bei so ner professionellen Partnervermittlung anmelden. Das würde ich niemals tun. Und daran merke ich halt auch, dass ich nicht bereit bin für einen Partner. Für einen Partner vielleicht schon. Aber nicht für eine weitere Zurückweisung. Ich würde das einfach nicht mehr ertragen können. Ich würde es nicht aushalten. Definitiv nicht.

Iva sucht ganz verbissen nach irgendnen Typen. Sagt, sie kann nicht alleine sein. Das kann ich zum Glück...

Ja, es ist schwer.

Samstag, 20. Januar 2018

Geben und nehmen

Diese Gerichtsdame - ich muss mir mal noch nen Namen für sie einfallen lassen -... Sie hat vorhin geschrieben, dass sie sich an meinem Geburtstag schon mittags frei nehmen will. Ich solle mir was aussuchen, was wir machen sollen, es sei mein Tag...
Das ist echt heftig. Mein Ex hatte sich nie für mich frei genommen. Und das Ding ist... Also in dem Fall hab ich geschrieben, dass sie das nicht zu machen braucht. Aber mich natürlich dafür bedankt. Das Ding ist jedenfalls, dass ich ihr das wirklich abnehme. Sie ist so. Es ist mir aber auch nicht unangenehm. Von jedem könnte ich das ja nicht annehmen. Wenn ich nicht dazu bereit wäre, auch vieles zurück zu geben, dann würde ich es definitiv nicht annehmen. Aber ich bin ja oft selber so. Dass ich oft viel zu viel gebe und halt doch nichts zurück bekomme. Iva (so heißt die Gerichtsdame ab jetzt) ist deswegen selbst schon so oft auf die Fresse geflogen. Vielleicht ist es auch das, was uns verbindet. Keine Ahnung. Ich werde ihr jedenfalls auch etwas davon zurück geben. Also von mir. Was auch immer das sein wird. Aber es ist ja nun mal so, dass Zeit das wertvollste ist, was man jemandem tatsächlich schenken kann. Aufmerksamkeit. Ein offenes Ohr.

Und bei mir gibts ja grade eh nicht so viel zu erzählen. Männergeschichten gibt es keine. Und dass ich speziell meine Mutter grade wirklich sehr vermisse, dass ich deswegen so verdammt traurig bin, dass ich jeden Tag deswegen weine, dass ich Angst vor meiner Zukunft habe, Angst davor habe, einsam und verlassen zu sterben, keinen zu haben, der mich lieb hat... All das sind Dinge, die mache ich dann wohl doch lieber mit mir alleine aus.

Aber es ist in der Tat so, dass ich jeden Tag mehrmals weine. Ich muss nur an meine Mutter denken. Die Zeit im Koma... Wie ich ihren Gesundheitszustand unteschätzt hatte... Wie sie mich das letzte Mal angesehen hatte, wie ihr die Träne aus dem linken Auge lief... Wusste sie in dem Moment, dass sie sterben wird? Und ich weiß einfach, dass sie nicht sterben wollte. So egal ich ihr früher war... Aber sie hätte diese ganze Woche über nicht so sehr gekämpft, wenn sie mich wirklich alleine lassen hätte wollen. Ich lieg schon wieder völlig Tränen überströmt hier. Es tut echt heftigst weh. Wisst ihr, wenn irgendso ein kack Kerl sich verpisst. Wie oft habe ich vor allem Johannes schon angefleht, zurück zu kommen. Vor allem innerlich... Und genauso flehe ich auch jetzt. Das Ding ist aber, Johannes könnte zurück kommen. Jederzeit. Er will es aber nicht. Und meine Mutter hat mich dieses Mal nicht mit Absicht alleine gelassen. Sie würde nicht wollen, dass ich jetzt so alleine bin. Aber sie kann nicht mehr zurück. Sie ist für immer weg. Wir hatten im November noch so oft darüber gesprochen. Dass ich sie noch ne Weile bräuchte, es wäre jetzt zu heftig für mich, würde sie sterben. Dass ich das nicht schaffen würde. Und dann kommt sie in dieses verfickte Krankenhaus mit diesen drecks Krankenhauskeimen. Das wird einfach nicht mehr gut, wisst ihr. Das wird nicht heilen. Das ist kein Schmerz, der mit der Zeit besser werden wird. Er bringt mich innerlich um. Ich merke es jeden Tag mehr. Wie sich das in jede Faser meines Körpers einnistet. Diese Traurigkeit, dieser Schmerz, diese Resignation, diese Kraftlosigkeit, diese Hoffnungslosigkeit...

Und ich weiß einfach, dass ich es nicht schaffen werde. Ich denke immer mehr an die Klinik. Sehne mich fast schon dorthin zurück. An den Ort, an dem eh keiner mehr was von mir erwartet. Wo ich einfach nur meine Ruhe habe. Traurig sein kann. Ganz für mich sein kann. In mir sein. So sein, wie ich mich fühle. So verdammt müde und kraftlos. So klein und schwach.

Und jetzt muss ich schlafen. In fünf Stunden klingelt der Wecker. Zeitungen verteilen in den blöden neuen Bezirken. Und wieder werde ich mich genau an die Telefonate mit meiner Mutter erinnern. Werde genau wissen, wann ich sie wo erreicht habe. Worüber wir gesprochen haben.

Und was ich mich auch die ganze Zeit frage... Hat sie im Koma noch gespürt, dass ich die ganze Zeit da war? Ich werde es nie erfahren...

Donnerstag, 18. Januar 2018

Anders geplant

Hatte ich heute mein Gespräch bei der Psychotante. Ich wollte mit ihr über meine Mutter reden. Über meine Ängste und Sorgen. Hab auch immer wieder angesetzt.... Aber... Ich glaube, sie wollte heute nicht. Stattdessen haben wir über 30 Minuten über den Fußballer gesprochen. Ich muss das nächste Woche ansprechen. Warum das so lief. Sie wollte mit mir über alles Positive sprechen. Ist ja gut und schön. Aber meine Mutter ist noch nicht mal vier Wochen tot... Es ist doch legitim, dass ich darüber reden mag, oder? Dass es mir noch nicht so blendend damit geht. Ich meine, ich hab doch einiges erlebt in den letzten Monaten. Oder nicht? Und selbst wenn das alles doch nicht so schlimm sein sollte... Wenn ich darüber reden mag, dann sollte ich mir das nicht nehmen lassen. Oder? Ja. Hmm.

Naja, und wieder liege ich heute ziemlich traurig im Bett. Ich fühle mich so nutzlos. So wertlos. So ungebraucht. Hab grade bei FB gesehen, dass die Ex von meinem Ex - also seine ExEx - mittlerweile tatsächlich geheiratet hat. Tja. Die hat es geschafft. War grade mal ein Jahr oder so mit ihrem Typen zusammen. Die lacht sich jetzt bestimmt auch kaputt. Zurecht. Würde ich an ihrer Stelle auch tun. Will gar nicht wissen, wie viele über mich lachen. Mein Ex ist ja so toll. Für die meisten bin ich die Blöde in dieser ganzen Sache. Der Ex macht ja keine Fehler. Die mache nur ich. Ich bin ja der Psycho, der nichts in seinem Leben auf die Reihe bekommt. Dass die das wirklich denken, merkt man an vielen Reaktionen der Menschen, mit denen er mehr zu tun hat. Johannes ist das Paradebeispiel... In dem seinen Augen habe ich nun einem weiteren seiner Kumpel total verletzt. Jaja... Aber auch andere. Mit denen ich mich eigentlich auch mal verstanden hatte. Ich hatte dreien davon zum Geburtstag gratuliert. Zwei haben gar nicht geantwortet, eine hat zumindest "Danke" geschrieben. Ist vielleicht besser, dass ich gar nicht so weiß, was der Ex alles so erzählt. Ja, für mich ist das nur noch der Ex. Dass der mich auf den Kosten für das Brautkleid sitzen lässt... Kann ich nicht verzeihen. Das ist aktuell das Schlimmste. Ja, das macht mich nach wie vor unfassbar wütend. Wisst ihr... Nicht nur, dass er sein Versprechen gebrochen hat, dass er meinem im Sterben liegenden Vater gegeben hat. Nein, mein Vater hätte das Brautkleid bezahlt. Weil der aber nun mal nicht mehr am Leben war, hat diesen Part meine Mutter übernommen. Die ist jetzt auch tot. Und dass er einfach auf meine toten Eltern so scheißt... Damit komme ich nicht klar. Mal davon ab, was er mit mir abgezogen hat. Das ist mir mittlerweile scheißegal. Wir haben eh nicht zusammen gepasst. Was soll ich mit nem Typen, der lieber sauft und feiert mit seinen hinterfotzigen Freunden und der sich nicht von seinen Eltern lösen kann? Ich kann mich grade auch nicht so richtig von meinen lösen, aber das ist ja wohl nicht vergleichbar. Und schaut doch nur... Ich nehme nur noch an Unternehmungen teil, die mir wirklich Spaß machen. Die mich nicht stressen. Und ich unternehme mittlerweile so verdammt viel. Und bin dennoch nicht so kaputt wie in der Zeit mit Jörn.

Ich hab mich selbst für Samstag verabredet. Letzte Woche war ich am Freitagabend weg. Das geht jetzt alles, weil ich danach wieder meine Ruhe habe und mich für meine Zeitungen ausruhen kann. Bei Jörn war ja nichts mit ausruhen. Immer nur zack, zack, schnell, schnell. Von einem Programmpunkt zum nächsten. Ich mag den gar nicht mehr beim Namen nennen. Der heißt jetzt nur noch Ex bei mir. Da sind einfach Welten aufeinander geprallt. Aber nie, nie wieder mag ich so einen Menschen an meiner Seite haben. Ja, er hat mich auch gut getan und viel Gutes für mich getan. Aber er war nicht ehrlich. War er wenigstens ehrlich zu sich selbst? Keine Ahnung. Vielleicht brauche ich nen Kerl, der 20 Jahre älter ist als ich. Der braucht den ganzen Trubel vielleicht auch nicht mehr so. Der mag vielleicht auch einfach mal mit mir Zuhause bleiben und sich unterhalten.
Wenn ich da so an seine Eltern denke... Die haben eigentlich so das Leben geführt, wie ich es gerne mit ihm gehabt hätte. Jeden Mittag gemeinsam nen Mittagschlaf ;-) . Ja, ich finde das süß. Ihre Urlaube haben mir gefallen. Wanderurlaube. Abends saßen sie gemeinsam vor dem TV. Er machte morgens Frühstück, sie kochte mittags. Achja.

Ich hab heute Fotos von Johannes auf meinem Handy gelöscht. Nicht unbedingt von ihm. Ich wusste gar nicht, dass der da drauf ist. Eigentlich waren sie nur von ner Menschenmasse bei nem Fußballspiel. Hatte ich für meinen damaligen Redaktionsjob gemacht. Er war auch mit drauf. Ich werde ihn nie wiedersehen. Ich hab ihn schon lange nicht mehr gesehen. Bestimmt schon zwei Jahre nicht. Ich weiß nicht, wann zuletzt. Er hatte mal Selfies von uns gemacht. Mehrmals. Ich hab ihn nie nach den Bildern gefragt. Ob er sie noch hat? In unserer guten Zeit hatte er einen extra Ordner für mich auf dem PC angelegt. Hatte er mir erzählt. Wie viele solcher Ordner hat er? Hat jede seiner Schnecken ihren eigenen Ordner? Damit er den Überblick nicht verliert? Ich will nicht in dieser Liste mit dabei sein. So ein Mensch fehlt mir grade. Diese Momente, wenn wir uns einfach in die Augen sahen, er dabei meine Hand hielt. Ich hasse es eigentlich, Menschen in die Augen zu sehen. Aber bei ihm hatte das so eine hypnotisierende Wirkung. Plötzlich war einfach alles okay. Alles ergab Sinn, alles fühlte sich plötzlich richtig an. Wo grade noch Zweifel waren, herrschte plötzlich Klarheit. Zufriedenheit. Stille. Ja, mir fehlt ein Mensch, der mich erden kann. Der mich einfangen kann. Der mich zur Ruhe bringen kann. Der mir das Gefühl gibt, dass alles okay ist, dass nichts passieren kann und wird. Macht er das mit all seinen Weibern so? Diese Wirkung... Weiß er, was er da ausstrahlt? Setzt er es bewusst ein? Das Ding ist... Er hat das selbst in Zeiten getan, als es zwischen uns nicht gut war. Aber... Wir werden uns nie wieder in die Augen sehen. Er wird mich nicht mehr erden. Er ist weg. Und dieses Mal weiß ich noch viel weniger als jemals zuvor warum. Ich hab ihm wirklich nichts getan.

Naja, ich versuche mal zu schlafen. Vor mir liegen anstrengende Tage. Mache morgen eine Vertretung. Den Bezirk vom Sonntag. Aber im hellen. Am Samstagmorgen dann meine beiden neuen Bezirke, bei denen ich auch wieder so endlos viel laufen muss... Und am Sonntag habe ich dann noch eine Vertretung. In einem meiner Samstagsbezirke. Puh, sage ich da nur. Mit den fetten und schweren Zeitungen wird das echt heftig, glaube ich. Aber egal, der Sonntag wird ganz gut bezahlt. Und nächstes Wochenende bin ich ja nicht da. Um wenigstens einigermaßen Kohle zu verdienen diesen Monat musste ich also alle Vertretungen annehmen, die mir angeboten wurden.

Ich bin traurig. Innerlich so traurig. Hatte ich lange nicht mehr. Nach außen hin funktioniere ich gut. Ich lache, bin freundlich... Aber so ganz tief in mir drin... Da bin ich sehr, sehr traurig. Und einsam. Und der Ingenieur hat sich auch nicht mehr gemeldet. Die Schnecke im Minirock war zuviel, schätze ich. Ob es irgendwann mal einen Menschen geben wird, der mich sieht? Also so richtig sieht? Und dann trotzdem bleibt? Für den es okay ist, dass ich so bin wie ich halt bin? Irgendeiner, der mich dann trotzdem lieb hat? Ich bin nicht so realitätsfremd. Dass ich in meinem Alter so verdammt einsam bin, dass ich keine Freunde habe... Das liegt schon auch an mir. Daran sind nicht immer nur die Anderen schuld. Aber... Wenn ich dann zum Beispiel eine andere Trulla vom Fußball so über die sozialen Medien verfolge... Die ist nicht sonderlich hübsch, für mich auch nicht sonderlich ehrlich... Und trotzdem hat sie jetzt nen Kerl geheiratet, der reich ist. Seitdem macht sie Luxusurlaube, kauft sich mal eben so ein neues Auto... Und die waren noch nicht mal ein Jahr zusammen. Jeder kriegt irgendjemanden ab. Nur mit mir hält es keiner aus. Was stimmt denn mit mir nicht? Warum erträgt mich denn niemand auf Dauer? Ich versuche wirklich ein guter Mensch zu sein.

Naja. Ich versuche zu schlafen... Und mache einfach weiter. Bis zum bitteren Ende. Aber ich bin einfach so mega unzufrieden mit meinem derzeitigen Leben. Mir fehlt irgendwie einfach so viel. Nichts, was man kaufen könnte. Da bin ich derzeit sehr sparsam. Gehe auch in gar keine Läden, weil ich nach dem Tod meiner Eltern wirklich alles im Überfluss habe. Ich brauche keine Klamotten mehr, keine Deko mehr... Ich hab echt alles. Ich brauche jemanden, der mich lieb hat. Jemanden, der bleibt. Der einfach da ist. Obwohl ich so bin wie ich halt nun mal bin. Das wünsche ich mir so sehr.

Ich hab es ja so gewollt

Was hab ich heute beim Zeitungen verteilen geflucht. Ich hab mich einfach definitiv verschlechtert, was meine Bezirke angeht... Die waren heute so fett - zum Glück nicht auch noch schwer - aber so verdammt fett, dass ich die wirklich nicht mehr auf den Wagen bekommen habe. Also musste ich die erste Zeit immer erstmal zwei Pakete zu Fuß ein Stück wegtragen, dann wieder zurück zu meinem völlig überbepackten Wagen und den hinterher schieben. Dazu noch Regen und Sturm. Gut, Regen und Sturm hätte es auch in den anderen Bezirken früher gegeben. Aber das Ding ist, ich komme wirklich auf fast genauso viele Schritte wie früher. Nur mit dem Unterschied, dass ich da vier Bezirke hatte und die doppelte Kohle bekam. Aber das Gute ist halt, dass ich die Zeitungen direkt vor die Türe geliefert bekomme, kein Auto mehr mittwochs brauche und dann halt doch in so 3,5 Stunden oder so fertig bin. Zeitlich könnte ich noch einen weiteren Bezirk machen, aber noch mehr Schritte? Hmm. Ja, das ganze Fluchen nutzt jetzt nichts. Jetzt ist es so. Ich konzentriere mich auf die Vorteile des Wechsels. Und irgendwann werden die Zeitungen hoffentlich auch mal wieder etwas dünner. Sie haben seit Monaten schon extrem viel Gewicht. Auch heute waren sie nicht zwingend leicht. Aber das Gewicht wäre noch erträglich gewesen. Aber die Pakete waren halt doppelt so fett wie sonst. Egal. Ich mag euch nicht langweilen. Es war jedenfalls sehr anstrengend.

Ich bin immer noch sehr traurig. Ich denke aber, dass es so ähnlich ist wie mit dem Rauchentzug. Ich muss jetzt einfach ganz viele Situationen überstehen. Situationen, die mich an meine Eltern erinnern. Heute zum Beispiel... Ich verteile unter anderem in der Ecke, in der ich damals mit meiner Mutter in den Zug gestiegen bin, als wir in die Heimat zurückgefahren sind. Ich musste weinen, als ich an damals dachte. Das ist noch nicht mal zwei Monate her. Ich werde einfach nie wieder mit ihr irgendwo hinfahren. Diese Endgültigkeit... Ich komme damit dieses Mal einfach nicht klar. Wenn ich daran denke, dann gehe ich einfach kaputt. Ich halte diesen Gedanken nicht aus. Und dann wiederum fühle ich mich zwischendurch doch wieder wie so ein kleines Kind, das das erste Mal alleine durch die Gegend hüpft und allen ganz stolz zeigen mag, wie toll es das schon alleine kann. Das allen zeigen mag, wie groß es doch schon ist. Aber da ist keiner, der sich das anschaut. Der Applaus klatscht. Der sich auch nur dafür interessiert. Es ist völlig egal, ob ich elegant hüpfe oder mich auf die Fresse lege und alle Knochen breche.

Ja, das Ding ist einfach... Ich kann für eine bestimmte Zeit stark sein. Wenn ich wüsste, dass in vier Wochen oder so alles wieder gut ist, dann würde ich es schaffen. Aber die Vorstellung, dass mein Leben jetzt für immer so ablaufen wird. Ich ertrage das nicht. Das werde ich einfach nicht schaffen.

Und ja, ich gehe ja raus. Und treffe irgendwelche Leute. Am Samstag zum Beispiel direkt wieder. Da gehe ich mit der Frau vom Gericht zu so nem Entspannungsdings. Dauert 45 Minuten, angenehmes Raumklima, Farbspiele, Entspannungsmusik. Keine so Traumreisen, keine geführte Meditation. Da gehts vor allem um das Klima. Soll gut für Haut und Körper sein. Aber ich finde es cool irgendwie. Ich hab keinen Bock auf Party und Alkohol und bin einfach so verdammt froh, dass es auch noch Leute gibt, die mir die Türen zu anderen Dingen öffnen. All das werde ich mir auch sehr gerne anschauen.
Sie hat sich auch meinen Geburtstag eingetragen und will da abends irgendwas mit mir machen. Damit ich auf andere Gedanken komme. Das ist ganz schön nett. Und ich hab mir überlegt, ich mache es so, wie ich es ja eigentlich an Weihnachten und Silvester schon geplant hatte. Ich werde mir einen kleinen Kuchen backen. Den haben sonst mein Ex und seine Eltern immer bekommen, wenn sie Geburtstag hatten. Jetzt bekomme ich mal einen. Und ein Geburtstagsgeschenk... Oh ja, ich brauche dringend neue Bluetooth-Kopfhörer. Ja, die gibts dann zum Geburtstag. So, zack bestellt. Hab sogar die Geschenkoption dazu gebucht. Hab ich noch nie gemacht. Und mir selbst ne persönliche Nachricht dazu geschrieben.
Ja, alle Latten am Zaun hab ich wohl wirklich nicht mehr. Aber es ist ja nun mal so, dass all diese Dinge keiner mehr für mich tun wird. Also mache ich das halt jetzt. Ich hab wirklich niemanden mehr in meinem Leben. Alle hauen immer ab, nur ich bleibe irgendwie übrig. Deswegen muss ich mich jetzt einfach mit mir selbst verbünden. Ich kann mich weiterhin selbst bekriegen oder aber mich verbünden und dadurch ja dann vielleicht sogar stärker werden. Zu zweit ist man nun mal stärker.

Ich klinge total schizo. Ich merke es selbst. Ich gehe mit diesen Gedanken ja jetzt auch nicht draußen hausieren. Ich hoffe, irgendeiner von euch kann mir wenigstens noch folgen?

Dienstag, 16. Januar 2018

Ach, was solls...

Mag gar nicht so viel über den Ingenieur sprechen. Es begann sehr vielversprechend. Vor der Veranstaltung waren wir noch was trinken alle zusammen. Wieder saß er neben mir, wir fanden auf Anhieb ein Gesprächsthema, alles war gut... Dann kam sie. Total aufgetackelt, blond, Minirock... Das krasse Gegenteil von mir. Sie klebte die ganze Zeit an ihm. Ich war raus. Freiwillig. Sie saß dann irgendwann zwischen uns. Auch während der Veranstaltung. Ich schaute da wirklich nicht mehr hin. Konzentrierte mich auf meine linke Seite. Das ist die, mit der ich mich auch schon alleine getroffen hatte, die, die auf dem Gericht arbeitet. In der Pause verschwand sie auf Toilette oder sonst wohin. Da setzte sich der Ingenieur dann neben mich. Bis sie wieder kam.

Wir (also die links von mir und ich) sind dann vorhin auch während der letzten Pause auch einfach gegangen. Danach wäre eh nicht mehr viel passiert. Hab mich noch nicht mal verabschiedet. War in dem Getümmel nicht möglich. Ich bin auch nicht wirklich pissig. Wenn da so ne Schnepfe die ganze Zeit um ihn herum wackelt... Männer halt. Aber für mich ist das Thema damit auch beendet. Auch das deckt sich mit Johannes. Der steht auch auf so aufgetackelte Tussen. Mit solchen Weibern will und kann ich mich überhaupt nicht messen. Sollen sie glücklich damit werden damit.

Yip, das war es. Es war dennoch ein schöner Abend. Weil ich es gut gemacht habe. Mich da nicht reingesteigert habe. Ich hätte mir auch den Abend dadurch versauen können. Johannes hatte mir früher so manches Fußballerlebnis versaut. Okay, ich hatte es mir immer selber versaut. Aber wenn der da irgendso ne Schnecke am Start hatte, dann war ich am Ende. Und soweit wird mich kein Kerl dieser Welt jemals wieder bringen.

Ich werde mich jetzt jedenfalls nicht mehr bei ihm melden. Mal gucken, ob von ihm noch was kommt. Meine Konzentration wird in Zukunft nur noch den Menschen gelten, die sich auch bei mir melden. Wisst ihr was ich meine? Ich laufe niemandem mehr hinterher. Ich bin eh scheiße alleine. Und komme damit klar. Mal mehr, mal weniger. Aber ich werde niemals wieder so verzweifelt sein, dass ich irgendjemandem hinterher renne. Seht nur, wie es mir dadurch mit Johannes ergangen ist. Ich bin nie so recht über ihn hinweg gekommen. Bis heute nicht. Und egal wie scheiße es mir in meinem Leben noch gehen wird, weil mich irgendwelche Menschen verlassen... Ich werde keinen von ihnen mehr versuchen aufzuhalten. Wer gehen will, kann und soll gehen. Mir egal. Nicht egal. Aber man kann es eh nicht verhindern.

Mein Leben wird in Zukunft so ablaufen. Dass ich mich in erster Linie auf mich konzentriere. Da wird die meiste Energie dafür drauf eingehen. Mit allen anderen Menschen werde ich mich nicht mehr übermäßig beschäftigen. Nicht mehr als nötig. Nicht mehr als sie es verdienen. So scheint es am treffendsten formuliert zu sein.

Und wer weiß... Vielleicht traut sich ja einges Tages auch mal wieder einer länger zu bleiben? Oder eine? Egal. Irgendso ein Herzmensch halt.

Und jetzt versuche ich zu schlafen. Morgen warten meine Zeitungen wieder auf mich. Heute vor einer Woche wurde meine Mutter beerdigt, heute vor drei Wochen ist sie gestorben. Unfassbar, wie die Zeit vergeht. Die Welt dreht sich einfach immer weiter. Egal, wer ausgestiegen ist. Es geht weiter, immer und immer weiter. Fluch oder Segen?

Achja...

Wenn der Ingenieur mir ne gute Nacht wünscht, dann freut mich das schon. Verdammt. Und wenn er dann noch "bis morgen" dazu schreibt... Ja, morgen sehe ich ihn wieder. Und ich freue mich so darauf. Weil ich mir einfach so sicher bin, dass es so wird wie die letzten beiden Male. Wir werden mit einer Selbstverständlichkeit wieder zueinander finden. Ja, daran glaube ich und darauf freue ich mich auch.

Ansonsten habe ich heute wie geplant mein Treppenhaus geputzt. War ne kleine Runde laufen. 25 Minuten. Danach konnte ich aber auch echt nicht mehr. Sonderlich schnell war ich auch nicht. Gut, mir kam noch ne rote Ampel in die Quere. So ein klein wenig hin und her laufen, bremst da einfach immer ganz schön. Und die Ampel war lange rot. Aber ich wollte ja eh lernen, in Zukunft nicht mehr all zu sehr nach Zeit und Tempo zu schauen. Ich mag einfach nur laufen, weil es gut tut. Den Kopf frei bekommen. Und wenn ich jetzt mein Leben lang immer nur fünf Kilometer laufe, dann ist das halt so. Wenn es die Distanz ist, die mir gut tut... Warum nicht?

Dann denke ich ständig darüber nach, ob ich nicht noch die Eckbank meiner Eltern hier in die Wohnung bekomme. Die ist sehr schön. Grüner Stoff. Sehr modern. Den Tisch wollte ich ja eh dazu mitnehmen. Auch zwei dazugehörige Stühle. Aber ich bin mir halt nicht sicher, ob das so komplett hier rein passt. Ich hab ja keine Maße. Aber je länger ich darüber nachdenke, destso mehr mag ich sie. Andererseits hätte ich dann wieder dasselbe Problem wie jetzt auch mit meinem Esstisch. Alles viel zu groß und wuchtig. Und ich hätte ja zumindest zwei Stühle mit demselben Stoff... Auf denen saß meine Mutter nur nie. Hmm.
Verdammt, sie fehlt mir so. Ich hab Angst, dass ich es bereue, wenn ich die Eckbank jetzt nicht mitnehme. Aber die ist halt schon groß. Sie saß so oft auf dieser Bank... Löste Kreuzworträtsel, blätterte in Prospekten, hin und wieder nahm sie auch ihre Mahlzeiten dort zu sich. Ich hab ja noch ein wenig Zeit, um darüber nachzudenken. Noch 1,5 Monate ungefähr.

Wie es mich abfuckt, dass es jetzt schon wieder schneien soll. Ich hasse Winter. Für mich die schlimmste Jahreszeit. Kalt, nass, dunkel. Ich mag den Herbst. Ich mag auch den Frühling. Aber diesen dämlichen Winter... Sommer liebe ich eh. Mir kann es nie zu heiß sein. Wobei ich mich dieses Mal noch nicht mal sonderlich beschweren darf. Quasi den kompletten Dezember bin ich ausgefallen wegen meiner Mama. Januar haben mir auch ein paar Tage gefehlt. Ich rede grade von meinen Zeitungen. Ach, keine Ahnung.

Ich bin traurig irgendwie. Ja, das bin ich heute. Obwohl heute auch viel Gutes passiert ist. Ich konnte endlich meine Karte für das Spiel in zwei Wochen bestellen und vor allem bezahlen. War ja nicht so einfach ohne Kreditkarte. Mein Bruder hatte dann ausgeholfen, aber mit dem musste ich ja erstmal zusammen kommen, weil er die TAN auf sein Handy geschickt bekam. Ja, ich sehe meinen Fußballer bald wieder. Aber auch da plagen mich jetzt ganz schlimme Trennungsängste. Es wird definitiv seine letzte Saison bei diesem tollen Verein sein. Er hatte mir zwar versprochen, dass wir in Kontakt bleiben. Aber was ist, wenn er sich nicht meldet? Ich komme ja auch nicht so einfach an ihn ran. Ich hab auch nur seine Kontaktdaten aus diesem Verein. Und nicht seine privaten. Und irgendwann wird er auch zu alt sein und seine Karriere beenden. Dann werde ich ihn auch nie wieder sehen. Eines Tages wird er sterben... Ich heule schon bei dem bloßen Gedanken daran.

Ich mag einfach niemanden mehr verlieren. Ich halte das einfach nicht mehr aus. Ich ertrage das nicht mehr. Und ich glaub wirklich, dass meine Verlustängste nun ihren Höhepunkt erreicht haben.

Hmm. Ja, ich bin wirklich traurig heute. Ich kämpfe mich einfach weiterhin durch. Jeden Tag werde ich mir kleine Aufgaben stellen, die ich versuche zu erfüllen. Morgen ins Studio und mal zur Mülldeponie fahren und schon mal ein bisschen was wegbringen. Eine Situation, die mir Angst macht. Weil ich mich nicht auskenne und nicht weiß, wie das alles funktioniert. Früher hätte ich das im Leben nicht freiwillig gemacht. Da hätte ich lieber alles im Keller gebunkert. Fremde Leute ansprechen, etwas Fragen, sich dadurch zu outen, dass man keinen Plan hat, dass man quasi dumm ist. Mache ich heute noch nicht gerne. Aber das Gute ist ja... Ich hab ja noch ein "ausländisches" Kennzeichen, also das aus meiner Heimat. Darf ich dann überhaupt hier Müll abgeben? Hmm. Naja, jedenfalls sehen die dann, dass ich gar nicht von hier komme. Ja, ich hasse es. Aber nutzt ja nichts.

Ich brauche die Maße der Eckbank. Aber ich befürchte, sie ist wirklich zu groß. Wenn sie dahin passt, wo ich sie gerne hinstellen würde, dann werde ich sie mitnehmen. Ja. Wird knapp.

Ich bin einfach noch nicht dazu bereit loszulassen. Würde am liebsten einfach alles behalten. Alles mitnehmen.

Und... Nachdem ich für mich eine Erklärung dafür gefunden habe, warum meine Mutter so zu mir war, wie sie nun mal war... Dass sie eben Wiedergutmachung leisten wollte. Bei ihren beiden ersten Jungs hatte sie es ordentlich verkackt, bei den anderen beiden wollte sie es besser machen. Was ihr auch gelungen ist... Nur leider hat sie mich dabei vergessen. Und halt auch sonst nicht all zu viel Gutes für mich getan. Damals... Ich mag jetzt noch viel weniger darüber reden als ich es eh schon immer getan hatte... Ich möchte, dass sie zurück kommt, versteht ihr? Egal was damals war...
Und ich bleibe dabei... Ich kann mir das Verhalten von so vielen Menschen erklären. Nur von einem nicht. Und ja, Johannes ist nach wie vor noch ein Thema. Im Moment nicht ganz so vordergründig. Aber vergessen hab ich ihn nicht. Ich bin froh, wenn mein Geburtstag rum ist. Sind noch fast drei Wochen. Aber es wird der einsamste Geburtstag meines Lebens. Mir haben ja eh schon immer nicht viele Menschen gratuliert, weil ich meinen Geburtstag nirgends veröffentlicht habe. Meine Eltern haben beide letztes Jahr noch gratuliert. Johannes hat letztes Jahr noch gratuliert. Mein Ex wird auch dieses Mal gratulieren... Aber naja... Vergleichen kann man das wohl nicht. Seine Eltern? Vielleicht. Aber auch darauf könnte ich verzichten. Sie haben auch nicht konduliert übrigens. Also seine Eltern. Ja, es wird ein sehr, sehr einsamer Tag. Aber deswegen werde ich jetzt meinen Geburtstag auch nicht veröffentlichen. Ich weiß, wann meine wichtigen Leute Geburtstag haben. Manche davon habe ich auch in meinen Kalender eingetragen. Ich brauche dafür kein Facebook.

So, ich versuche mal zu schlafen. Hab heute Morgen zu lange geschlafen. Bis viertel vor neun. Deswegen bin ich jetzt noch so fit.

Ach Mama :-(

Sonntag, 14. Januar 2018

Morgen gehts mit Vollgas weiter

Irgendwie versinke ich hier nach wie vor im totalen Chaos. Es fällt mir schwer, die Sachen meiner Mutter aus den Kisten zu holen und in meine Wohnung zu integrieren. Hab jetzt allerdings für mich entschieden, dass ich doch einige Teile erstmal in den Keller packen werde. Erstens habe ich wirklich nicht so viel Platz und zweitens... Ich werde mich sicher darüber freuen, wenn ich irgendwann nochmal ne Kiste mit lauter Dingen meiner Mutter/meiner Eltern auspacken kann. Wenn ich jetzt nicht alles sofort bei mir habe. Vor allem habe ich ja immer Angst davor, irgendwas kaputt zu machen. Also jetzt von den Dingen meiner Eltern. Ich will einfach noch so lange wie möglich etwas davon haben. Von den Dingen, die ich damals von meinem Dad mitgenommen habe, kann ich mich mittlerweile leichter trennen. Daran merkt man einfach, dass ich nach seinem Tod noch so viel mehr verarbeiten musste. Dass ich gar keine Zeit hatte, mich lange mit seinem Tod auseinanderzusetzen.

Dinge, die ich hier noch von Jörn finde, kloppe ich alle in die Tonne. Egal was. Kann alles weg. Ich hab heute auch verschiedene Teile von meinem einstigen Herz-Fußballvereines in den Kleidersack gestopft. Shirts und so weiter behalte ich noch, die kann ich gut zum Sport anziehen. Aber Schlafanzug, Bettwäsche... Kann alles weg. Auch die Trennung von diesem Verein ist noch nicht so lange her.

Ich hab so, so viel verloren in den letzten 2-3 Jahren. Das ist echt hart, sehr hart. Und wenn ich das grade immer und immer wiederhole, dann nicht, um mich selbst zu bedauern. Nee. Aber es ist nun mal grade einfach nicht möglich, dass ich völlig rund laufe. Ich kann grade nicht mehr so tun, als sei nichts passiert. Das ging vielleicht noch nach dem Tod meines Vaters. Da war auch Jörn noch da. Da musste ich auch einigermaßen funktionieren. Weiter, immer weiter. Er hätte mit einer Depression gar nicht umgehen können.
Nachdem er sich dann verpisst hatte, kam ich ein paar Tage ganz schön ins straucheln. Bis ich sein Verhalten verstand. Begriff, dass ich nichts falsch gemacht hatte. Dass er mich nie heiraten wollte, nie mit mir zusammen ziehen wollte... Und dann auch noch mir die Schuld an allem gab. Ja, ich hatte mich wieder berappelt.
Aber kaum stand ich wieder, starb meine Mutter.

Und ich glaube, ich muss da dringend mal zu nem Arzt. Ich meine nicht zu meiner Psychotante. Aber ich werde einfach den Gedanken nicht los, dass ich zu wenig für sie getan hatte. Dass ich einfach in diesem Krankenhaus mehr Druck machen hätte müssen. Dass sie sich mehr um sie kümmern. Dass ich mich viel mehr mit diesem ganzen Medizinkram auseinandersetzen hätte müssen. Ich hab mich einfach nicht damit beschäftigt. Selbst als sich heraus stellte, dass sie ihren Stuhlgang erbricht. Ich hab mir darüber keine Gedanken gemacht. Hätte ich das ein mal in google eingegeben, hätte ich gewusst, dass das gefährlich ist. Als sie mir erzählte, dass das Abführmittel nicht gewirkt hatte, dass sie mit Müh und Not ein kleines bisschen Stuhlgang raus bekam, das aber auch nur, in dem sie mit dem Finger nachhelfen musste. Ja sorry für die Details, aber ist nun mal so. Und ich hab doch gemerkt, dass sie total erkältet ist. Ich hätte mich einfach besser kümmern müssen. Ich brauche irgendeinen Arzt, der mir das alles in Ruhe nochmal erklärt. Was da jetzt genau passiert ist. Wie viel Schuld mich wirklich trifft. Ob ich es wirklich verhindern hätte können.

Ich komme damit im Moment einfach nicht klar, dass sie wirklich nicht mehr da ist. Es ist so, so schwer für mich. Schwerer als ich es jemals vermutet hätte.

Und ich weiß einfach noch nicht, wie ich das ersetzen soll. Ich hätte gerne mit ihr heute über Fußball gesprochen. Ich hab dann meinen Brüdern ne Whatsapp geschrieben. Keine Antwort. Oder da gibt es meine bescheuerte Tante, zu der ich seit dem Tod meines Vaters schon keinen Kontakt mehr hatte. Meine Mutter hatte den Kontakt auch abgebrochen. Ich hab diese besagte Tante(n) auch höchstpersönlich zur Beerdigung ausgeladen. Kamen auch nicht. Hatten dennoch ein großes Gesteck mit noch größerer Schleife und deren Namen machen lassen. Ich hatte die Namen dann abgedeckt, damit ich mich nicht während der Beerdigung ständig drüber ärgern musste. Hab ich kommentarlos hingenommen. Meine Mutter hätte sich auch tierisch aufgeregt. Dann hat sich diese Tante jetzt ein FB-Konto zugelegt und mich seit Tagen mit Nachrichten bombardiert. Zwei Tage lang habe ich auch nichts geantwortet. Heute habe ich geschrieben, dass sie mich bitte in Ruhe lassen und das jetzt einfach mal akzeptieren soll. Ich hätte mich so herrlich mit meiner Mutter gemeinsam über diese blöde Kuh aufregen können. Jetzt ist da niemand mehr. Meinen Brüdern hatte ich auch das geschrieben, aber auch dazu äußert sich keiner.
Mit dem Tod meiner Mutter ist nicht nur sie gegangen. Und dadurch auch nicht nur meine Eltern. Ich hab irgendwie auch keine Familie mehr jetzt. Ich bin jetzt einfach wirklich alleine. Da ist einfach absolut niemand mehr.
Und ich weiß einfach nicht, ob ich auf Dauer wirklich so leben kann. Ich glaub nicht.

Der Ingenieur hatte mir heute irgendso ein Spaßvideo geschickt. Ich mag sowas ja immer nicht. Hat so nen Kettenbrief-Style, finde ich. Hab trotzdem nen Lachsmiley zurückgeschickt. Mehr an Kommunikation fand heute nicht statt. Ich hätte ihn fragen können, wie es beim Laufen war. Er war heute nach Wochen das erste mal wieder. Aber nee. Auch wenn er mich ein wenig tiefer berührt als die meisten anderen Menschen. Er ist ein gefährlicher Typ. Er ist keiner der konstant bei jemandem bleibt. Und auch wenn ich mich grade sehr nach jemandem sehne, der für mich da ist, der Zeit mit mir verbringt... Er ist dafür der Falsche. Er wird mir nicht das geben (können) was ich brauche. Leider. Ich freue mich trotzdem auf Dienstag. Hoffe, dass wir wieder ein bisschen Nähe aufbauen können und werde es in vollen Zügen genießen. Aber mehr Hoffnung und Energie werde ich da nicht mehr rein stecken.

Zeitungen verteilen war schwierig. Der Bezirk war an für sich mega. Kurze Wege, viele Hochhäuser, mega gute Bezahlung. Aber: Ich wäre im Dunkeln fast gestorben. So, so unheimlich. Ich hab zwei Ecken erstmal ausgelassen, weil ich mich im Dunkeln wirklich nicht hingetraut habe. Ich hab ja sogar so ne Mütze mit integrierter Leuchte. Damit gewinnt man keinen Schönheitspreis, aber hilft ungemein um die Briefkästen besser zu finden. Aber da hätte ich in irgendwelche Hinterhöfe gemusst. Unbeleuchtet. Nee, im Leben nicht. So, dann kam die dritte Ecke bei der ich dachte, nee, da gehe ich nicht lang. Aber irgendwo musste ich ja mal anfangen. Da landete ich dann bei so ner total abgelegenen Kneipe, die noch offen hatte und total viele besoffene Menschen drin saßen. Oder vor der Türe beim Rauchen standen. Einer quatschte mich auch an und wollte mich auf ein Bier einladen. Da weiß man ja auch nie, welche Typen da so sitzen. Ob mich da nicht mal einer noch verfolgen wird. Ja ernsthaft. Kann doch sein? Wenn da 2-3 so Spacken zusammen sitzen... Hat man alles schon erlebt. Auch ich. Ja, also im Hellen würde ich diesen Bezirk sofort übernehmen. Aber im Dunkeln habe ich zu viel Schiss. Da kamen mir immer wieder irgendwelche komischen Leute entgegen. Nee. Geht echt nicht.

Und was ich mir auch ganz fest vorgenommen habe... Nicht, dass das jetzt grade ein aktuelles Thema sein müsste... Aber ich hatte mir ja eigentlich schon vor Jahren vorgenommen, nicht mehr direkt mit einem Typen in die Kiste zu steigen, mit dem ich eigentlich ernste Absichten habe. Bei Jörn hatte ich mich auch nicht daran gehalten. Obwohl wir das vorher sogar noch so besprochen hatten. Ja. Das ist jetzt in Stein gemeißelt.
Wobei... Ganz ehrlich... Ich denke zur Zeit ja über vieles nach, aber Sex ist da eigentlich nicht dabei. Ich brauche Nähe, Liebe, Vertrautheit, Geborgenheit... Da würde mich so ein Frustfick nicht trösten. Im Gegenteil. Zumal ich zur Abwechslung mal so ne Kuschelnummer bräuchte. Wenn ich sonst Single war (also eigentlich immer ;-) ), wollte ich ja lieber immer die harte Nummer. Keine Gefühle, kein Kuscheln, einfach nur vögeln. Tja... Hätten wir darüber auch gesprochen.

Ich versuche jetzt zu schlafen. Morgen muss ich noch das letzte Treppenhaus putzen. Und ich wollte vielleicht tatsächlich mal vorsichtig versuche ne Runde zu laufen. Mein Knie hatte die Zeitungen am Wochenende sehr gut weggesteckt. Keine Schmerzen. Ich werde es aber wirklich ganz vorsichtig testen. Und auch nur ne ganz kurze Strecke laufen. Gut, mehr gäbe meine Kondition ja auch gar nicht mehr her. Aber wenn ich nur 10 Minuten schmerzfrei laufen kann, dann wäre ich schon zufrieden. Und ich will mich auch wirklich nicht überlasten. Ganz vorsichtig und behutsam. Ein Kilo ist mittlerweile zumindest schon wieder runter. Aber auch stresse ich mich nicht. Auch das hat Zeit. Meine Karte für den Mud Masters habe ich abgegeben. Ich würde bis Mai nicht fit genug sein. Bin zu fett, zu untrainiert. Ich schaffe es ja noch nicht mal zu laufen. Nee, das würde mir nur zu viel Druck im Moment machen. Mein Ziel ist es, am Ende des Jahres wieder schlank zu sein. Also 15 Kilo weniger zu wiegen. Ich hab mir die Zielfahne bewusst so weit weg gesteckt. Ich will einfach gesund abnehmen. Noch nicht mal ne sonderliche Diät machen. Einfach wieder mehr Obst und Gemüse essen, mich wieder mehr bewegen. Und wenn ich dann mal Bock auf ne Pizza oder ne Tafel Schokolade habe, dann werde ich mir die auch rein pfeifen. Ich mag nur auch verstärkt darauf achten, dieses Frustessen mal ein wenig einzugrenzen. Das habe ich noch nie gemacht, noch nie darauf geachtet. Aber das ist nicht gesund und auch nichts, womit ich mir was Gutes tue. Damit schade ich mir und das will ich doch gar nicht mehr. Das ist dann nicht dieses: Boah, ich hab jetzt Bock auf ne Tüte Chips. Nee, das ist dann dieses: Ich fresse jetzt so viel, bis mir schlecht ist. Und dann kommt halt zu der Tüte Chips noch ne Tüte Haribo, ne große Tafel Schokolade (diese Maxiteile von Milka) und noch ne Tüte Nüsse. Und das haue ich dann aber innerhalb weniger Minuten weg. Da gehts nicht um Gelüste. Da gehts um irgendwas anderes. Ich weiß noch nicht mal so recht was.

Auch wenn ich mich wiederhole. Ich hab in den letzten Monaten so viel durchgemacht... Es gibt keinen Grund mehr, mich noch mehr zu strafen. Ich sollte jetzt wirklich alles dafür tun, dass es mir gut geht. Gut auch mich achten. Es ist sonst keiner mehr da, der das tut. Der nach mir schaut. Keiner, der möchte, dass es mir gut geht. Ich muss das jetzt alleine machen. Und ich werde mein Bestes geben. Ich will gut zu mir sein. Ja, so soll es sein.

Gute Nacht.