Donnerstag, 19. Januar 2017

Wahrheit oder Lüge

Hmm. Leider kann ich mir auch in meiner Fantasie keinen Johannes-Ersatz kreieren. Sobald ich so etwas wie Nähe und Vertrautheit empfinde, sehe ich direkt wieder Johannes Gesicht vor mir, das verbunden ist mit dem Wissen: Ach, du lässt mich doch eh wieder alleine.

Es funktioniert also nicht. Ich hab heute zum wiederholten Male mit meiner Psychologin über ihn gesprochen. Ich hab in der Tat eigentlich noch nie so wirklich über ihn gesprochen. Hier habe ich Seiten gefüllt. Eigentlich ja auch schon Romane. Aber so mal darüber zu sprechen und Fragen gestellt zu bekommen, neue Denkansätze zu erhalten...

Fakt ist... Er ist weg. Und er wird auch nie wieder kommen. Das weiß ich. Und damit komme ich zurecht. Ich schreibe ihm keine Nachrichten, like und kommentiere auf FB nicht von ihm. Und das schon seit Monaten nicht. Ich schaue auch nur ganz selten in seine FB-Chronik. Alle zwei Wochen mal oder so. Selbst seinen Whatsapp-Status checke ich nur noch alle paar Tage. Ja, ich kann ohne ihn.

Und dennoch bin ich immer noch so voller Trauer. Die Psychotante meint, das sei okay. Manchmal würde es halt auch Jahre dauern. Das Ding ist... Wenn ich die Zeit von damals betrauere, dann denke ich immer: Ich sollte nicht wegen etwas traurig sein, was ihm noch nicht mal was bedeutet hat. Und das hat es nicht. Hat er selbst gesagt. Danach. Und würde er mich so behandeln, hätte ich ihm jemals was bedeutet?

Aber... Meine Psychologin stellte heute eine durchaus berechtigte Frage... Er hat so viel gesagt und so wenig dafür getan, seine Worte zu unterstreichen. Warum sollte er ausgerechnet diese Worte so gemeint haben? Er hatte während der guten Zeit mal gesagt, wir müssten einfach immer ehrlich zu einander sein, denn die Schmerzgrenze sei bei uns beiden doch schon längst überschritten. Die Grenze, an der es nicht mehr weh tun würde. Ich war immer ehrlich. Am Ende sogar viel zu ehrlich.

Ich würde ihn gerne in guter Erinnerung behalten. Und ja, es ist nun mal irgendwie so, als sei er tot. Er ist nun mal von mir gegangen und wird nie wieder zu mir zurück kommen.

Auch wenn ich immer noch ziemlich traurig bin. Und ich es mittlerweile sehr leicht habe. Ich sehe ihn nicht mehr im realen Leben, er meldet sich eh nicht bei mir, ich mich nicht bei ihm, virtuell halte ich soweit auch alles von mir fern... Ich bin traurig ohne ständig diesen verdammten Schmerz zu empfinden. Diesen Schmerz, den man nicht kontrollieren kann.

Die Tage hat eine seiner Schnecken gepostet, dass sie bald auf ein Konzert von seiner Lieblingsband in Berlin geht. Mein Gedanke: Herrlich, dann könnt ihr da ja ne Runde vögeln. So ganz ist es also noch nicht weg. Ich mag generell keine Ficker. Diese Typen, die wahllos sämtliche Weiber flach legen. Nur tut es mir bei den anderen Typen nicht weh. Es macht mich da eher wütend und ich finde die Kerle einfach nur zum brechen und mag mit ihnen nichts zu tun haben. Bei ihm ist es ein bisschen anders. Es fällt mir nach wie vor schwer zu verstehen, dass dieser Weiberheld gleichzeitig der Mann sein soll, der mir damals das Gefühl gegeben hat, wichtig zu sein. Und zwar wirklich wichtig. Nicht nur so lange wichtig, bis er mich flach gelegt hat.

Ja. Die Trauer hat eine andere Qualität bekommen. Abgeschlossen ist das alles immer noch nicht. Ich weiß auch nicht, ob das jemals der Fall sein wird. Aber ich weiß, dass ich mir nicht mehr von ihm weh tun lassen möchte. Und das kann er nach wie vor durch Kleinigkeiten. Ich kann ihm nicht mehr vertrauen. Unabhängig davon, dass er schon seit Jahren keinen Bock mehr auf mich hat. Ich hab jetzt einfach auch für mich entschieden, dass er mir nicht gut tut. Dass es mir besser ohne ihn geht. Vielleicht habe ich in der Tat zu hohe Erwartungen an ihn.

Es ist so ähnlich wie mit dem Fußball. Natürlich könnte ich nach wie vor noch zu jedem Spiel fahren. Ich hätte die Zeit und auch das Geld. Aber warum sollte ich das tun? Wenn mich da doch eh nur alles nervt? Ich diese ganze Ungerechtigkeit nicht akzeptieren kann? Dieses Feiern von Straftätern. Dieser Verherrlichung von Gewalttaten und Gewalttätern. Auch da ist es so, dass es mir zu Hause besser geht. Und ja, auch dieser Verein war mal das Wichtigste in meinem Leben. Und das über Jahrzehnte lang. Und auch da gibt es Momente, in denen ich traurig bin. Darüber, dass es so gekommen ist. Dass mich noch so wenig mit diesem Verein verbindet. Ich lese keine Berichte mehr, bekomme auch sonst nichts mehr mit. Die Ergebnisse, aber dann hört es auch schon wieder auf. Ich weiß noch nicht mal so genau, auf welchem Tabellenplatz sie grade stehen.

Puh. Ich wollte immer jemand für ihn sein, der ich doch nie war. Das ist eigentlich die Erkenntnis.

Es geht auch ohne ihn. Und die Zeit damals war nun mal wunderschön. Für mich. Aber den Menschen von damals gibt es nicht mehr. Vermutlich gibt es sogar beide Menschen von damals nicht mehr. Ihn nicht und mich auch nicht. Und je weniger ich in der Gegenwart von ihm mitbekomme, desto realer wird die Vergangenheit wieder. Nicht realer. So wahrer.

Mein Gefühl sagt mir einfach, dass ich ihm damals auch was bedeutet habe. Und ich war wirklich immer ehrlich, wenn es um Johannes ging. Er hatte damals gesagt, er würde um mich trauern, wäre ich nicht mehr bei ihm. Und dass ich ihm hoffentlich niemals scheißegal werde. Ich hab so was nie gesagt, glaube ich. Ich hätte es aber tun können. Bei mir entspricht es nun mal der Wahrheit. Also... Auch wenn er mittlerweile sagt, dass ihm das damals nichts bedeutet hat... Gäbe es eine Statistik über die Wahrheiten in dieser Geschichte, läge ich ganz klar vorne. Warum also sollte ich ihm glauben und nicht mir?

Ich glaube ihm doch sonst auch nichts mehr. Wenn er schreibt, dass er mich lieb hat... Habe ich ihm auch nicht mehr geglaubt. Weil es sich da nun mal auch nicht mehr so anfühlt. Damit hadere ich aber nicht so.

Ja, ich konzentriere mich jetzt nicht mehr darauf, was er hinterher alles gesagt hat. Das war einfach auch schon nicht mehr der Johannes von damals. Er sagte hinterher mal, dass ich ihn besser kennen, als die meisten anderen Menschen. Vielleicht war ja auch der Johannes von damals der wahre Johannes?

Abwegig ist es nicht. Ich will mich in Frieden von ihm trennen. Und mich einfach an eine schöne Zeit erinnern. Und die möchte ich mir von der Gegenwart nicht mehr kaputt machen lassen.

Meine Psycholgin meint auch, dass er nen Schaden hat ;-) . Hat sie nicht wörtlich so gesagt. Aber dass er sich schon auch die Frauen aussuchen würde, mit denen es eh nicht klappt. Sei es wegen der Entfernung oder was auch immer.

Ich werde das schaffen. Das weiß ich. Endlich.

Dienstag, 3. Januar 2017

So lange her...

Heute vor sechs Jahren steckte ich inmitten der schönsten Zeit meines Lebens. Johannes war gestern zum ersten Mal in meinem Leben erschienen...

Ich erlaube mir, mich sechs Jahre zurück zu versetzen. Zu träumen. Es noch mal zu erleben. Diese Nähe und Vertrautheit von damals. Das habe ich schon seit so vielen Jahren nicht mehr zugelassen. Es tut mir gut. Die Realität auszublenden. Für kurze Momente einfach mal zu vergessen, dass ich ihm völlig egal bin und es wohl auch immer war. Dass die Realität überhaupt nichts mehr mit der Zeit von damals zu tun hat. Damals... Als er mir noch so viele Fragen stellte, so viel über mich wissen wollte, sich angeblich für meine Person interessierte.

Ich hab in den Posts von damals gewühlt... Ich hatte damals schon geschrieben, dass es so schön ist, dass da jemand ist, der sich wirklich für mich interessiert. Der mir Fragen stellt. Dem ich ehrlich antworten kann, ohne mich zu verstellen.

Ich stecke immer noch in dieser Phase. Er interessiert mich immer noch. Ich würde ihm heute genauso wie damals tausende von Fragen stellen wollen. Würde noch so gerne so viel über ihn erfahren. Will wissen, wie es ihm geht, was er so tut, was er so denkt. Ja, so ist es. Aber er hat irgendwann aufgehört darauf zu antworten. Und vor allem damit aufgehört, mir dieselben Fragen zu stellen.

Ich reagiere wirklich auf nichts mehr von ihm bei FB. Er kann "uns" ein frohes neues Jahr wünschen... Ich klicke noch nicht mal mehr auf gefällt mir. Es gilt eh mehr Jörn als mir. Wäre ich nicht mit seinem Kumpel Jörn zusammen, würde er es mir auch nicht wünschen.

Ich kann nichts tun. Wisst ihr... Bei dem Redaktionsjob war ich es, die gesagt hat, es ist vorbei. Es war auch nicht leicht. Aber ich bin gegangen. Aber wie soll ich jemanden verlassen, der schon längst nicht mehr bei mir ist? Es ja vielleicht sogar nie war... Das einzige was ich tun kann ist Schadensbegrenzung betreiben. Mir keine weiteren Schmerzen hinzu fügen. Ihm aus dem Weg zu gehen. Nichts mehr erwarten. Schaut doch... Hätte ich ihm ebenfalls ein gutes neues Jahr gewünscht, hätte ich einen gefällt mir Klick erwartet. Wäre er ausgeblieben, hätte es zumindest nicht zur Heilung beigetragen. Er kann mich einfach mit so verdammten Kleinigkeiten verletzen. Ja, ich halte sie mittlerweile besser aus. Aber schön sind sie bis heute nicht. Er kann mich mit Verhaltensweisen verletzen, die mir bei anderen Menschen noch nicht mal auffallen würden. Jede Art von Ignoranz oder Zurückweisung tut mir bei ihm einfach so verdammt weh. Nach wie vor...

Ja, deswegen reagiere ich auch nichts mehr. Nicht um ihm zu zeigen, wie das so ist, wenn man ignoriert wird. Nicht, um mich an ihm zu rächen... Sondern einfach, weil ich es einfach nicht ertrage, wenn er dann wieder weg ist. Dann lieber ganz ohne ihn.

Jörn interessiert sich nicht so richtig für mich und meine Geschichte. Was auch eigentlich gut ist. Meine Geschichte ist heftig. So fernab jeder Normalität. Es ist gut, dass er nichts wissen will. Er kam bislang ohne wirklich schlimme Erfahrungen durchs Leben, er ist eher so der normale Typ. Positiv. Voller Vertrauen in alles und jeden. So ganz anders als ich. So jemand würde mit meiner Geschichte nicht klar kommen. Es wäre zuviel. Viel zu viel. Ja, es ist gut, dass er nicht fragt. So muss ich mich nicht mit Halbwahrheiten durchmogeln.

Ich hole ihn mir in meinen Träumen zurück, aber weiß, dass es nichts mehr mit der Realität zu tun. Ich hatte bis vor ein paar Jahren immer dieser Begleiter. Kann sogar sein, dass Johannes sie mir weggenommen hat, weil er plötzlich real war. Seitdem ich denken kann, hatte ich immer Begleiter, die für mich da waren. Es gab einen männlichen Part, Patrick hieß er. Er war so perfekt. So stark und schön. So klug. Er hatte schon einiges durch in seinem Leben. Und dennoch war er für mich perfekt. Eigentlich ziemlich unperfekt und chaotisch und kam auch manchmal vom rechten Weg ab. Aber nur, wenn er zu viel fühlte. Wenn das Leben mal wieder zu ungerecht war. Ihm konnte keiner was. Wie gesagt, diese Figuren bestanden seit meiner Kindheit, wir haben viele gemeinsamen Geschichten erlebt. Aber die Personen waren dieselben. Und auch die Geschichten blieben, wenn sie erstmal durchgespielt waren. Und dann gab es diese Frau. Jennifer. Sie war so klein und schwach und war auch nur selten da. Wahrscheinlich in den seltenen Momenten, in denen ich mich im realen Leben stark fühlte. Keine Ahnung.

Ich wollte Johannes nie verlieren. Ich wünschte mir so sehr, er wäre nach wie vor ein Teil meines Lebens. Ist er aber nicht. Weil er es nicht möchte. Da ist es ziemlich egal, was ich mir wünsche. Ich muss ihn gehen lassen. Damit es mir wieder besser geht.

Es fühlt sich wieder an, als wäre da diese Glasscheibe zwischen uns. Ich kann ihn sehen. Aber er beachtet mich nicht. Ich versuche die Hand nach ihm auszustrecken, berühre aber nur kaltes Glas. Ich wünschte, er würde sich wenigstens mal umdrehen. Damit ich ihm zum Abschied wenigstens nochmal zuwinken könnte. Er wird nicht merken, ob ich hinter der Scheibe stehe oder nicht. Das merkt er schon seit Jahren nicht mehr.

Wisst ihr... Dieser eine Moment damals... Als er mich bei FB rausgeschmissen hatte und meinte, dass es besser so ist... Ich sagte: "Wenn du meinst" und drehte mich um. Hinter mir stand ein gemeinsamer Freund, ich begrüßte ihn und drehte mich wieder um um zu gehen. Ich schaute ihn nochmal kurz an und wollte kommentarlos weiter. Er hielt meine Hand fest. Wir standen ziemlich unter Spannung, als machte ich einen kleinen Schritt auf ihn zu. Wir schauten uns die Augen. Seine Hand hielt meine Hand fest. Ich hätte ewig so stehen können, ich weiß auch nicht, wie lange wir so da standen. Wir sagten nichts, wir schauten uns einfach nur an. Und es war plötzlich okay. Es war, als holte er mich zurück irgendwie. Neutralisierte meine Gefühle. Diese Wut und dieser Schmerz war weg. Es war okay, dass er mich bei FB rausgeschmissen und nicht mehr aufnehmen wollte. Ich glaubte ihm in dem Moment, dass es besser so ist. Es fühlte sich richtig an. Ohne dass er auch nur ein Wort dazu gesagt hatte. Und als ich dieses Okay-Gefühl wieder hatte, nickte ich ihm zu, ließ seine Hand los und ging wirklich.

Ja, irgendwie würde es sich besser anfühlen, wenn uns Beiden der Abschied bewusst wäre. Wie mit meinem Trainer letztes Jahr. Dem hab ich so oft gesagt, dass er mir fehlt und ich ihn vermisse. Wohl wissen, dass er dennoch nicht zurück kommen wird. Ja, ich hätte gerne, dass er nochmal meine Hand nimmt. So eine Abschiedszeremonie. Am Coolsten wäre es natürlich, wenn auch er ein wenig traurig wäre. Mag sein, dass wir das sogar mal zeitgleich waren. Damals, als er ging. Zumindest sagte er das. Dass auch er sehr traurig ist... Aber während seine Traurigkeit dann relativ schnell verflogen war, besteht meine bis heute.

Aber... Nachdem er jetzt in meiner Traumwelt lebt, kann ich ja da diese Szene immer und immer durchspielen. Manche Szenen haben sich auch mit Patrick und Jennifer immer und immer wiederholt. Wie so ein Schauspiel, das einfach noch nicht perfekt war und so lange durchgespielt werden musste, bis es endlich fehlerfrei im Kasten war.

In meiner Traumwelt ist alles erlaubt. Da bin ich der Regisseur.

Und vielleicht hat auch das das Loslassen nicht grade erleichtert. Weil es meine Helden Patrick und Jennifer plötzlich auch nicht mehr gab. Wegen den Beiden wollte ich übrigens nie eine Beziehung führen. Sie waren immer sehr präsent. Vor allem nachts. Ich hielt mich oft Stunden lang in dieser Welt auf. Am realsten war diese Welt, als ich noch gekifft hatte. Natürlich ist es nicht einfach, sich so eine Welt zu erschaffen, wenn man in einer Beziehung ist. Man kann nicht immer in diese Welt flüchten, wenn einem grade danach ist. Ich hab keine Ahnung, wie das in Zukunft funktionieren wird. Ich lebe erst seit gestern wieder in so einer Traumwelt.

Ich weiß, dass man sich auch verabschieden kann, ohne dem anderen wirklich au revoir zu sagen. Was soll ich denn auch sagen? Ich weiß, du bist vor sechs Jahren schon gegangen, aber jetzt bin auch ich dazu bereit? Nein... Er ist weg. Und das schon sehr lange. Einen wirklichen Abschied hat es nie gegeben. Ich musste irgendwann einfach wieder funktionieren, damit er überhaupt noch mal ein paar Worte mit mir wechselt. Musste "normal" sein. Ob ich dazu innerlich wirklich bereit war oder nicht interessierte dabei keinen. Das war einfach die Bedingung. Seine Bedingung. Ich war in letzter Zeit sehr normal und dennoch lässt er mich nicht mehr in sein Leben.

Zeit zu gehen. In meiner Traumwelt ist er ja noch. Und da gebe ich ihn auch nicht mehr her. Zumindest erst dann, wenn ich wirklich soweit bin.

Tja...

Mittwoch, 28. Dezember 2016

Moralischer Scheiß

Warum sagt man eigentlich: Ich hab meinen Moralischen?

Moral ist doch nichts schlechtes, oder? Und muss doch auch nicht zwingend mit negativen Gefühlen behaftet sein... Obwohl... In unserer heutigen Zeit wohl doch. Mit Moral und Anstand kommt man nicht wirklich weit.

Ich bin in den letzten Tagen so wahnsinnig unzufrieden. Das Jahr neigt sich dem Ende zu, heute wäre Frau Dr. Brenners Geburtstag...

Es war ein scheiß Jahr. Für das, dass es so scheiße war, hab ich es ganz gut gemacht... Ich hab so viel verloren, so viele Abschiede, so viele Enttäuschungen... Ich hab immer weiter gemacht... Aber... Sie sind nach wie vor immer noch da. Immer und immer wieder holen sie mich ein. Es ist anstrengend, weiter zu machen. So zu tun, als hätte ich all das schon längst abgehakt. So zu tun, als wäre einfach nichts passiert...

Ich fahre nicht mehr zum Fußball... Der eine Abschied... Der zweite Abschied betrifft meinen Redaktionsjob. Der dritte Abschied ist von dem Chef der Redaktion, von dem ich nun mal auch menschlich sehr, sehr enttäuscht bin. Weil er so viel gesagt hat ohne es auch so zu meinen und ich jedes verdammte Wort davon mal wieder geglaubt habe. Wären wir beim vierten Abschied. Dem never ending Abschied von Johannes.

Auch da mache ich es wohl ganz gut. Ich schreibe ihm nicht. Reagiere auf nichts von ihm. Egal, was er bei mir auf FB liket oder kommentiert... Ich reagiere darauf nicht. Innerlich schon... Aber ich handle nicht. Egal, wie ich handeln würde, es wäre ihm eh scheißegal. Weil ich ihm scheißegal bin. Das habe ich verstanden. Und das muss ich mir nicht immer und immer wieder aufs Neue zeigen lassen. Wisst ihr... Vielleicht ist das irgendwie so was wie entgegengesetzt Handeln... Als Jens damals ständig eine meiner Freundinnen am Start hatte... Oder auch Johannes mit irgendwelchen Weibern auf FB gepostet hatte... Da habe ich auch ganz oft auf gefällt mir geklickt oder so. Innerlich bin ich kaputt gegangen. Aber so konnte ich mich selbst irgendwie austricksen. Gefällt mir zu klicken veränderte auch irgendwie mein Gefühl. Und wenn ich jetzt einfach nicht mehr auf ihn reagiere, dann verliert er vielleicht auch eines Tages an Wichtigkeit...

Ich wollte ihn bei FB raus schmeißen. Hatte Tage lang darüber nachgedacht und war mir so verdammt sicher... Dann bin ich auf seine Chronik... Aber ich konnte nicht drauf klicken... Auf "Freund entfernen". Das Ding ist... Ich hätte ihn gerne als Freund. Da nutzt es auch nichts, dass ich mittlerweile weiß, dass ich für ihn die unwichtigste Person seines Lebens bin...

Damals... Vor ungefähr ziemlich genau sechs Jahren... In der Nacht vor Silvester, als sich der Türkenarsch plötzlich wieder meldete... Fünf Jahre lang weinte ich wegen ihm. Er hatte zwischendrin längst eine Beziehung mit einer Anderen... Dann war er endlich wieder Single... Er meldete sich und natürlich holte ich ihn direkt ab und verbrachte die Nacht mit ihm. Am nächsten Morgen sagte er mir dann, dass ich lediglich gut genug fürs Bett sei. Ich ihm überhaupt nichts bedeute, ich noch nicht mal zu seinem Freundeskreis gehören würde... Worte, die unfassbar weh taten, aber Worte, von denen ich sofort wusste, dass sie wahr sind.
Ich fiel danach in ein unfassbar großes und tiefes Loch, aus dem mich Johannes letztendlich herausgeholt hatte, weil er so unfassbar lieb zu mir war. Mir zuhörte, mir das Gefühl gab, sehr wohl wichtig und wertvoll zu sein. Ich lag zuvor Tage lang nur im Bett, es war rund um die Uhr dunkel, ich hatte die Rolläden unten, konnte nichts mehr essen, weil der Türkenarsch es nicht lassen konnte, mir auch noch zu sagen, dass ich zu fett bin... Wusste nicht mehr, ob Tag oder Nacht ist. Wann und ob ich schlief. Ich vegetierte nur so vor mich hin. Am 2. Januar 2011 postete ich dann ein Video über Robert Enke. So lernte ich Johannes kennen. Er schrieb mich daraufhin an. Privat... Und dann schrieben wir jeden verdammten Tag. Ich antwortete anfangs nur sehr sporadisch. Dachte, er sei doch auch nur einer der Typen, die mich eh nur flachlegen wollen. Aber er blieb da. So unfassbar einfühlsam und lieb und interessiert.

Das Ding ist... Würde er mir heute solche Dinge sagen wie der Türkenarsch... Was er ja auch schon mehr oder weniger getan hat... Dass ich ihm nichts bedeutet habe, hat er auch schon gesagt... Ich kann es einfach nicht glauben. Manchmal wünschte ich, ich könnte es glauben. Damit es endlich aufhört. Damit es so ist, wie mit dem Türkenarsch. Ein tiefer Schmerz, aber danach ist es vorbei.

Wenn er mir heute sagt, dass er mich lieb hat... Was er auch schon mal getan hat... Dann glaube ich es nicht mehr. Dann weiß ich, dass es nicht stimmt. Denn dann würde er mich nicht so behandeln. Aber wie kann er über die Zeit von damals sagen, dass ich ihm nichts bedeutet habe? Nachdem er so anders zu mir war?

Hatte ich erzählt, dass ich es vergangenen Monat geschafft habe, den ehemaligen Trainer meines Fußballvereins zu treffen? Davon hatte ich über ein Jahr so sehr geträumt. So oft geträumt... Ich hatte es kauf zu hoffen gewagt, dass der Tag wirklich mal kommen würde. Dass ich ihm wirklich die Hand geben, mich bedanken und verabschieden könnte... Aber ich konnte es. Das war mir so wichtig. Er fehlt mir immer noch sehr. Aber er trainiert jetzt eine andere Mannschaft und sah sehr glücklich aus. Von daher will ich ihn gar nicht mehr zurück. Ich will, dass es ihm gut geht.

Ich weiß auch nicht, was mir helfen würde. Ich weiß, dass ich loslassen muss. Das weiß ich aber nun schon seit fast sechs Jahren... Ich bin froh, dass ich ihn nicht mehr sehen muss. Ich fahre ja nicht mehr zum Fußball... Für mich waren die Fußballspiele lange Zeit die einzige Möglichkeit, um mit ihm in Kontakt zu treten. Damals war es mir wichtig ihn zu sehen. Damals wusste ich noch nicht, wie er wirklich ist. Dass er ständig alle Weiber da abschleppt. Dass ich lange Zeit einfach nur Glück hatte, ihn nicht in flagranti zu erwischen. Aber seitdem ich davon erfahren hatte... Auch so etwas... Als ich das gehört hatte... Morgens beim Zeitungen verteilen... Völlig unerwartet und unvorbereitet... Obwohl es so abwegig war... Ich wusste sofort, dass es stimmt. Obwohl es so überhaupt nicht zu meinem Bild von ihm gepasst hatte. Für mich war er doch immer der kleine Junge, der nicht über seine Ex hinweg kam und deswegen immer abhaut, wenn es mit irgendeiner Schnecke ernst wird. Gut, das mag ja sogar so sein... Aber für mich war er halt keiner, der sich deswegen mit irgendwelchen belanglosen Bettgeschichten über Wasser hält. Wenn, dann richtig... Er war für mich einfach kein Ficker. Nicht eines von diesen dummen Arschlöchern, wie ich sie in meinem Leben zu genüge hatte... Manchmal wünschte ich, er hätte mir damals auch einfach gesagt, dass er nur ficken will. Wäre er zur rechten Zeit gekommen. Zu der Zeit wollte jeder nur mit mir ficken. Ehrlich... Und ich hab mit keinem einzigen gevögelt, sondern sie sofort gehasst und verachtet...
Jedenfalls hatte ich seitdem einfach nur Angst. Wenn ich ihn sah, dann war ich nur noch damit beschäftigt, die Weiber um ihn herum zu scannen. Machte mich ständig auf den Schmerz gefasst. Es tat jedes Mal so verdammt weh, wenn er eine seiner Schnecken im Arm hatte. Dieser unkontrollierbare Schmerz. Den man nicht abfangen konnte und wenn er erst mal da war, konnte man nichts mehr gegen ihn tun. Er war da. Stunden lang, Tage lang. Machte ein Funktionieren unmöglich. Ja, ich bin froh, dass ich das nicht mehr erleben muss.

Wie kann ich noch so sehr an einem Menschen hängen? Bei dem ich ständig nur Angst davor habe, dass er mir weh tut? Das ist doch nicht normal... Eigentlich bin ich doch froh, wenn ich ihn nicht mehr sehe. Ihm zu schreiben traue ich mich nicht mehr, aus Angst, dass er eh nicht mehr antwortet. Und ich rede von keinen Psychonachrichten. Ich könnte auch nach dem Wetter fragen... Es ist völlig egal, was ich schreibe... Das habe ich ja sogar mittlerweile verstanden... Dass es noch nicht mal unbedingt an dem Inhalt meiner Nachrichten liegen muss, wenn er plötzlich nicht mehr antwortet... Aber mir tut es weh, wenn plötzlich nichts mehr zurück kommt und er einfach nur wieder weg ist. Ja, deswegen schreibe ich einfach gar nichts mehr. Ich weiß das schon alles vom Kopf her. Das ist ja das Schlimme.

Ich bin mittlerweile so konsequent im aussortieren von Menschen. Jeder, der mir auch nur ansatzweise nicht gut tut, wird gelöscht. Und wenn es am Ende nur noch zwei Menschen in meinem Leben gibt. Aber ich werde keine Menschen mehr in meinem Leben habe, mit denen ich "kämpfen" muss. Bei den ich aufpassen muss. Die mir weh tun. Nur bei ihm... Bei ihm bin ich es nicht. Und was mir ja auch ganz klar ist... So viele andere Menschen könnten mich so behandeln wie er es tut und es wäre okay. Wahrscheinlich antworten mir ganz viele andere Menschen manchmal auch nicht... Er hatte mir damals einfach ordentlich einen mitgegeben, als er einfach ging. Ohne Vorwarnung. Eigentlich auch ohne Grund... Ich weiß bis heute nicht, was ich denn jetzt wirklich falsch gemacht habe. Was der Grund dafür war, plötzlich alles in Frage zu stellen und abzubrechen. Nachdem er auf die ganzen Partymäuse steht. Also gefühlstechnisch steht. Flachlegen tut er jede... Als ich ihm von meinen Narben auf den Armen erzählt hatte... War es das? Wusste er da, dass ich vielleicht doch sensibel bin. In den Tagen mit ihm war ich gut drauf. Mir ging es ja verdammt nochmal auch gut. Ich hatte keine Ängste oder Selbstzweifel. Ich war lustig und habe viel gelacht. Ja, ich war in der Tat glücklich. Frei...

Was ich mich auch die ganze Zeit frage... Damals als wir uns dann an meinem Geburtstag getroffen hatten im Stadion. Wir hatten uns eigentlich für die Halbzeit nochmal verabredet. Ich weiß nicht, ob er da war. Ich war zu betrunken um den Weg zu finden. Das war so ein aufregender Tag. Ich wusste nicht, ob er mich überhaupt sehen möchte. Er hatte sich nicht dazu geäußert... Und dann hatte ich so Kopfschmerzen und er meldete sich nicht. Ich nahm Tablette für Tablette und Bier für Bier zu mir... Als er schrieb, dass er in der Nähe ist und wir uns treffen könnten, falls wir uns sehen, war ich schon total betrunken... Dann kam er. Er erkannte mich nicht. Er hatte so unfassbar schöne blaue Augen. So gutmütig... Er frage mich immer wieder, ob es mir gut geht. Umarmte mich immer und immer wieder. Dann ging ich mit Alex vor ins Stadion, er telefonierte grade. Ich dachte, wir würden uns später noch sehen. Er rief mir hinterher, beendete sein Telefonat. Ich rannte ihm zurück. Er meinte, dass er nach dem Spiel direkt zurück muss. Ich sah ihn traurig an. Er meinte, dass wir uns in der Halbzeit nochmal treffen könnten. Ich weiß nicht warum... Aber in der Halbzeit war mir das Bier holen wichtiger... Kaum lief die zweite Halbzeit schrieb ich ihm eine endlos lange Nachricht, wie sehr er mir fehlt, wie sehr ich ihn vermisse. Ich hab nach dem Spiel erfahren, dass auch er total besoffen war nach dem Spiel, kaum noch stehen konnte. Gut, bei ihm nichts außergewöhnliches. Das wusste ich aber damals noch nicht und bezog es auf mich... Jedenfalls was wäre gewesen, hätten wir uns in der Halbzeit getroffen? Ich hätte ihn abschleppen können, ich hatte ein Hotelzimmer. Wie hätte unsere Geschichte dann geendet? Das Ding ist... Damals dachte ich ja noch, er ist kein Typ, der sich abschleppen lässt... Hätte ich damals gewusst, was ich heute weiß... Dann wäre ich die Treppen hoch zu ihm anstatt runter zum Bierstand gegangen.

Für ihn ist alles so, als hätten wir uns nie gekannt. Für ihn gibt es keine gemeinsame Vergangenheit. Aber ich... Ich kann einfach nicht so tun, als hätte es sie nicht gegeben. Ich kann das einfach nicht. Ich hatte auch nie so richtig die Chance, wirklich von ihm Abschied zu nehmen. Ich musste einfach irgendwann irgendwie klar kommen, damit ich ihn nicht ganz verliere. Musste irgendwie funktionieren. Aber... Dem Trainer konnte ich sagen, dass es schön ist, ihn zu sehen. Dass ich ihn so sehr vermisse. Dass es schön ist zu sehen, dass es ihm so gut geht. Johannes würde ich gerne sagen, dass er mir weh getan hat. Dass es so scheiße weh getan hat, als er damals einfach ging und mich alleine ließ. Das habe ich sogar schon gesagt. Aber außer ein Schweigen passiert ja nichts. Oder ein mal hat er geschrieben, dass ich das abhaken müsste. Wisst ihr, was ich mir wünsche? Dass er mich in den Arm nimmt und mir sagt, dass es ihm leid tut. Dass er mir nie weh tun wollte. Auch das hatte er damals mal geschrieben. Dass es ihm leid tut, dass er mir nie weh tun wollte, er es aber jetzt letztendlich doch getan hat.

Ich weiß, dass man nicht unbedingt die andere Person dazu braucht, um Abschied zu nehmen. Das ist echt... Es wird einfach nie aufhören... Jede Trennung hatte irgendwann ein Ende. Aber diese? Ich scahffe es sehr gut, ohne ihn zu leben. Belästige ihn nicht, schütze mich insoweit, dass ich auf nichts mehr eingehe, was von ihm kommt... Aber die Traurigkeit bleibt...

Was mich auch sehr beschäftigt in letzter Zeit... Was hab ich aus meinem Leben gemacht? Was habe ich erreicht? Und dann denke ich: Zu wenig. Ich weiß selbst nicht so recht, wo ich hin will und was ich für ein Ziel habe. Aber was ist, wenn ich jetzt sterbe? Fehlt da nicht noch irgendwas? Ich werde bald 35 Jahre alt... Sollte ich da nicht schon irgendwas erreicht haben?

Der Sport gibt mir auch nicht so richtig das erhoffte Selbstwertgefühl.

Ich fühle mich einfach nicht gut. Traurig. Wertlos. Klein und schwach. So ein Johannes von damals würde mir grade extrem gut tun. Aber ich brauche einen Johannes, der auch bei mir bleibt. Der die Dinge auch so meint, die er sagt. Der mich nicht anlügt. Der nicht einfach wieder geht. Jemanden, der auf mich aufpasst. Der will, dass es mir gut geht. Der mich an die Hand nimmt.

Weinen mit Kontaktlinsen geht übrigens...

Samstag, 10. Dezember 2016

Prozess

Das Loslassen von Johannes ist leider offensichtlich ein Prozess, der nicht so schnell durch ein Urteil beendet werden kann. Wer ist der Richter? Wer Kläger, wer Beklagter?

Ich mache, es ganz gut, denke ich. Schweige ihm gegenüber, reagiere auf nichts von ihm und kommentiere auch nichts. Ich sehe ja auch nichts, habe ich ja schließlich bei FB so eingestellt. Schaue nicht mehr ganz so häufig bei Whatsapp seinen Status und sein Profilbild an. Er ist da sehr kommunikativ und offen... Gibt Dinge von sich preis, die ich sonst nie erfahren würde... Er hat vor fast 3 Monaten mit dem Rauchen aufgehört zum Beispiel. Früher hätte ich ihm dazu gratuliert, nachdem ich das gelesen hatte. Heute schweige ich... Ich hab ihm vor knapp zwei Wochen wie allen anderen Kontakten meine neue Handynummer geschickt. Darauf hat er reagiert, hat erzählt, dass er gleich zum Rehasport geht... An dem Tag hatten mir viele Leute Nachrichten geschrieben. Sich für die neue Nummer bedankt, gefragt, wie es mir geht... Von jedem war ich genervt, so ein neues Handy macht genug Arbeit und dann musste ich auch noch Zeitungen verteilen... Er war der einzige, dem ich gerne geantwortet hätte. Hätte nach seinem Sport gefragt, wollte wissen, wie es ihm geht... ich hab geschwiegen... Was soll ich machen? Er ist nun mal einer der ganz wenigen Menschen, für die ich mich wirklich interessiere. Aber... Er scheißt nun mal auf mich. Will mich nicht an seinem Leben teilhaben lassen. Selbst wenn ich gefragt hätte... Hätte ich eine Antwort bekommen? Ich tue mir das nicht mehr an. Mein Schweigen ist besser auszuhalten als seines.

Letzte Woche war ich bei einem Fußballspiel. Er war auch da. Ihn hab ich nicht gesehen. Aber seine Schnecke... Ich hatte mich bei ihm in der Schnecke geirrt. Kann bei ihm ja schon mal vorkommen, gibt ja nun mal mehrere... Es ist ne Andere. Ich kenne sie nicht wirklich, habe nie mit ihr gesprochen.  Ich hab nur meine Beobachtungen... Ich hab sie auch letzte Woche wieder beobachtet. Sie zu sehen, tut weh. Mit meiner andere zunächst von mir auserkorenen Schnecke hatte ich ja weniger Probleme... Ich weiß nicht warum... Aber ich weiß, dass es weh tut, weil sie so anders ist als ich und auch als die Andere. Sie ist laut. Auffällig. Partymaus. Alles, was ich nie war und auch nie sein werde. Alleine, wie sie zurecht gemacht ist. Ein Modepüppchen, die aber irgendwie auf Fußballproll macht. Ich weiß auch nicht, schwierige Kategorie. Wisst ihr... Wäre es die Andere gewesen, die mir wenigstens so ein bisschen ähnelt... Aber sie ähnelt der einen, von der er mal erzählt hat, dass aus ihr und ihm eigentlich was Festes werden hätte sollen. Das, was damals so weh tat. Über mich sagt er schließlich, dass ich ihm nie was bedeutet habe...

Aua. Das tut immer noch weh... Ich hab seit neuestem Kontaktlinsen, darf/kann ich mit denen überhaupt heulen? Werde ich gleich wissen.

Jedenfalls... Diese Weiber bedeuten ihm alle was. Die lauten, auffälligen Weiber, die immer ach so gut drauf sind. Alkohol trinken und Partys feiern.

Es sollte mir egal sein, ich weiß... Aber da sind so viele Erinnerungen. Auch die an die gute Zeit blitzen immer wieder auf. Aber halt auch die an den Schmerz. Und davon gab es so viel. Er merkt das noch nicht mal. Und selbst wenn, dann wäre es ihm wohl egal. Weil ich ihm egal bin. Und wenn ich dann so an die gute Zeit denke... Und an die Weiber, auf die er wirklich so steht... Dann weiß ich einfach wieder, dass das einfach nicht wahr war... Er sagte damals, das war nicht ganz real. Nur virtuell. Für ihn war es wirklich nur virtuell. Jedes Gott verdammte Wort. Aber ich hab die Scheiße geglaubt, verdammt.

Ich denke seit ein paar Tagen darüber nach, ihn bei FB ganz raus zu schmeißen. Um einfach noch mal ein Zeichen zu setzen. Hab ich mit dem Chef von der Redaktion schließlich auch getan und das hatte gut getan. Der Idiot stand übrigens beim selben Spiel fast genau neben der Schnecke. Und ich hatte den Platz zuvor schon gewechselt, weil die scheiß Ultras sich plötzlich vor mir positionierten. Ach, egal...

Viel Schmerz wird mir in Zukunft so oder so erspart bleiben. Ich werde seine Schnecken nicht mehr sehen.

Wisst ihr was? Ja, es wird noch dauern, bis ein Urteil gefällt wird in diesem Prozess. Zu viele unterschiedliche Zeugenaussagen, zu viel Beweise, die sich allesamt widersprechen... Aber ich bin weder Kläger noch Beklagte, ich bin die Richterin, ich hab den Hammer in der Hand. Ich hab keine Ahnung, wie das Urteil ausfallen wird. Heute so, morgen so... Aber... Ich mache ja seit einiger Zeit viel Sport und ich bin jetzt sogar Mitglied im Fitnessstudio. Und obwohl ich heute den ganzen Tag so überhaupt keine Lust hatte. Es jetzt draußen dunkel ist... Das Ding ja aber zum Glück 24 Stunden offen hat... Packe ich jetzt mal meine Sachen und gehe ne Runde trainieren ;-) . Damit unterscheide ich mich dann wenigstens auch von seinen Liebes-Schnecken. Die sind zwar allesamt nicht fett, sondern sogar schlank, aber wirklich sportlich halt auch nicht, glaube ich. Sollen sie sich doch besaufen und Partys feiern... Ich gehe trainieren. Das tut mir und meinem Körper gut. Ich halte nach wie vor mein Wunschgewicht. Es ist ein Kampf. Ich muss sehr aufpassen. Ich esse nun mal sehr, sehr gerne und kann auch so verdammt viel essen. So ein Sättigungsgefühl existiert bei mir kaum bis gar nicht. Vor allem nicht bei Süßigkeiten. Und ich laufe ja nächstes Jahr nun mal mehrere Läufe mit. Da muss und will ich fit sein.

Und nachdem ich insgesamt über 50 Kilo verloren habe, habe ich natürlich ne Fettschürze am Bauch und auch die Oberschenkel sind nicht mega gestrafft... Das ist halt so... Und auch, wenn meine Arme mit Narben übersäht sind, so sehe ich da noch die größte Chance, sie ein wenig zu defnieren und mit Muskeln zu bepacken.

Es wird immer wieder mal weh tun. Ich will das nicht. Und ich kann nun mal auch nichts dagegen tun. Dass der Schmerz immer und immer wieder auftaucht. Er ist plötzlich da. Aber ich kann entscheiden, wie ich mit ihm umgehe. Und der kann mich jetzt mal. Seit ganzen sechs Jahren geht das jetzt schon so. Mit mir nicht mehr. Such dir jemand anderen. Mich kriegst du nicht mehr. Fick dich!

So, und jetzt ab ins Studio.

Samstag, 29. Oktober 2016

2016 - Jahr des Loslassens...

Mittlerweile ist es in der Tat so... Ich fahre nicht mehr zum Fußball. Ich habe sogar meine Auswärtsdauerkarte bereits abgegeben. So eine Auswärtsdauerkarte ist für einen Fußballfans so ziemlich das Größte, was er erhalten kann. Damit bist du einer von wenigen, die so was haben. Die Zahl liegt im dreistelligen Bereich. Ein Heimspiel habe ich in dieser Saison überhaupt noch nicht gesehen. Noch nicht mal gegen den geilsten Gegner, den man sich im Fußball überhaupt wünschen kann. Und ich bereue nichts und mir fehlt nichts. Das ist wirklich unglaublich...

Darüber könnte man ein Buch schreiben. Wie ein kleines, misshandeltes, vernachlässigtes Mädchen ganz weit weg nur noch diesen einen Fußballverein als Strohhalm des Überlebens sieht. Wie es jeden Tag daran denkt, dass sie eines Tages die ganzen, vielen Kilometer zurücklegen wird, um bei diesem Verein zu sein. Und dann, dann würde endlich alles gut werden. Es gab nicht viel, was mir damals Halt geben. Täglich war in meinen Tagebüchern davon zu lesen. Wie ich eines Tages dort leben werde. Mein Tagebuch hatte sogar den Namen meines damaligen Lieblingfußballspielers. "Hi Stefan...". Die erste Zeit hier. Die Ernüchterung. Plötzlich bei jedem Spiel dabei zu sein und dennoch nicht die Depressionen los zu werden. Dann diese Hochs. Dabei zu sein, dazu zu gehören, akzeptiert zu sein. Nachts hunderte von Kilometer auf den Autobahnen Deutschlands inmitten dieser Fußballfans, eine der größten Hymnen des Vereines läuft auf CD und man muss weinen weil man weiß, man hat es geschafft. Man ist hier. Der Redaktionsjob, die Interviews, die Nähe zu den Spielern, Trainern, Sportdirektoren. Die Sonderrechte... Siege, gegen den größsten Hassverein. Erfolge, die es zuvor Jahre lang nicht gab. Aber dann? Dann hört erst der Lieblingsspieler auf und entpuppt sich als Riesenarschloch. Dann geht der Lieblingstrainer, der einem den Fußball so nahe gebracht hat. Mit ihm hatte ich mit diesem Verein meine schönsten Momente. Ich hatte mich mit der Taktik beschäftigt. Mit Aufstellungen, mit Statistiken, mit Auswechlsungen... Wollte jeden seiner Schritte verstehen und ich verstand sie. Oft wusste ich vorher was er tut und wenn nicht, dann dachte ich über seine Entscheidungen nach. So lange, bis ich sie verstand. Ich sah und wusste so viel mehr als 95 Prozent aus der Kurve. Weil ich mich konzentrierte. Tja, und dann... Dann die Erkenntnis, dass die Ultras mittlerweile den Fußball dominieren. Nicht nur den Fußball, den ganzen Verein. Jeder kuscht vor ihnen. Egal, wie kriminell sie sind. Sie dürfen schlagen, zünden, Drogen nehmen so viel sie wollen. Nichts passiert. Ich hab zu viel Gewalt in meinem Leben erlebt, um einfach darüber hinweg sehen zu können. Und ich hasse Ungerechtigkeit. Und es ist ungerecht, wenn andere Menschen anders behandelt werden als andere. Das ist nicht fair. Nicht, wenn man doch angeblich dasselbe Ziel hat. Und jeder gleich ist.

Dieser Verein war als Kind mein Halt. Aber heute bin ich erwachsen.

Und all das, was auf den Verein zutrifft trifft im Grunde genommen auch auf Johannes zu. Ich hatte beschlossen, mich von ihm abzuwenden. Ich hab mich umgedreht... Und wisst ihr, was ich dabei festgestellt habe? Dass sich im Grunde genommen nichts verändert hat. Nichts stimmt nicht. Unser Verhältnis hat sich dadurch nicht verändert. Weil er schon längst gegangen ist. Er hat sich schon längst abgewendet. Es war auch der erste Monat seit über einem Jahr, in dem ich ihm nichts am Todestag seiner Nichte zukommen lassen habe. Ja, ich hab dran gedacht. An dem Tag. Aber ich habe keine Sekunde darüber nachgedacht, ihm was zu schicken.
Es gab einen kurzen Moment, wo ich sauer auf ihn war. Ich weiß ja, wegen welchem Mädel er Liebeskummer hat. Er hat mir den Namen nicht verraten, aber mir ist es schon lange aufgefallen. Sie ist toll, ich kenne sie. Sie ist ein gutes Mädchen. Und ich glaube, sie ist mir sogar ein bisschen ähnlich. Sie ist nicht eine von den Fickweibern. Sie ist klug, studiert, hübsch. Aber irgendwie normal. Zielstrebig. Erfolgreich. Arbeitet aber auch hart. Ich finde sie okay. Hat mit ihrem Ex ne Menge Scheiße durch, hat sie nicht verdient. Ja, ich mag sie. Wir haben nicht viel miteinander zu tun. Aber das was ich von ihr gesehen und gehört habe, gefällt mir. Zu ihr fiel mir übrigens noch eine andere Situation ein, die allerdings schon ein paar Jahre zurück liegt... Es war bei einem Auswärtsspiel, ich war alleine dort, weil ich von meinen Eltern aus anreiste und es auf dem Weg nach Hause war. Ich war wirklich völlig alleine, sah das Spiel übrigens inmitten der Ultras. Damals fand ich das noch aufregend und cool. Gesehen hatte ich nichts vom Spiel vor lauter Fahnen, aber die Stimmung war gut... Jedenfalls traf ich beim Verlassen des Stadions Johannes. Ich war alleine, er war alleine. Es war einer der wenigen Momente, in denen wir tatsächlich mal so was wie Nähe aufbauen konnten. Uns ganz normal unterhalten konnten. Er stellte Fragen... Etwas, was er seit dem Aus so gut wie nie mehr getan hat. Ja, es fand tatsächlich ein Dialog zwischen uns statt... Plötzlich hatte ich ihn in der Menschenmasse verloren, er war dann ein paar Meter vor mir. Ich dachte erst, ich gehe jetzt nicht nochmal zu ihm, ich war ja immer darum bemüht, ihm nicht mehr zu Nahe zu kommen, ihm zu zeigen, dass ich mit Distanz mittlerweile klar komme. Aber er lächelte und deutete mit einem Nicken an, dass ich kommen solle. Das tat ich. Als ich ankam, hörte ich, wie der besagte Ex von seiner neuen Perle zu ihm sagte: "Hey, die steht doch auf dich." "Die" stand ein paar Meter entfernt. War damals schon irgendwas? Hmm. Ich weiß es nicht. Kommen wir zu dem Moment, in denen er mich vor kurzem genervt hat... Immer wenn sie bei mir bei FB irgendwas liket, dann dauert es in der Regel nicht lange, dann gefällt ihm das auch. Da hätte ich ihn am liebsten mal wieder aus meiner Liste geschmissen. Mittlerweile klickt er aber auch mal ohne sie auf gefällt mir. Und findet nicht alles toll, was sie mag...

Wisst ihr, was ich gelernt habe? Man muss Entscheidungen treffen. Das habe ich mit dem Chef von der Redaktion auch getan. Er redet mittlerweile schlecht über mich. Mich ignoriert er. Ich hatte ihm sogar zum Geburtstag gratuliert... Nichts... Ich hab ihn bei FB gekickt und bei Whatsapp blockiert und es fühlt sich okay an.
Jeder hat auf mich eingeredet, ich solle meine Auswärtskarte noch behalten, vielleicht würde ich meine Einstellung in ein paar Monaten wieder ändern und dann meine Entscheidung bereuen. Tue ich nicht. Das weiß ich. Es ist vorbei. Das spüre ich. So viel mehr als bei Johannes. Da bin ich noch nicht so ganz saved. Aber das Thema Fußball ist vorbei. Ich werde nächste Woche mein restliches Guthaben für die Karte ausbezahlt bekommen. Das werden über 150 Euro sein. Ich hab mir dafür heute Laufschuhe im Wert von 140 Euro gegönnt. Die teursten Schuhe, die ich je hatte.

Ich hab mich auch schon für einen Run angemeldet im nächsten Jahr. Einen Hindernislauf durch Schlamm und Matsch ;-) . Ich hab keine Ahnung, ob ich das kann. Mich hat jemand aus der Abnehmgruppe gefragt, ob ich Lust habe mitzumachen und ich hab Ja gesagt.

Achja... Und ich hab mittlerweile wieder mein altes Gewicht wieder. Das Gewicht von dem ich dachte, ich würde es nie wieder erreichen. Ich schätze, ich bin jetzt wieder schlank. Auch wenn ich mich noch nicht richtig so fühle.

Ja, es ist einiges passiert in diesem Jahr... Aber nicht immer müssen Veränderungen schlecht sein. Ich bleibe dran was den Sport angeht. Gehe weiterhin laufen und muss endlich versuchen, auch mehr Kraftübungen miteinzubauen. Fitnessstudio ist einfach irgendwie so gar nicht meines. Ich bin ein Einzelkämpfer und mag keine Menschen um mich herum. So ist es halt. So bin ich halt.

Meinen Fußballverein konnte ich hinter mir lassen. Ohne Probleme. Bei Johannes bin ich endlich nen Schritt weiter. Leider traue ich mir noch nicht zu, zu behaupten, dass es so ganz endgültig ist. Ich bin schon so oft eingeknickt und hab ihm doch wieder geschrieben. Doch wieder seine Nähe gesucht. Bis jetzt läuft es ganz gut. Ich hab ihn bei FB so eingestellt, dass ich nichts mehr von ihm sehe. Und ich gucke auch nicht mehr bei ihm. Vorhin habe ich bei Whatsapp gesehen, dass er so ne Ultra-Kacke als Profil und Status hat... Früher hätte ich mich tierisch darüber aufgeregt... Dass ausgerechnet er einer von ihnen ist... Das Schlimme ist, er war Gründungsmitglied von diesem Gesindel. Er kann und soll machen was er will. Aber er soll nicht irgendwas von mir liken, nur weil es seine Schnecke tut. Auf so was habe ich keine Lust.

Vielleicht muss ich da auch eines Tages eine Entscheidung treffen. Und ihn entfernen. Werde ich bei FB eh demnächst tun. Da sind ja nur Fußballchaoten in meiner Liste... Mit denen habe ich doch eh nichts mehr zu tun. Naja, nicht alles auf einmal... Jetzt mache ich erstmal so weiter wie zuletzt, das war nicht so schlecht.

Dienstag, 4. Oktober 2016

Jetzt hab es selbst ich verstanden...

Ich hab lange darum gekämpft. Ein Teil in Johannes Leben zu sein. Aber er möchte es nicht. Er ignoriert mich. Schon seit Jahren. Interessiert sich einfach nicht mehr für mich. Es ist egal, was ich tue oder nicht tue. Vermutlich gehört auch er zu den Menschen, die Leute nur begrenzt in ihr Leben lassen können. So ein Mensch bin ich ja selbst. Die wenigsten dürfen auf Dauer bleiben. Es gibt nur ganz wenige Menschen, mit denen ich überhaupt kommuniziere. Mit ihm würde ich... Er aber nicht mit mir. Und er wird es auch nicht mehr wollen.

Ich hab alles versucht. Hab Monate lang die Schnauze gehalten, hab versucht, ihm in schweren Stunden beizustehen... Er möchte es nicht.

Ich hab es jetzt verstanden. Ihr wisst, wie sehr ich mir was anderes gewünscht hätte. Ich meine... Wir reden mittlerweile von fast sechs Jahren. Sechs Jahre, in denen ich versucht habe, ihm irgendwie zu zeigen, dass ich eigentlich ganz okay bin. Aber er sieht es nicht. Will es nicht sehen. Kann es nicht sehen. Was auch immer.

Und auch ich darf ihn nicht mehr sehen. Zumindest nicht mehr so, wie er damals zu mir war. Wenn man mal ehrlich ist... Seitdem ist er bis auf ein paar winzig kleine Ausnahmen ziemlich blöd zu mir. Ignoriert mich und lässt keinerlei Zweifel daran, dass ich ihm nichts bedeute.

Ich war süchtig nach dem Gefühl von damals. Und ja, natürlich wäre es toll, wenn ich so ein Gefühl nochmal erleben könnte. Das Gefühl, wichtig und wertvoll für jemanden zu sein. Etwas Besonderes zu sein. Ein Mensch zu sein, für den man sich interessiert. Aber Johannes zeigt mir doch seit dem Ende nur noch, dass ich genau das nicht mehr für ihn bin. Eigentlich zeigt er mir doch nur noch, dass ich absolut wert- und bedeutungslos bin. Für ihn. Das muss ich mir immer wieder sagen. Ja, ich habe für ihn kein Wert, das bedeutet aber nicht, dass ich generell absolut wertlos bin.

Ihr wisst, ich hab selbst nicht die beste Meinung über mich. Aber ich muss mir nicht jedes Mal diesen Korb abholen. Muss mir nicht jedes Mal reinziehen, dass es da jemanden gibt, der im Grunde genommen auf mich scheißt. Gut, er ist jetzt nicht irgendjemand.

Wie oft habe ich in den letzten sechs Jahren geschrieben, dass ich ihn jetzt loslassen werde? Ich denke, vielleicht habe ich das ja sogar schon ein Stück weit... Er hat grade Liebeskummer. Das heißt, er liebt eine Andere. Wegen mir hat er nie gelitten... Okay, er sagte damals, dass es ihm auch nicht gut gehe und dass er sich eines Tages für diese Entscheidung sicher in den Arsch beißen werde... Aber dass er wirklich traurig war? Ich weiß es nicht. Werde es auch nie erfahren. Und sollte auch nicht weiter wichtig sein. Was ich sagen wollte. Diese Tatsache, dass er eine Andere liebt, dass er sie tausend mal mehr liebt, als er es bei mir jemals getan hat, die tut nicht sonderlich weh. Eigentlich gar nicht. Das macht mich nicht traurig. Seine blöden Schnellficknummern finde ich viel schlimmer. Ein Kerl, der fähig ist zu lieben, das passt zu meinem Johannes von damals. Das erinnert mich an ihn.

Was mir eher weh tut ist die Tatsache, dass ich wirklich so wertlos für ihn bin. Was heißt, es tut weh... Es ist nichts Neues. Es fühlt sich eher so an, als hätte selbst ich es endlich verstanden. Und vor allem habe ich verstanden, dass ich daran nichts mehr ändern kann. Das Ding ist durch. Ich bin keine wichtige Person in seinem Leben und werde daran auch nichts ändern können.

Ich werde ihm nicht mehr schreiben. Werde nicht versuchen ihm zu zeigen, was für ein Mensch ich wirklich bin. Nicht mehr versuchen ihm zu zeigen, dass ich vielleicht gar nicht so kacke bin, wie er denkt.

Dieses Gefühl von damals, das war toll. Das war so groß. Man stelle sich nur mal vor, ich hätte mit so einem Gefühl aufwachsen dürfen. Hätte von meinen Eltern das Gefühl vermittelt bekommen, akzeptiert und gewollt zu sein. Was wäre aus mir geworden? Wie hätte ich mich entwickelt? Wie wäre es, wenn man so ein Selbstwertgefühl hat? Von sich selbst so überzeugt ist? Sich selbst so wertvoll fühlt. Keinerlei Zweifel daran hat, es nicht zu sein. Muss krass sein.

Johannes wird nicht der Mensch sein, der mir jemals wieder dieses Gefühl geben kann und wird. Schon gar nicht will. Also verpiss dich und mache es gut ;-).

Ich bin nicht böse auf ihn. Unsere Zeit ist einfach vorbei. Endgültig. Und auch wenn es nicht so wirklich wirken mag... Ich habe das jetzt ehrlich verstanden. Und ich bin ehrlich bereit, jetzt loszulassen. Es liegt nicht an mir. Ich bin dennoch im Rahmen meiner Möglichkeiten okay so wie ich bin. Auch wenn er das nicht so sieht. Ich bin nicht so wertlos wie er mich behandelt. Und das tut er. Ziemlich arrogant und verletzend. Und ich bin wirklich nicht so wertlos, dass ich mich auch weiterhin so behandeln lassen müsste. So toll ist er nun auch nicht. Nicht mehr. Damals war er toll. Davon ist nicht mehr viel übrig.

Ich hab mich in den letzten sechs Jahren in eine äußerst bemerkenswerte Richtung weiter entwickelt. Er nicht. Er ist bestenfalls stehen geblieben. Ich bin also die Letzte, die sich von ihm so behandeln lassen muss.

Ich... Die heute morgen die 10 Kilometer in unter einer Stunde gelaufen ist! Ich muss mich nicht mehr so behandeln lassen.

Ich weiß nicht, ob ich ihm grade alles Gute oder doch nur alles Pech der Welt wünschen soll. Eigentlich gar nichts, wenn ich ehrlich bin. Jetzt aktuell ist es mir egal, was er tut und wie es ihm geht. Für mich ändert sich dadurch eh nichts. Egal ob es ihm gut oder schlecht geht, ich bin eine der letzten Menschen, die er daran teilhaben lassen möchte. Also... Warum sollte ich mich dafür interessieren?

Ich hab das Aus von meinem Redaktionsjob überstanden. Ich hab das generelle Aus bei meinem Fußballverein überstanden. Ich hab in letzter Zeit einiges losgelassen. Da schaffe ich Johannes jetzt auch endlich. Und dann habe ich Platz für Neues.

Jörn kann mir den Johannes von damals nicht geben. Er interessiert sich auch nicht so recht für mich. Wenn ich ihm irgendwas schreibe, dann wünsche ich mir so oft, er würde nachfragen, Interesse zeigen... Tut er aber nicht. vielleicht muss ich deutlicher werden in meinen Aussagen... Bei Johannes musste ich das damals nicht. Aber Jörn ist immer für mich da wenn ich ihn brauche. Und das schon seit fast drei Jahren. Und er plant noch so viel länger mit mir. Wir haben schon unseren Urlaub für 2018 gebucht. Er bleibt bei mir. Und was nützt mir das größte Interesse an meiner Person, wenn sie doch nur für kurze Dauer ist? Gar nichts...

Soll er glücklich werden. Ist mir egal. Ich lasse mich jedenfalls nicht mehr wie den letzten Dreck behandeln. Deswegen: Tschööö!

Zeit loszulassen. Und sich vor allem nicht mehr so behandeln zu lassen. Er ist einer der Typen, der sich ständig betrinkt und dann wahllos sämtliche Schnecken flachlegt. So einer soll mein Selbstwertgefühl aufpolieren? Ernsthaft? Nee.

Freitag, 30. September 2016

Chance

Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, dass er jetzt verliebt ist und Liebeskummer hat. Ja, es bin nicht ich. Ja, eine Andere hat das geschafft, was ich mir so sehr gewünscht hatte. Und ja, es bekommt jetzt eine Andere diesen Kerl, der so verdammt toll sein kann. Tut weh? Ja, tut es...

Aber was habe ich mir denn in den letzten Jahren so sehr gewünscht? Dass ich ein mal wieder in seine Nähe kommen kann und dann zeigen kann, dass ich mittlerweile damit besser umgehen kann. Dass ich gelernt habe. Vielleicht auch zu merken, dass er ja gar nicht so toll ist. Aber ich hatte ja keine Chance dazu. Weil er mich überhaupt nicht mehr in seine Nähe gelassen hat.

Wenn ich ihm aber doch jetzt ausgerechnet bei so einer Geschichte beistehe. Liebeskummer... Ihm zuhöre, wie er von ner Anderen schwärmt, wegen ihr traurig ist... Dann ist das doch eigentlich die beste Chance. Wenn mir genau das nichts ausmacht.

Erst hatte ich ihm ziemlich doof heute Morgen geantwortet. Er ist für ein paar Tage verreist. Saufurlaub. Ich hatte ihm geraten nicht zu viel zu trinken und nicht wahllos jede Schnecke flach zu legen, davon würde es ihm auch nicht besser gehen. Ist zwar natürlich in der Tat meine Meinung, aber manches kann man ruhig auch mal für sich behalten.
Vorhin schrieb ich dann, dass er einfach so sein soll wie damals bei mir. Solle ihr das Gefühl geben, dass sie wichtig und wertvoll für ihn ist. Dann würde es schon klappen. Und wenn nicht, dann würde es definitv nicht an ihm liegen.

Ich hoffe, er lässt mich dieses Mal in seine Nähe. Mich ihm bei seinem Liebeskummer beistehen. Kann natürlich auch sein, dass er mir wieder die Türe vor der Nase zuschlägt. Und dann war es das mit meiner Chance.

Was ich mir vorhin so überlegt habe... Wir haben uns verändert seit damals... Und ich hab die größere Entwicklung von uns beiden durchgemacht. Ich war damals so kaputt. Und er war da. Aber ich bin nicht mehr so kaputt wie damals. Anders kaputt... Wer sagt denn, dass ich ihn überhaupt noch brauche? Wir passen doch schon seit Jahren nicht mehr zusammen, verstehen uns nicht mehr wirklich, finden keine gemeinsamene Ebene mehr. Was damals so perfekt war... Das ist heute nicht mehr so. Weil vor allem ich mich verändert habe. Damals habe ich nicht in sein Leben gepasst. Aber wenn man mal ehrlich ist: Würde so ein Kerl wie Johannes in mein jetziges Leben passen? Hmm.

Ich hab den Kerl so sehr geliebt. Auch jetzt weine ich. Ich weiß nicht, ob es einen Menschen gibt, der noch mehr wie ich wegen einer anderen Person geweint hat. Über so viele Jahre lang. Unvorstellbar... Er hat mir Großartiges gegeben. Etwas, was ich so sehr gesucht und gebraucht habe. Es ist natürlich immer und für jeden toll, wenn ihm jemand das Gefühl gibt, etwas ganz Besonderes zu sein. Oder etwa nicht? Aber brauche ich das denn wirklich noch so sehr?

Schaut mal... Der Verlust von meinem Redaktionsjob tut bis heute weh. So ganz bin ich auch da nicht drüber hinweg. Aber ich hab nach kurzem Liegenbleiben weitergemacht. Hab wieder mit dem Sport angefangen, konzentriere mich auf meine Ernährung und seit ein paar Tagen widme ich mich sogar der französischen Sprache wieder und versuche mein in der Steinzeit gelerntes französisch wieder aufzufrischen. Es ist nicht mein Redaktionsjob. Auch das ist anders. Aber es hindert mich zumindest daran, liegen zu bleiben.

Und mal ehrlich... Nur weil Johannes ne Schnecke hat... Was ändert sich dadurch für mich? Gar nichts. Dadurch werde ich nicht noch wertloser für ihn.

Er war da, als ich ihn gebraucht habe. Und er hat einen großartigen Job gemacht. Damals... Es hätte keinen Besseren geben können. Aber heute?

Ich verliere ihn kein weiteres Mal, er ist schon weg. Ich kann jetzt aber endlich beweisen, dass ich aus meinen Fehlern von damals gelernt habe und es besser machen. Dass ich damit umgehen kann, ihn zu verlieren. Auch, wenn ich das dieses Mal nicht tue. Was schon weg ist, kann man nicht mehr verlieren.

Es wäre wirklich gelogen wenn ich sagen würde, dass mir das überhaupt nichts ausmacht. Aber das tut mir der Verlust von meinem Redaktionsjob und dem Fußball allgemein auch. Ich hab seit Wochen kein Spiel mehr im Stadion mehr gesehen, hab mir diese Woche das größte Spiel des Jahrhunderts von Zuhause aus angeschaut... Aber der Kopf weiß, dass es besser so ist und ich versuche mein Leben anders zu füllen.

Ich bekomme das hin. Es ist nicht leicht. Wird nicht leicht. Aber eines Tages werde ich zurück blicken und wissen, dass ich den Weg gegangen bin, von dem ich dachte, ich würde ihn niemals schaffen.

Ich schaffe das. Das weiß ich. Johannes kann so süß sein, wenn er verliebt ist. Und wer weiß... Wenn sein Herz grade erstmal wieder geöffnet ist. Vielleicht fällt ja auch für mich mal wieder ein bisschen was davon ab ;-) . Ich würde ihm gerne dabei zusehen. Denn dann würde ich wissen, dass das damals nicht nur Einbildung war. ich könnte ihn ansehen und sagen: Hah, und ich hab dir damals doch was bedeutet!

Ja, das wäre das Beste. Das Allerbeste. Ich würde es endlich wissen. Wenn er zu ihr auch nur ansatzweise so ist, wie er zu mir war... Dann habe ich ihm was bedeutet. Und damit wäre ich schon zufrieden. Dann habe ich mir das nicht nur eingebildet und ich war wirklich wertvoll und wichtig für ihn. Ich hätte es nicht nur gespürt, sondern es wäre Realtiät.

Ich schaffe das.