Freitag, 30. September 2016

Chance

Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, dass er jetzt verliebt ist und Liebeskummer hat. Ja, es bin nicht ich. Ja, eine Andere hat das geschafft, was ich mir so sehr gewünscht hatte. Und ja, es bekommt jetzt eine Andere diesen Kerl, der so verdammt toll sein kann. Tut weh? Ja, tut es...

Aber was habe ich mir denn in den letzten Jahren so sehr gewünscht? Dass ich ein mal wieder in seine Nähe kommen kann und dann zeigen kann, dass ich mittlerweile damit besser umgehen kann. Dass ich gelernt habe. Vielleicht auch zu merken, dass er ja gar nicht so toll ist. Aber ich hatte ja keine Chance dazu. Weil er mich überhaupt nicht mehr in seine Nähe gelassen hat.

Wenn ich ihm aber doch jetzt ausgerechnet bei so einer Geschichte beistehe. Liebeskummer... Ihm zuhöre, wie er von ner Anderen schwärmt, wegen ihr traurig ist... Dann ist das doch eigentlich die beste Chance. Wenn mir genau das nichts ausmacht.

Erst hatte ich ihm ziemlich doof heute Morgen geantwortet. Er ist für ein paar Tage verreist. Saufurlaub. Ich hatte ihm geraten nicht zu viel zu trinken und nicht wahllos jede Schnecke flach zu legen, davon würde es ihm auch nicht besser gehen. Ist zwar natürlich in der Tat meine Meinung, aber manches kann man ruhig auch mal für sich behalten.
Vorhin schrieb ich dann, dass er einfach so sein soll wie damals bei mir. Solle ihr das Gefühl geben, dass sie wichtig und wertvoll für ihn ist. Dann würde es schon klappen. Und wenn nicht, dann würde es definitv nicht an ihm liegen.

Ich hoffe, er lässt mich dieses Mal in seine Nähe. Mich ihm bei seinem Liebeskummer beistehen. Kann natürlich auch sein, dass er mir wieder die Türe vor der Nase zuschlägt. Und dann war es das mit meiner Chance.

Was ich mir vorhin so überlegt habe... Wir haben uns verändert seit damals... Und ich hab die größere Entwicklung von uns beiden durchgemacht. Ich war damals so kaputt. Und er war da. Aber ich bin nicht mehr so kaputt wie damals. Anders kaputt... Wer sagt denn, dass ich ihn überhaupt noch brauche? Wir passen doch schon seit Jahren nicht mehr zusammen, verstehen uns nicht mehr wirklich, finden keine gemeinsamene Ebene mehr. Was damals so perfekt war... Das ist heute nicht mehr so. Weil vor allem ich mich verändert habe. Damals habe ich nicht in sein Leben gepasst. Aber wenn man mal ehrlich ist: Würde so ein Kerl wie Johannes in mein jetziges Leben passen? Hmm.

Ich hab den Kerl so sehr geliebt. Auch jetzt weine ich. Ich weiß nicht, ob es einen Menschen gibt, der noch mehr wie ich wegen einer anderen Person geweint hat. Über so viele Jahre lang. Unvorstellbar... Er hat mir Großartiges gegeben. Etwas, was ich so sehr gesucht und gebraucht habe. Es ist natürlich immer und für jeden toll, wenn ihm jemand das Gefühl gibt, etwas ganz Besonderes zu sein. Oder etwa nicht? Aber brauche ich das denn wirklich noch so sehr?

Schaut mal... Der Verlust von meinem Redaktionsjob tut bis heute weh. So ganz bin ich auch da nicht drüber hinweg. Aber ich hab nach kurzem Liegenbleiben weitergemacht. Hab wieder mit dem Sport angefangen, konzentriere mich auf meine Ernährung und seit ein paar Tagen widme ich mich sogar der französischen Sprache wieder und versuche mein in der Steinzeit gelerntes französisch wieder aufzufrischen. Es ist nicht mein Redaktionsjob. Auch das ist anders. Aber es hindert mich zumindest daran, liegen zu bleiben.

Und mal ehrlich... Nur weil Johannes ne Schnecke hat... Was ändert sich dadurch für mich? Gar nichts. Dadurch werde ich nicht noch wertloser für ihn.

Er war da, als ich ihn gebraucht habe. Und er hat einen großartigen Job gemacht. Damals... Es hätte keinen Besseren geben können. Aber heute?

Ich verliere ihn kein weiteres Mal, er ist schon weg. Ich kann jetzt aber endlich beweisen, dass ich aus meinen Fehlern von damals gelernt habe und es besser machen. Dass ich damit umgehen kann, ihn zu verlieren. Auch, wenn ich das dieses Mal nicht tue. Was schon weg ist, kann man nicht mehr verlieren.

Es wäre wirklich gelogen wenn ich sagen würde, dass mir das überhaupt nichts ausmacht. Aber das tut mir der Verlust von meinem Redaktionsjob und dem Fußball allgemein auch. Ich hab seit Wochen kein Spiel mehr im Stadion mehr gesehen, hab mir diese Woche das größte Spiel des Jahrhunderts von Zuhause aus angeschaut... Aber der Kopf weiß, dass es besser so ist und ich versuche mein Leben anders zu füllen.

Ich bekomme das hin. Es ist nicht leicht. Wird nicht leicht. Aber eines Tages werde ich zurück blicken und wissen, dass ich den Weg gegangen bin, von dem ich dachte, ich würde ihn niemals schaffen.

Ich schaffe das. Das weiß ich. Johannes kann so süß sein, wenn er verliebt ist. Und wer weiß... Wenn sein Herz grade erstmal wieder geöffnet ist. Vielleicht fällt ja auch für mich mal wieder ein bisschen was davon ab ;-) . Ich würde ihm gerne dabei zusehen. Denn dann würde ich wissen, dass das damals nicht nur Einbildung war. ich könnte ihn ansehen und sagen: Hah, und ich hab dir damals doch was bedeutet!

Ja, das wäre das Beste. Das Allerbeste. Ich würde es endlich wissen. Wenn er zu ihr auch nur ansatzweise so ist, wie er zu mir war... Dann habe ich ihm was bedeutet. Und damit wäre ich schon zufrieden. Dann habe ich mir das nicht nur eingebildet und ich war wirklich wertvoll und wichtig für ihn. Ich hätte es nicht nur gespürt, sondern es wäre Realtiät.

Ich schaffe das.

Liebeskummer

Eine Antwort, auf die Frage, was sein Whatsapp-Status zu bedeuten hat. Von Johannes.

Ich weiß nicht so recht, was mit mir innerlich passiert. Passiert überhaupt was? Zunächst war da eine Stille. In mir. So langsam beginnt sich etwas zu regen. Ich weiß nur trotzdem noch nicht so recht was.

Er ist also fähig zu lieben. Hmm. Ich glaube, dass es mir lieber so ist, wie wenn er wahllos sämtliche Schnecken flachlegt. Aber... Wird er bald in einer Beziehung sein? Das wäre das erste Mal für mich. Ich glaube, ich könnte es nicht ertragen, ihn so zu sehen. Zu sehen, wie er ist, wenn er in einer Beziehung ist. Was ist... Wenn er dann wieder genauso toll ist, wie er damals bei mir war? Wenn er so ein Arschloch ist, wie er nun mal sonst zu den ganzen Schnecken war... Ständig besoffen... Dann weiß ich, dass ich den doch gar nicht will. Aber was ist, wenn es da Eine gibt, zu der er genau so ist, wie er damals zu mir war? Wenn er immer so zu ihr ist. Nicht damit aufhört... Nicht einfach plötzlich abhaut... Ich könnte das nicht ertragen. Weil es das ist, was mir so sehr fehlt, was ich mir so sehr wünsche. Weil es das ist, was mir auch Jörn nicht geben kann. Jörn, der so viel für mich tut... Und der vor allem bei mir bleibt.

Man sollte keine Fragen stellen, wenn man gegebenenfalls mit der Antwort nicht zurecht kommt. Es zieht mir nicht komplett den Boden unter den Füßen weg. Aber ganz standhaft bleibe ich halt auch nicht. Die Beine zittern.

Naja, ich mache gleich nochmal ein bisschen Sport. Das hilft. Wieder. Mir fehlen nur noch 1,5 Kilo bis zu meinem einstigen Gewicht. Ich laufe mittlerweile die 5 Kilometer in weit unter 30 Minuten. In 25 Minuten um genau zu sein. Auch 10 Kilometer schaffe ich mittlerweile einigermaßen locker. Ich kann Liegestütze. 12 am Stück. Und Plank halte ich über 2:30 Minuten.

Er ist verliebt. Er kann lieben. Es hat jemand geschafft, ihn zu knacken. Sie muss wundervoll sein. Ich wäre so gerne diese eine Person gewesen. Ich war es nicht. Nicht wundervoll genug. Zu wertlos...

Er hat mir ja eh nie gehört... Aber jetzt ist er für immer weg. Keine Hoffnungen und Illusionen mehr. Ich war damals einfach nicht genug. Im Gegensatz zu ihr. Glückwunsch...

Mittwoch, 31. August 2016

Wenn das Undenkbare Realität wird...

Wer diesen Blog schon länger verfolgt, dem sollte es nicht entgangen sein, dass ich für meinen Fußballverein sehr viel getan habe und noch viel mehr getan hätte...

Nun... Es ist letzte Saison viel passiert,  Dinge, die ich nicht erwähnen darf, um meine Anonymität zu schützen. Gekrönt wurde das Ganze durch meinen Autoren-Aus. Ich hab in dieser noch so frischen Saison das eine oder andere Spiel live im Stadion gesehen. Bei jedem fühlte ich mich nicht gut. Beim letzten Spiel bin ich zu Hause geblieben. Und es hatte sich richtig angefühlt. Ja, mein Fanleben wird ein anderes sein in Zukunft. Von den nächsten sieben terminierten Bundesligaspielen werde ich mir lediglich eines live im Stadion anschauen. Und das auch nur aus einem einzigen Grund... Mein kleiner Schokoladen-Freund wird da auch sein. Ein Wochenende mit ihm... Da ertrage ich auch so ein Fußballstadion.

Wisst ihr... Auf der Pressetribüne... Da war es ruhig und gesittet. Seitdem ich da sitzen durfte... Seitdem weiß ich einfach, wo ich nicht mehr hin möchte, wo ich nicht mehr hingehöre. Und das ist zu dieser Fanszene. Das ist einfach nicht mehr mein Dinge. Das geschehen Dinge... Es ist einfach nicht meine Welt.

Dieser Verein war mein Leben. Er hat mich meine Kindheit überleben lassen. Als Kind dachte ich immer, wenn ich groß bin, dann ziehe ich hierhin und dann wird alles gut. So habe ich überlebt. Jetzt bin ich hier. Schon seit über fünf Jahren. Es ist merkwürdig. Wie wenn man nach über 20 Jahren merkt, dass der Partner plötzlich nicht mehr passt. Man war immer so voller Liebe, wusste, dass man zusammengehört und dann ist da plötzlich nichts mehr. Es gab noch nicht mal Streit oder es ist ganz akut etwas vorgefallen... Und trotzdem ist es vorbei.

Tja... Doch was kommt jetzt? Noch mehr Sport... Das hab ich mir ganz fest vorgenommen. Ich bin letzten Monat über 100 Kilometer gejoggt, das ist für einen Anfänger nicht so schlecht, glaube ich. Ich will jetzt noch mehr Krafttraining miteinbauen. Was heißt noch mehr? Es endlich mal konsequent durchziehen. Mir macht das keinen Spaß. Das Gefühl, dem Körper hilflos unterlegen zu sein. Sich nicht mehr halten zu können, bei den Liegestützen nicht mehr hoch zu kommen... Damit komme ich nicht klar. So Übungen, bei denen man mit Konzentration einiges wett machen kann, die liegen mir besser. Also zum Beispiel Planks... Aber wo es wirklich um Hebekraft oder so was geht... Kann ich nicht, mag ich nicht... Mein Körper wird nie für ne Bikinifigur reichen. Andererseits wiege ich derzeit so wenig wie vor zwei Jahren. Nur noch ein paar wenige Kilo, dann hab ich das Gewicht von dem alle glaubten, ich sei magersüchtig gewesen. Ja, ich kümmere mich dann halt mal um meinen Körper. Ich werde das ganze Fett nicht loswerden. Ich hab am Bauch ne Fettschürze, an den Oberschenkel auch schon leicht hängende Haut. Ich werde nie nen Vorzeige-Body bekommen. Das weiß ich. Und dennoch werde ich Grenzen überschreiten können. Dinge erreichen, die ich nie für möglich gehalten hätte. Hey, ich kann mittlerweile 10 Kilometer joggen...

Morgen wieder zur Psychologin. Langsam verstehen wir uns besser. Ich hab vor kurzem sogar über Johannes gesprochen. Und dabei bitter geheult. Es war im Grunde das erste Mal, dass ich wirklich mit jemandem über ihn gesprochen habe. Nicht nur hier geschrieben habe, sondern auch gesprochen habe. Sie hat gefragt, ob seine Weibergeschichten sich für mich anfühlen, als würde er mich betrügen. Und ja, das tut es in der Tat. Ich hab mit Jörn ja erst meine erste richtige Beziehung und der ist mir noch nie fremd gegangen, deswegen kann ich das noch nicht mal richtig beurteilen, wie es sich anfühlt. Aber ja... Ich schätze, so fühlt es sich an, wenn man betrogen wird. Und den Kerl dann ja auch noch oft in flagranti erwischt. Absurd, was? Das weiß ich selbst... Er kann vögeln mit wem er will. Aber mein Gefühl begreift das dennoch nicht. Ich werde auch ihn in Zukunft kaum noch sehen. Das ist gut so. Das Ding ist... Er wird eh immer ein Teil von mir sein. Egal, ob ich ihn sehe oder nicht. Ob er mir Nachrichten schickt oder nicht. Ob er antwortet oder nicht. Ob er auf mich scheißt oder nicht. Er hat mich so tief berührt wie noch nie jemand zuvor. Er wird ein Teil von mir bleiben. Für immer. Ob er will oder nicht.

Wisst ihr... Bei der Autoren-Geschichte... Da musste ich irgendwann eine Entscheidung fällen. Es hat mich kaputt gemacht. Dieses Gefühl, wieder versagt zu haben. Wieder nicht gut genug gewesen zu sein. Diese Hoffnung, wieder zurück zu können... Vielleicht wäre das sogar noch gegangen. Aber es wäre nie wieder so geworden wie es mal war. Und irgendwann hab ich mich dann dazu entschieden, "Nein" zu sagen. Nein zu all meinem Leiden, Nein zu einem Zurück. Auch wenn das nun mal jetzt heißt, dass ich in Zukunft kaum noch ein Fußballstadion von innen sehen werde. Die Stadien, in denen ich schon mal akkreditiert war... Wie soll ich mich denn da jemals wieder in den Gästeblock stellen, wenn ich bereits auf dem besten Platz des gesamten Stadions saß? Das geht nicht... Nicht mehr. Zu den Heimspielen gehe ich erst recht nicht mehr. Zu viele Leute, die man kennt. Zu viel Gedränge im Block. Eine zu schlechte Sicht. Zu viele Ultras, die nur Scheiße singen. Zu viele Verbrecher. Zu viele Leute, die das decken und schützen. Zu viele besoffene Menschen. Ein Trainer, dessen Konzept ich nicht verstehe. Nicht verstehen will. Weil er der Nachfolger von dem Mann ist, der mir die schönsten Jahre mit meinem Verein beschert hat. Es ging um so viel mehr als um Punkte und Tabellen. Es ging um Systeme und Aufstellungen. Um Taktik um Laufwege. Um Intelligenz. Um Perfektionismus. So fing die ganze Scheiße damals überhaupt erst an. Vor ziemlich genau einem Jahr...

Was bleibt? Die bittere Erkenntnis bzw. Bestätigung, dass ich mit Menschen einfach nicht kann. Ich mag sie nicht... Ständig sagen sie, dass mir keiner was Böses will... Und dennoch tun sie mir doch meistens nur weh. Ich mag euch nicht. Ihr macht mir Angst. Ich vertraue euch nicht. Bitte bleibt weg von mir...

Mal gucken, ob ich aus diesem Blog jetzt auch mehr einen Fitness-Blog mache. Dürft mich bei meinem Sportprogramm begleiten. Vielleicht hin und wieder ein paar Rezepte...

Ich bin traurig. Nach wie vor. Aber nicht mehr all zu sehr wegen der Redaktion... Woran ich das merke? Ich denke wieder mehr an Johannes. Heute Mittag habe ich sogar geweint, als ich daran dachte, wie er beim letzten Auswärtsspiel binnen Minuten sich ne Schnecke klar gemacht und flachgelegt hat. Auch bei ihm hatte ich mich schon so oft gegen den Schmerz und das Leid entschieden. Aber keine Chance... Das "Nein" reicht einfach nicht. Dabei könnte seines nicht lauter sein. Konnte nie lauter sein. War unüberhörbar, dafür zerstörbar. Ich denke auch wieder daran, wie ich überhaupt das erste Mal davon erfahren habe... Davon, dass er nun mal so ist, wie er ist. Morgens beim Zeitungen verteilen... Aus heiterem Himmel. Treffe ich zufällig sie, die mir erzählt, sie hätte mit ihm rumgeknutscht in dem Zug, in dem auch ich mitfuhr. Ich war so ungläubig. Das konnte nicht sein... Fragte extra nochmal nach dem Namen, mir war so, als hätte ich beim ersten Mal den Namen überhaupt nicht gehört... Beim zweiten Mal drang der Name durch. Ich war tapfer. Hörte mir die ganze Story an. Er will mit ihr schlafen, bevor sie 50 ist. Vor dem nächsten Heimspiel will er zu ihr kommen... Dieser verdammte Schmerz. Den ich in dieser Form damals zum ersten Mal durchlebte. Die Gewissheit, es nicht überleben hätte zu können, hätte ich sie in diesem Zug gesehen. Ich wusste damals doch noch gar nicht, dass er so ist. Damals war er doch nur der Junge, der nicht über seine Ex hinweg kommt. Der immer noch da sitzt und wartet, bis sie zurück kommt. Aber doch nicht der, der wahllos alle Weiber flachlegt. Ich schwöre, ich wäre gestorben in diesem Zug. Wäre tot umgefallen. Ich hätte das nicht aushalten können. Alles was ich danach gesehen habe, sehen und hören musste... Da wusste ich dann wenigstens schon, dass er so ist. Tut auch weh. Sehr weh. War oft auch kaum auszuhalten... In Zukunft werde ich es zumindest nicht mehr so oft sehen müssen... Damals, als ich all das noch nicht wusste... Ich hätte getötet, um in seiner Nähe sein zu können. Dafür, auch nur nen Funken Aufmerksamkeit von ihm erhaschen zu können. Doch seitdem hatte ich nur noch Angst vor dem Schmerz. Davor, ihn mit irgendwelchen Weibern sehen zu müssen. Angst, die gar keine Aufmerksamkeit mehr zugelassen hätte. Weil ich immer so damit beschäftigt war, ihm aus dem Weg zu gehen. Nicht zu sehr in seiner Nähe zu sein... Und dann wiederum vermisse ich manchmal diese kleinen Momente... Wenn er einfach nur meine Hand hielt und wir uns in die Augen sahen, ohne auch nur ein Wort zu sagen. Wenn er das tat, dann war es egal, wie weit entfernt wir eigentlich grade von einander waren. Wie verwirrt ich mal wieder wegen ihm war. Wenn er meine Hand hielt und mir in die Augen sah... Dann war alles vergessen. Es war wie ein zur Ruhe kommen. Wie ein auftanken. Es war schön... Diesen Moment gab es sogar noch, nachdem ich das erste Mal davon erfuhr. Oder? Ich bin mir grade nicht sicher... Doch ich glaube schon. Ich weiß es nicht. Ich glaube schon, aber kann mir grade nicht vorstellen, dass es diese Nähe nochmal gegeben haben soll, nachdem ich von all den Geschichten plötzlich wusste... Egal... Manchmal wünschte ich, ich könnte nochmal kurz andocken. Noch mal kurz auftanken. Wisst ihr noch? Damals in der Fankneipe? Mein erstes Mal ohne Alkohol. Ich stand da und war völlig überfordert. Das erste mal nüchtern. Da war plötzlich alles so anders. So voll, so laut, so beängstigend. Ich stand da und hatte wahnsinnige Angst. Meine damalige Begleitung war anderweitig beschäftigt. Stand zwar neben mir, bekam aber nichts mit. Dann kam Johannes. Er frage, wie es mir geht. Ich konnte nichts sagen. Er umarmte mich, hielt mich fest. Ganz lange. Sagte, dass er mir morgen schreibt... Und das tat er. Am nächsten Tag schrieb er mir tatsächlich eine Nachricht, ob er sich Sorgen machen müsse... Das ist so lange her... Und doch unvergessen. Er hatte auch gute Seiten. War nicht nur dieses Arschloch. Die hat er heute bestimmt auch noch... Aber halt nicht mehr für mich. Nix mehr mit andocken... Mal kurz festhalten und wieder auftanken. Heute vögelt er lieber wahllos...

Ich muss ins Bett. Wollte morgen früh laufen gehen. Eigentlich wollte ich morgen Abend gehen. Das ist meine beste Laufzeit, so gegen 20 Uhr. Da habe ich bislang meine besten Läufe absolviert. Aber Jörn kommt morgen Abend.

Dieser Verein war mein Leben... Ich wünschte, ich würde noch genauso an ihm hängen wie an Johannes. Dann wäre da wenigstens noch irgendwas... Und andererseits wünschte ich, ich könnte Johannes so einfach loslassen wie diesen Verein... Aber das Leben ist kein Wunschkonzert...

Freitag, 22. Juli 2016

Ich hasse dich so sehr

Wen? Mich natürlich...

Ich gehe echt kaputt. Ich beschimpfe mich nur noch. "Nutte" , "Fotze", "Drecksschlampe" sind dabei noch die netten Ausdrücke. Dresche auf mich ein, verpasse mir Ohrfeigen, haute mit Gegenständen auf die Oberschenkel, nehme das Küchentuch und schlage es auf alle Körperteile, die ich nur erwische.

Ich hasse mich einfach so sehr. Ich sollte einfach nur verrecken. Zack, aus und vorbei. Ich komme in dieser Welt eh nicht klar. Bin nie gut genug für irgendwas, genüge nie, reiche nie und versage immer. Das ist doch kein Leben.

Ich kann nicht mehr, ehrlich nicht. Meine Wohnung gleicht wieder der eines Messis. Ich kriege nichts mehr hin. Alles geht kaputt.

Ich will wirklich nicht mehr. Ich kann auch nicht mehr. Ich kann wirklich nicht mehr.

Kann mir nicht irgendjemand helfen? Bitte?

Ich kann nicht mehr.

Montag, 18. Juli 2016

Raus aus der Vergangenheit

Heute ist mal wieder ein sehr abwechslungsreicher Tag. Was meine Gefühle angeht...
Die letzten Tage waren lethargisch. So voller Ohnmacht. So antriebslos. Alles so sinnlos. Es war so fast schon gefühlslos. Ein schlimmer Zustand.

Dann heute Morgen... Ich musste zum Frauenarzt. Der Schatten auf meiner Gebärmutter. Ich dachte darüber nach, was ist, wenn das jetzt wirklich Krebs ist. Es sterben in letzter Zeit so viele Menschen an dieser Krankheit. Und ich dachte... Ja, es wäre okay. Um ehrlich zu sein hatte ich mir fast schon gewünscht, dass es so was in die Richtung ist. Dann hätte plötzlich alles wieder Sinn. So ein Ende kann auch Sinn ergeben. Vor allem in meinem Fall. Ich dachte darüber nach, ob ich noch war erreichen möchte. Ob ich Ziele habe. Nein. Mein Ex-Chef von der Redaktion meinte vor kurzem, dass er es schade findet, dass ich so wenig aus meinem Potenzial und meinem Leben mache... Und ja, vielleicht hat er Recht. Vielleicht ist mein Leben nicht lebenswert. Ich hab nicht wirklich was erreicht in meinem Leben, bin noch viel weiter davon entfernt, etwas erreichen zu können. Ja... Es wäre nicht schlimm, wäre so ein Leben relativ früh vorbei. Und gleichzeitig wusste ich, dass genau deswegen dieser Schatten nicht für meinen Tod verantwortlich sein wird. Ich glaube, dass mittlerweile nur noch die jungen, ambitionierten Menschen sterben. Die, die so sehr an ihrem Leben hängen, die, die von so vielen Menschen so dringend gebraucht werden. Das sind die Menschen, die sterben. Nicht solche wie ich. Und ja, der Schatten ist nicht gewachsen. Alles okay... Für den Doc...

Und dann bekam ich heute Morgen eine Sprachnachricht von meinem kleinen 6-jährigen Freund. Er sagte, dass er mich ganz doll lieb hat. Worte, die mir plötzlich so viel Kraft verliehen. Worte, die mir das erste Mal seit Tagen das Gefühl gaben, ich könne irgendwas tun, irgendwas ändern. Ich wusste natürlich nicht was. Aber zumindest dieses Gefühl zu haben, ich könnte, wenn ich denn nur wollte... Wisst ihr... Wenn so ein kleiner Knirps das zu einem sagt... Das fühlt sich einfach echt an. Ja, das hat mir sehr viel bedeutet.

Und dazu kam, dass Jörn gestern und heute sehr süß war. Er hatte sich heute Mittag rührend um den Kleinen gekümmert, hat mit ihm gespielt und mich würdig vertreten. Gestern war er joggen und Rad fahren, schrieb tausend mal, dass er mich vermisst. Auch das glaubte ich ihm. Ja, auch das fühlte sich echt an. In den letzten Stunden hatte ich nichts mehr von ihm gehört, deswegen dachte ich, ich gehe mal auf ihn zu. Mache ich sonst nie. Er ist eigentlich immer derjenige, der mir schreibt. Schreibt, dass er an mich denkt und so was. Ich hatte ihn gefragt, ob es ihm gut geht. Er rief dann an. Stand grade an der Theke um Bier zu bestellen. Ist auf einer Party... Und in dem Moment hatte mich das wieder so sehr zurück geworfen. Mich wieder so sehr von ihm entfernt.

Ich dachte heute Mittag, ich konzentriere mich jetzt einfach nur auf die Dinge, die mir gut tun. Auf Menschen, die mir gut tun. Und ja, gestern und auch heute Mittag hatte auch Jörn dazu gehört. Aber... Seht ihr... Er braucht mich nicht. Sobald er Alkohol, Party, Menschen, Lärm um sich hat, braucht er mich nicht mehr. Wegen solchen Dingen fährt er ins Trainingslager.

Für mich steht mittlerweile fest, dass das Thema Fußball für mich beendet ist. Das macht mich nicht glücklich. Ich komme in dieser Fanszene nicht mehr klar. Finde unsere Ultras zum Kotzen und die dominieren nun mal die Fanszene. Mag keine betrunkenen Menschen und beim Fußball sind umgelogen 90 Prozent der Leute besoffen. Zumindest in der Fankurve. Und dann der Trainerwechsel letzte Saison... Seitdem mag ich noch nicht mal mehr die Art Fußball zu spielen. Mich langweilt das Spiel. Durch das Schreiben hatte sich das so ein wenig relativiert. Ich durfte hin und wieder in den Pressebereich, da war ich dann zumindest mal raus aus der Fankurve und im Pressebereich ist in der Regel keiner besoffen. Und naja, natürlich musste ich mich mit der Mannschaft und sämtlichen Nachrichten rund um den Verein in den letzten Monaten beschäftigen, davon lebte die Seite. Ja, ich war gut informiert über alles. Aber nicht, der Informationen wegen, sondern einfach, um irgendwas schreiben zu können. Das ist so ähnlich wie Klettern im Klettergarten. Ich hab eigentlich totale Höhenangst. Wenn man aber in diesen Parcours weit über der Erde hängt, hat man ganz andere Sorgen als die Höhe. Dann gehts um Kraft und richtige Schritte und Tritte.

Mir tut es im Moment immer noch sehr weh, wenn ich sehe, was die Leute aus der Redaktion bei FB so posten. Hab auch alles so eingestellt, dass mir nichts mehr unvorbereitet vor die Augen kommt. Ich kann selber entscheiden, ob ich auf deren Profile gucke oder nicht. Ich bin der größte Versager darin, Dinge und Menschen zu verlieren. Loszulassen. Es ist ganz oft leicht. Meistens machen mir Abschiede überhaupt nichts aus, weil mir die meisten Dinge einfach nicht wichtig sind. Aber das war mir wichtig. Ich hatte da ziemlich viel Zeit und Energie rein gesteckt. Wollte es eigentlich nie verlieren. Aber jetzt ist es so. Und ich versuche es zu akzeptieren... Es gibt kein Zurück mehr.

Natürlich muss ich auch wieder mehr an Johannes denken. Er war damals so resolut. Für ihn war damals sofort klar, dass es für immer vorbei ist und es nie wieder ein Zurück geben wird. Das war ihm schon klar, bevor ich überhaupt von seinen Gedanken bzw. seiner Entscheidung wusste. Es war ziemlich unvorbereitet. Und das war damals sehr schwer. Für mich war damals alles so perfekt. Rundum perfekt. Es machte überhaupt keinen Sinn, dass das plötzlich vorbei ist. Das ist jetzt nicht so. Ich war zuletzt nicht mehr wirklich zufrieden. Zu viele Änderungen, die nicht mit mir abgesprochen wurden... Das Gefühl, nicht mehr als ein Zahlenlieferant zu sein. Das tat ziemlich weh. Und ich denke, das würde sich auch in Zukunft nicht ändern. Und was das Schlimmste ist. Ich hab jegliches Vertrauen verloren. In mich, dass ich das jemals gut gemacht habe. Ich war damals so voller Selbstvertrauen. Klar hatte ich Schiss vor den zig tausenden von Lesern, aber dennoch war ich halt stolz, dass man mir überhaupt so ne Aufgabe zugetraut hatte. Ging irgendwie dann doch recht unbekümmert an die Sache ran. Unbeschwert und frei. Weil ich irgendwie dran glaubte, dass der Chef an mich glaubt. Aber dem vertraue ich auch nicht mehr. Vertrauen ist nicht so mein Ding. Und ist es erstmal erschüttert... Es macht keinen Sinn mehr. Zwar sagte der Chef zu Jörn, dass er sich freuen würde, würde ich zurück kommen. Also anders wie Johannes. Aber mein Verstand sagt, dass es kein Zurück mehr gibt. Ich will nichts und niemandem mehr hinterher laufen, der mich mal abgelehnt hat.

Ja, irgendwie muss es weitergehen. Und wie gesagt, heute fühlte ich mich zum ersten Mal zumindest wieder ein kleines bisschen in der Lage. Aber Jörn hat mir heute Abend nur wieder gezeigt, dass ich mich hierbei nicht auf irgendwelche Menschen verlassen sollte. Ich brauche was anderes. Was nichts daran ändert, dass ich den Kleinen ganz doll lieb habe und für immer lieb haben werde. So einen kleinen Kumpel gibt es nur ein mal im Leben. Und ich glaube, wenn Kinder einen Menschen von so klein auf lieb haben, dann hören sie auch nicht plötzlich damit auf. Nicht, wenn sich die erwachsene Person einigermaßen vernünftig benimmt. Man hat da irgendwie einen Bonus.

Vielleicht sollte ich auch einfach wieder anfangen zu saufen. Da scheint man alles um sich herum zu vergessen. Funktioniert bei Jörn doch auch. Und es würde diese scheiß Fanszene wieder erträglicher machen...

Stattdessen suche ich was Neues. Aber was? ich dachte heute zwischenzeitlich an so einem Hundeausführjob im Tierheim. Aber... Die Hunde sind vielleicht nicht so lange da und dann bin ich grade wieder fall in love mit einem der Fellnasen und zack ist er weg. Das ist doch einfach alles Mist. Ich brauche irgendwas Beständiges in meinem Leben. Etwas, was auch einfach mal dableibt. Bei dem man nicht jeden verdammten Tag Angst haben muss, dass es heute wieder vorbei ist.

Potenzial mehr ausschöpfen... Welches denn? Ich sei so stark... Und warum bekomme ich dann nichts hin? Von einem kleinen Jungen gemocht zu werden ist wirklich großartig... Aber irgendwie... Es fühlt sich verdammt viel grade nicht gut an... Ich fühle mich so einsam und verlassen und ungeliebt. So nutzlos. So wertlos. Und die heute Morgen so kurzzeitig wieder erschienene Kraft ist auch schon wieder aufgebraucht. Vielleicht stimmen diese ganzen Attribute nun mal auch einfach? Vielleicht sollte ich sie einfach annehmen. Nicht hadern, nicht dagegen ankämpfen. Das strengt an und macht müde. Und kann man ja doch wieder nur für eine kurze ungewisse Zeit verdecken. So tun als ob... Und ein paar Wochen/Monate später ist es doch eh wieder alles derselbe Mist.

Vielleicht sollte ich auch einfach nochmal in irgendeine Klinik. Wenn ich nicht mehr zum Fußball fahre, hab ich ja Zeit. Damit würde Jörn nicht klar kommen. Aber mich fragt auch keiner, ob ich mit seinen Saufeskapaden klar komme. Ich will einfach nicht mehr. Und ja verdammt... Von mir aus hätte sich dieser scheiß Schatten verzehnfachen dürfen. Das wiederum würde nämlich dann doch wieder zu mir passen, dass ich so einen beschissenen Krebs bekomme, bei dem ich mich ständig vor fremden Menschen nackt ausziehen und betatschen lassen muss.

Wisst ihr... All diese Dinge. Ich weiß, dass mein Leben weiter geht. Dass es an mir liegt, das Beste daraus zu machen... Aber was ist das Beste? Ich will einfach nur hier liegen und warten, bis es vorbei ist. Wollte ich früher schon immer. Frau Dr. Brenner sagte damals irgendwann, dass ich dafür noch viel zu jung sei. In meinem Alter würde man sich nicht einfach ins Bett legen und sterben... Kurze Zeit darauf starb sie auf ihrem Sofa Zuhause an einem Schlaganfall... Knapp 30 Jahre älter als ich.

Ich kann mich einfach nicht schon wieder aufraffen. Immer und immer wieder von vorne anfangen. Ich kann nicht mehr. Und ich will auch nicht mehr. Und dann denke ich daran, wie mein Leben noch vor so knapp 2,5 Jahren war. Ohne diesen Redaktions-Job und ohne Jörn. Es ist nicht so, dass ich dieses Leben zurück möchte. Ich war immer alleine, hatte überhaupt keinen Kontakt zur Außenwelt. Ich will nicht sagen, dass ich damals glücklicher war. Dass mein Leben damals mehr Sinn hatte. Es hat sich viel verändernt seitdem. Ich habe Fortschritte gemacht... Aber vielleicht auch einfach zu viele Schritte. Vielleicht hab ich mich übernommen.

Ich gehe jetzt ins Bett. Es sind über 13 Jahre vergangen, seitdem Frau Dr. Brenner das zu mir gesagt hatte. Also... Ich bin 13 Jahre älter... Vielleicht ja jetzt nicht mehr zu jung...

Life sucks... Gewaltig.

Freitag, 15. Juli 2016

Nix verlernt...

Schon Jahre lang nicht mehr getan und doch hab ich es nicht verlernt...

Mich mit Süßigkeiten vollzustopfen und mir danach den Finger in den Hals zu stecken. Ich hab seit fast zwei Monaten überhaupt keine Süßigkeiten mehr gegessen, halte strikt Diät. Aber auch da habe ich kaum Erfolg. Wie so ziemlich überall in meinem Leben...

Tja, und da bin ich vorhin los in den Laden nebenan und hab alles gekauft, was ich in die Finger bekommen habe. Und hab alles davon gegessen.

Mir gehts ja seit Tagen schon nicht gut. Meine Entscheidung gegen Fußball... Soweit alles gut. Aber es ist auch eine Entscheidung gegen Gewohnheiten. Gegen Beschäftigung. Gegen irgendwie auch Sinn und Struktur.

Mittlerweile sitze ich jeden Tag hier rum und weiß nicht wohin mit mir. Nichts fühlt sich richtig an. Heute Morgen hatte sich Jörn verabschiedet. Ins Trainingslager. Facebook ist voll mit Trainingslager-Postings. Es wird in den nächsten Tagen noch viel schlimmer und noch viel mehr werden.

Es ist einfach nur so eine unfassbare Langeweile und Leere in mir. Kann mich zu nichts mehr aufraffen. Mache keinen Sport mehr, halte täglich einen Mittagsschlaf... Schlage die Zeit tot. Um am nächsten Tag genau dasselbe zu tun. Überlege, mich in einem Fitnessstudio anzumelden, verwerfe diesen Plan wieder... Kann und will mich nicht ein Jahr an etwas binden. Das funktioniert in meinem Leben nicht. Könnte sein, dass ich es in zwei Wochen schon wieder total scheiße finde. Also besorge ich mir von der Volkshochschule den Katalog. Da ist die Bindung kürzer. Ich blätter und blätter, aber auch da fühlt sich jeder Kurs falsch an. Ist doch eh alles nur eine Art Beschäftigungstherapie.

Ich hab mit diesen Autorenjob schon auch einiges verloren. Nicht nur sämtliche Privilegien. Darüber war ich mir bewusst, dass die futsch sind. Dass ich wieder einfach nur ein stinknormaler Fan sein werde. Was ich nicht möchte, weswegen ich mich ja von diesem Fußball-Zeugs distanziere. Ich hatte eine Aufgabe. Täglich. Auch wenn es so wahnsinnig anstrengend und manchmal auch wirklich viel zu anstrengend für mich war. Dieser Druck so unfassbar groß für mich war... Ständig irgendwelche Geschichten zu finden, zu schreiben, sie vor allem bei Facebook zu posten... Das war das Schlimmste. Um die 70.000 Menschen lesen das. Ich bin kein Mensch, der die Öffentlichkeit sucht. Mich wird man niemals freiwillig auf irgendeiner Bühne oder Tanzfläche finden. Schon gar nicht mit einem Mikro in der Hand. Ich wollte einfach ohne diesen Druck sein. Der hat mich kaputt gemacht. Ständig als erstes informiert zu sein, als "erstes" weiter zu informieren. Keinen falschen Quellen auf den Leim zu gehen. Keine falschen Fakten zu erwischen... Ja, das war anstrengend und manchmal kau auszuhalten. Das wollte ich los werden. Dieses 24 Stunden am Tag parat stehen, sieben Tage die Woche... Das konnte ich nicht mehr. Und dann plötzlich auch noch ständig Anweisungen zu erhalten, die ich ausführen sollte. Zu all meinem Druck.

Mir war nicht klar, wie wichtig dieser ehrenamtliche Job für mich war. Scheiß auf irgendwelche Privilegien. Er war wichtig für meinen Tagesablauf, für meine Struktur, für den Sinn.

Und jetzt? Ja, ich könnte gegebenenfalls zurück. Aber... Der Druck wäre derselbe. Und ich fühle mich dem einfach nicht gewachsen. So mies das grade auch alles ist... Dieser tägliche Druck war auch nichts. Ich hatte mir ja zunächst eine eigene Seite gebastelt. Dachte, ich schreibe einfach weiter. Nur ohne Druck. Aber es war nicht dasselbe. Auch das war nur eine Art Beschäftigungstherapie. Ich kannte mich mit dem Programm nicht sonderlich gut aus, war mit manchen Funktionenen nicht einverstanden, kam aber auch nicht weiter... Also hab ich die Seite doch wieder deaktiviert.

Ich weiß einfach nicht so recht wohin mit mir. Bin doch irgendwie nur auf der Suche nach einem Ort, an dem ich bleiben kann. An dem ich willkommen bin. An dem ich mich wohl fühle. An dem einfach mal alles okay ist... 


Montag, 11. Juli 2016

Plan- und orientierungslos

Ich weiß nicht mehr wohin mit mir. Hab keine Pläne und Ziele. Hab so viel verloren in kurzer Zeit. Weiß, dass ich für Ersatz sorgen müsste. Habe es versucht. Aber manches kann man nicht so einfach ersetzen.
Nächste Woche fahre ich nicht mit ins Trainingslager. Ich will nicht mehr in die Nähe dieses Fußballvereines. Da ist so viel mit Schmerz verbunden.

Und dann gibt es da meinen kleinen Kumpel. Der sich so sehr auf mich gefreut hatte und der jetzt so traurig ist, weil ich nicht komme. Und das wiederum macht mich so traurig. Weil ich ihn so lieb hab. Und weil ich doch so gerne Zeit mit ihm verbringe. Weil er mich lieb hat. Einfach so. Auch wenn ich so bin wie ich bin. Er hat mich einfach nur lieb. Obwohl ich ich bin. Ich hab dich lieb mein kleiner Freund... Und ich weiß wie es ist, wenn man alleine gelassen wird. Wenn man sich auf jemanden freut und der einfach nicht kommt. Ich weiß so sehr, wie du dich fühlst. Und es tut mir so leid, dass ausgerechnet ich dir jetzt diesen Schmerz zufüge.

Ich will nicht mehr zum Fußball. Das weiß ich. Aber ich weiß nicht, was ich stattdessen tun soll. Ich hab nichts mehr zu tun. Keine Aufgabe mehr. Was nicht weiter schlimm wäre. So war es vor ein paar Jahren immer. Ein Zustand den ich durchaus kenne und mit dem ich auch klar komme. Dennoch... Jetzt, wo es soweit ist... Wenn ich mich erstmal wieder an diese Langeweile und dieses Nichtstun gewöhnt habe... Komme ich da wieder raus?

Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht wohin mit mir. Jörn hatte mit dem Chef von dem Fußballdings gesprochen. Er würde sich freuen, wenn ich zurückkomme. Ich dürfte sofort zurück. Aber ich kann nicht. Ich wurde zuviel kritisiert. Mein Vertrauen ist im Arsch. Er sagt, ich hätte immer perfekt gearbeitet. Sie bräuchten mich. Das sind Worte... Ich hab sie zuletzt nicht mehr gespürt. Ich hab sie lange Zeit gespürt. Und dann war plötzlich alles anders. Ich durfte nicht mehr "frei" arbeiten. Bekam Vorgaben und Vorschriften, Anweisungen... Hätte ich die bekommen, wäre ich so gut gewesen? Ich kann das nicht mehr. Ja, es fehlt mir. Ja, ich bin deswegen sehr, sehr traurig. Ich hatte so viele Hoffnungen da reingesteckt. Wünsche und Ideen. Herzblut. Liebe. Aber ich bin kein Mensch, der gut vertrauen kann. Und wenn es einmal hinüber ist... Ich könnte nicht mehr frei arbeiten. Würde selbst nicht mehr glauben, dass es gut ist, was ich da tue. Würde alles in Frage stellen. Könnte nicht mehr frei schreiben. Ich bin kein Typ, der über Sätze nachdenkt. Über Formulierungen und Grammatik. Die Sätze kommen und sind da. Wenn ich frei bin.

Ja, es ist Scheiße. Alles ist Scheiße. Und ich hab keine Lösung. Ich weiß nicht wohin mit mir. Wo bin ich richtig? Wo gehöre ich hin? Wo darf ich sein?

Ich vermisse dich mein kleiner Freund... Da war ich frei...