Montag, 25. Mai 2015

Immer noch nicht besser

Ich bin immer noch so schlimm traurig. Und das aller Schlimmste ist, dass ich heute das endgültig letzte Spiel von meinem Lieblingsspieler verpasst habe. Ich bin da erst gar nicht hingefahren, weil ich dachte, er spielt eh nicht mehr mit. Fehlanzeige. Es war sein letztes Spiel, meine letzte Chance auf sein Trikot, und ich war nicht da.

Ich bin so traurig. Als Jörn fragte, wann wir heute telefonieren, sagte ich, dass wir lieber erst morgen telefonieren. Er fragt, ob was passiert sei. Ich sage, nichts Wichtiges. Aber ich würde ihn lieben, das sei wichtig.
Spüren tue ich es grade mal wieder nicht, aber ich will ihn beruhigen. Er ist beunruhigt. Dabei will ich ihm doch einfach nur nicht zeigen, wie traurig bin. Will sein Unverständnis nicht auch noch spüren. Will einfach alleine sein.

Ich versuche dann mal zu schlafen. Seitdem ich mich damit abgefunden habe, dass ich auch hier mit Ohropax schlafen muss, schlafe ich ein wenig besser.

Das nächste Wochenende wird genauso beziehungsunfreundlich wie das letzte. Am Freitag sind wir bei so einer Comedy-Veranstaltung. Zwar nur Jörn und ich... Naja, zwischen tausenden von Menschen halt. Und ich mag überhaupt kein Standup-Comedy. Situationskomik finde ich ganz lustig. Aber Stunden lang jemandem zuhören, der nur Müll redet? Und das dann auch noch lustig finden? Inmitten von zig tausend Menschen? Hmm. Ich hatte schon als Kind keinen Sinn für Humor. Wenn andere lachten, wusste ich oft noch nicht mal warum. Nein, ich konnte über viele Dinge nicht lachen, die andere lustig fanden. Egal.
Und am Samstag ist dann mein Albtraum schlechthin. Ich muss mit zu seiner Clique. Geburtstag feiern. Also saufen. Nichts als saufen. Also nicht ich. Ich trinke ja nicht. Würde ich trinken, hätte ich an so nem Scheiß vielleicht auch Spaß. Mein Deal mit Jörn: Ich komme nur mit, wenn er sich zusammen reißt und nur seine Alt-Cola trinkt. Keinen Schnaps. Ansonsten gehe ich. Dann kann er saufen so viel er will. Ja... Er weiß noch nichts von diesem Deal. Aber den hab ich einfach so beschlossen. Ich kann seine Clique nicht leiden und schon gar nicht im Zusammenhang mit diesen Saufveranstaltungen. Und das weiß er auch. Er kann also froh sein, wenn ich überhaupt mit komme.

Ja, ab ins Bett.

Gute Nacht...

Sonntag, 24. Mai 2015

Traurig...

Ich bin immer noch traurig darüber, dass mein Lieblingsspieler gegangen ist und ich kein Trikot bekommen habe. Jörn versteht das alles nicht. So wenig, dass ich sehr froh war, als er heute Mittag nach Hause fuhr. Ich hätte seine Anwesenheit nicht länger ertragen...

Ja, wahrscheinlich tue ich ihm schon wieder Unrecht. Aber ich bin nun mal traurig und mir dann ständig vorwerfen zu lassen, dass ich viel zu knatschig sei...

Meine Eltern haben mir schon immer gesagt, dass ich viel zu empfindlich sei... Bla, bla, bla... Lasst mich doch alle in Ruhe und lebt euer glückliches und fröhliches Leben...

Es war komisch, als er mich umarmt hat und ich nichts mehr gefühlt habe. Wie ich ihn zum Abschied küsse und auch dabei nichts spüre. Mechanisch und kalt. Er mich zig mal fragt, was denn jetzt schon wieder los ist. Ich beteuere, dass alles supi ist. Den Rest lasse ich weg. Er meine Traurigkeit doch eh nicht versteht. Mich doch eh nicht versteht. Er einfach gehen soll. Er geht... Und ich bin froh.

Das sind die Momente, in denen ich einfach alle Menschen zum kotzen finde. Wirklich ausnahmslos. Die Momente, in denen ich einfach nur alleine sein will. Weil ich nicht so sein kann, wie man mich gerne hätte. Weil ich dann so bin, wie mich eh keiner versteht. Gefangen in mir selbst.


 Ich gehe gleich ins Bett. Mag nicht mehr denken, nicht mehr fühlen, einfach nur weg sein. Morgen ausschlafen...

Diese krasse Ablehnung Jörn gegenüber heute... Dieser Mechanismus... Diese Kälte... Er hat es am wenigsten verdient...
Ich werde mich auch dieses Mal nicht entschuldigen. Ich kann nicht ausschließen, dass es immer wieder passiert. Eine Entschuldigung sollte schon darauf ausgelegt sein, dass man es nicht wieder tut. Aber ich hab das Gefühl, darauf keinen Einfluss zu haben. Ich kann ihm das auch nicht erklären, das wäre zu Psycho. Aber ich kann mich auch nicht heute für etwas entschuldigen, was ich morgen vielleicht schon wieder tue.

Es ist nur so, dass ich wirklich sehr traurig bin. Ich war so nah dran an seinem Trikot... Aber ich hab einfach mal wieder nicht zugegriffen. Ich hab mich einfach mal wieder versteckt, anstatt mich zu zeigen. Und bin dabei mal wieder übersehen worden.

Vielleicht hätte ich mich früher auch mehr zeigen müssen? Vielleicht hätten mich meine Eltern dann nicht übersehen?

Aber wenn mich jemand sieht... Mag man mich dann? Bleibt man dann bei mir? Wird es dann besser?

Ich will nicht mehr da sein :-( Nirgendwo. Und am wenigsten in mir... 


Pause!

Und man mag es kaum glauben, Johannes und ich standen relativ lange zusammen. Ich hab ihm sogar ein Bier ausgegeben. Geredet haben wir nichts. Er war nach dem Spiel zu betrunken, als dass ich mich mit sonderlich ernsthaft unterhalten hätte wollen.

Er flirtet wirklich gerne. Mit allen Frauen. Obwohl er das heute wieder direkt neben mir tat. Mit Einer, die bereits vergeben ist... Keine Ahnung, da tat es nicht weh. Weil ich das erste Mal realisierte, dass er einfach so ist. Hmm.

Ich hab viel geweint, bei der Verabschiedung meines Lieblingsspielers. Aber jetzt ist es vorbei. Er ist weg.

Ein paar Leute, wichtige Leute, wollen noch versuchen, mir doch noch ein Trikot zu besorgen. Leute, die ihn privat kennen, Leute, die nen wichtigen Job bei meinem Fußballverein haben... Klar wäre es cool ein Trikot zu haben... Aber ich hätte auch gerne gehabt, dass er es mir schenkt. Weil er es möchte... Naja... Einem geschenkten Trikot und so...

Jörn ist noch feiern. Ich hab stattdessen meinen Abschiedsbericht für meinen Lieblingsspieler geschrieben. Ohne noch mal zu recherchieren. Frei heraus. War dann plötzlich ganz einfach. Ist im Moment noch viel zu lange. Aber kürzen kann ich immer noch. Wichtig war erst mal, dass der Motor startet und es läuft. Die Feinheiten bekomme ich später in Ruhe noch hin. Abgabetermin ist erst am Dienstag.

Mein Vorbericht war okay. Kam heute Morgen online. Akzeptable Gefällt mir - Klicks, nette Kommentare, danke dafür.

So, ab ins Bett. Morgen Früh ist ein weiterer anstrengender Tag. Montag auch. Nochmal Zeitungen verteilen und den Abschiedsbericht perfektionieren.
Am Dienstag ruhe ich mich dann mal aus. Und Geschenke für meine Neffen kaufen und zur Post bringen. Es gibt also viel zu tun. Puh.

Gute Nacht ihr Lieben. Johannes haben heute mehr Zeit miteinander verbracht als die letzten drei Jahre zuvor. Gut, waren auch immer Andere noch mit dabei... Aber es war heute ein wenig entspannter. Und trotz allem mag ich diesen besoffenen Idioten nicht sonderlich. Weil ich sie alle nicht mag. Ja.


Samstag, 23. Mai 2015

Last but not least

Morgen ist also das letzte Spiel... Mein Lieblingsspieler wird verabschiedet... Ich hab schon viel geweint diese Woche deswegen. Verabschiedet hab ich mich auch... Und ich hab kein Trikot von ihm bekommen. Obwohl er es versprochen hatte... Ich bin traurig darüber dass er geht. Aber dass er sein Versprechen nicht gehalten hat... Ja, das macht mich auch sehr traurig. Ich hatte ihn anders eingeschätzt. Aber das zeigt hat mal wieder, dass ich auf die Vollpfosten mit ihren leeren Versprechen stehe. Ich kann es aber ganz gut wegstecken. Nehme es nicht sonderlich persönlich. Traurig bin ich. Oh ja, das bin ich wirklich... Ich könnte jetzt auf der Stelle schon wieder losheulen...

Ich hätte meinen Wunsch wohl öfter formulieren müssen. Auch gestern bei der Verabschiedung nochmals nachfragen sollen... Dann hätte ich vielleicht mein Ziel erreicht. So was kann ich aber sehr schlecht. Jemanden um etwas bitten. Und wenn es dann auch noch etwas ist, was mir wirklich wichtig ist... Ich hatte ihn in den letzten Monaten zwei Mal gefragt, er hatte gesagt, dass er an mich denkt... Hat er nicht getan :-( .
Und wieder einmal ist es wohl so, dass die Leute, die am lautesten schreien das meiste bekommen. Ist man ruhig, wird man überhört.
Ich weiß noch nicht, ob ich überhaupt ein Schreihals werden möchte. Hmm. Ich mag diese Menschen nicht sonderlich, sie haben mir schon viel zu viel weggenommen... Ich will von den Menschen gehört werden auch ohne zu schreien... Will auch so wahrgenommen werden... Und naja... Die richtigen Menschen werden sich doch wohl auch die Mühe geben, trotzdem hinzusehen und hinzuhören. Oder nicht?
Nichts desto trotz hätte ich in Sachen Trikot mehr für mich einstehen müssen. Ja. Ich hätte ihm mehr auf den Sack gehen müssen.

Johannes wird morgen auch da sein. Zur großen after Saison Party. Hat er schon gepostet. Dass er teilnimmt. Das hab ich nicht geliket. Weil es mir lieber wäre, er wäre nicht da. So ist es nun mal. Ich könnte morgen wirklich so ausgelassen mitfeiern. Diesen grandiosen Saisonabschluss. Das letzte Spiel ist so unwichtig, weil wir eh schon so Großes erreicht haben. Aber... Stellt euch doch mal vor, ich bin morgen völlig entspannt und gelöst und dann sehe ich ihn plötzlich mit einer seiner Schnecken. So aus heiterem Himmel und völlig unvorbereitet. So wie damals... Als er plötzlich ging... Kann er nicht zurück auf dieses Schiff? Mit all seinen Weibern? Bitte...

Apropos Bitte... Ich hab wirklich schon oft die Dinge nicht bekommen, die ich mir so sehr gewünscht habe. Ich bin da nicht all zu sehr vom Glück gesegnet. Nein, kein Selbstmitleid. Wie gesagt, das mit dem Trikot habe ich selber verkackt. Verkacke ich immer noch... Ich könnte ihm ja über Facebook nochmal schreiben, noch ist er da... Es ist einfach nicht meine Art... Neue Wege gehen, um Neues zu erreichen... Nach Johannes und Jens damals... Ich will niemanden mehr erdrücken. Nicht mehr klammern. Niemandem mehr auf den Sack gehen. Ja... Es hat halt nicht sollen sein...

Irgendwie habe ich beide Saisonziele dieses Mal verpasst. Ich wollte ein Trikot von meinem Lieblingsspieler und ich wollte mit Johannes endlich klar kommen. Beides verkackt...

Jörn ist noch draußen, feiern... Ich bin müde. Seit Tagen schlecht und wenig geschlafen. Meine Küche ist jetzt fertig, Jörn ist begeistern von der Wohnung... Aber ich fühle mich hier nicht wohl. Auch nach drei Wochen nicht. Ich fühle mich fremd. Nicht zu Hause. Zu Gast. An einem Ort, an dem es laut ist, weil ich von dem Typen über mir jeden einzelnen Schritt höre. Weil mein Sofa wackelt, wenn unten die Eingangstüre ins Schloss fällt, weil ich das Radio und den TV von dem Typen über mir hören kann. Ein Ort an dem es ständig laut ist, das ist nicht mein Zuhause.

Mein Bericht für das morgige Spiel... Erscheint auch mal wieder nicht. Aber auch das nehme ich nicht mehr sonderlich persönlich. Das ist ein Saftladen. Ehrlich. Der Eine gibt es frei, die Andere will noch ne kleine (berechtigte) Korrektur, aber kümmern tut sich dann niemand mehr drum. Ich rufe den Chef an und frage, ob ich die Korrektur eben selber vornehmen soll. Nö, macht er selber. Joar, merke ich...

Nächste Woche erscheint der Bericht über meinen Lieblingsspieler. Es fällt mir erschreckend schwer ihn zu schreiben. Ich will, dass er gut wird. Sehr gut wird. Ich weiß so viel über ihn, hab ihn schließlich die letzten Jahre ständig beobachtet... Eigentlich könnte ich seine ganze Biographie schreiben. Er ist ein Spieler, der bei den meisten keinen besonderen Status hat. Also bei den Fans. Warum? Weil auch er nie auffiel. Ruhig war, nie im Mittelpunkt stand. Ich hab ihn trotzdem gesehen. Im Gegensatz zu ihm... Ich will halt irgendwie, dass die Leute nach dem Bericht den Typen gut finden... Ja, ich setze mich zu sehr unter Druck und es läuft nicht und dann fange ich wieder an zu recherchieren. Und dann bringen Fakten und Daten meinen Schreibfluss völlig zum stocken. Ich hab ja noch bis Montag Abend Zeit. Aber das Problem ist, dass ich eigentlich gar keine Zeit habe vor lauter Fußball.

Naja, ich gehe ins Bett. Drückt mir die Daumen, dass ich Johannes morgen nicht sehe. Ich will mit nem guten Gefühl in die Sommerpause, mit nem guten Gefühl diese sensationelle Saison beenden. Traurig irgendwie... Dass ich Johannes nie wieder so erleben werde wie damals. Damals war er nicht betrunken und hatte keine anderen Weiber am Start... Ich sei seine Nummer 1, sagte er damals. Seine klare Nummer 1. Wer ist es morgen? Ich werde nur noch diesen besoffenen Idioten zu Gesicht bekommen. Schade...

Aber das ist so ein Ding... Da könnte ich noch zig Mal in den Wald schreien, dass ich diesen besoffenen Idioten nicht mehr sehen möchte. Erhören würde mich Johannes deswegen niemals.

Bei dem Trikot wäre die Chance größer gewesen. 

Nun denn. Gute Nacht ihr Lieben...

Montag, 18. Mai 2015

Nun denn...

Ich hatte Johannes am Samstag nicht gesehen. Seine Schnecke Tanja schon. Sie umarmt und mit ihr gesprochen. Ich funktioniere, lächle, umarme, gefühlslos...

Im Grunde ein Fortschritt. Ich weiß, dass sie ihn mir nicht weggenommen hat. Hmm. Er war schon vorher weg. Und auch das ist zwar richtig, aber in dem Zusammenhang mit Tanja doch auch nicht von Bedeutung. Hmm. Unser Verhältnis hatte sich vorher schon verändert. Verändert? Auf ein Minimum reduziert. Gäbe es nicht unseren Fußballverein wäre er gleich Null. Und all das ist ohne Tanja passiert.

Der Spruch von meiner Therapeutin damals, dass sich die Gefühle von Jens für mich doch nicht ändern würden, nur weil da plötzlich Madame XY in seine Kiste hüpfen darf... Bei Jens war das plausibel und stimmte. Hatte ich verstanden, konnte ich fühlen und annehmen. Hmm. Ja, auch Johannes Gefühle mir gegenüber ändern sich dadurch nicht. Aber sie lassen mich halt jedes Mal aufs Neue spüren, dass ich im Grunde genommen nichts für ihn bin.

Hmm. Ich denke darüber nach, wie es damals bei meiner Mutter war. Warum sie nichts mit mir anfangen konnte. Sie sagt ja selber, dass sie mich vernachlässigt hat. Aber ich sei halt auch immer so selbstständig gewesen und meine Brüder hätten ständig an ihrem Rockzipfel gehangen, was hätte sie denn tun sollen? Hmm. Ja, so ähnlich ist es mit Tanja auch. Tanja schreit lauter als ich. Sucht ständig seine Nähe, bietet sich an und wird im wahrsten Sinne des Wortes genommen. Hmm. Meine Mutter hätte dennoch auch für mich sorgen müssen. Es war ihr verdammter Job. Johannes hingegen nicht. Ich tue nichts dafür. Im Grunde genommen tue ich alles dafür, dass er mich wie Luft behandelt.

Denkt doch nur an das letzte Spiel. Ich schreibe ihm kurz vorher, dass ich ihn zum Kotzen finde, wenn ich ihn so sehe. So betrunken und ständig ne Schnecke am Start. Dann stehen wir uns direkt gegenüber, schauen uns an, ich mache aber keinerlei Anstalten, ihn zu begrüßen, er weiß, dass ich ihn in diesem Zustand nicht mag... Warum sollte er da auf mich zukommen?

Dieses Dauerliken seiner Sachen in den letzten Tagen hatte eine kleine Veränderung herbei geführt. Drei Sachen hat er in den letzten Tagen von mir geliket. Mehr als in dem letzten halben Jahr zuvor... So ungefährt zumindest...

Hmm. Das sind verschiedene Baustellen irgendwie grade. Ich mache hier eine tiefenpsychologische Therapie und gleichzeitig eine Verhaltenstherapie. Nur mit dem winzig kleinen Detail, dass ich keinen Psychologen habe. Hmm.

Aber scheint ja nicht so verkehrt zu sein. Mir den vergangenen Kram irgendwie zu erklären, in der Gegenwart andere Wege auszuprobieren und das Schöne ist ja ausnahmsweise mal, dass Johannes mitspielt. Ich hab während meinen stationären Phasen so viel ausprobiert von dem Zeugs was mir die Psychologen erzählt hatten. Und nie hat er drauf reagiert. Die Psychologen konnten sich sein Verhalten ja auch schon nicht mehr erklären.

Hmm. Manchmal denke ich an so Szenen mit meinen Eltern, in denen sie wirklich versucht haben, "gut" zu sein... Wie sie sich wirklich Mühe gegeben haben... Im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Ich kann darüber noch nicht schreiben, das wühlt mich irgendwie auch so total auf. Das löst irgendwelche ganz anderen Gefühle in mir aus, die ich noch gar nicht zuordnen kann. Ja, die überfordern mich im Moment noch.

Keine Ahnung... Vielleicht sind positive Gefühle für ein misshandeltes und vernachlässigtes Kind halt auch nicht so leicht? Ich meine... Als Kind war es doch sicher leichter, seine Eltern/Familie auch nicht zu lieben. Ich denke, das hat es erträglicher gemacht. Hmm. Meine Kindheit bestand meistens nur aus Flucht. Flucht vor meinen Eltern. Man kann auch innerhalb der noch so kleinsten Wohnung flüchten. Sich in seinem Zimmer vergraben, ruhig sein, nicht auffallen...

Wenn ich dann Jörns Familie sehe... Was seine Eltern ja alleine für mich alles tun... Für sie ist das alles so verständlich.

Ich weiß nicht. Es ist eine sehr schwierige Situation, die mir Angst macht. Die mich verwirrt. Wenn ich meine Eltern mit Jörns Eltern vergleiche... Dann haben meine Eltern versagt. Und das einzugestehen... Das mit Gefühl einzugestehen... Das ist ja überhaupt das Schwierige in den letzten Tagen. Schreiben und sagen konnte ich schon immer viel. Analysieren, vielleicht auch verstehen und kombinieren... Aber fühlen... fühlen konnte ich bislang nie... Ich weiß nicht, das hat was mit Wut zu tun, glaube ich. Vielleicht sogar auch Scham. Nein, ich will sie nicht anklagen oder ihnen Vorwürfe machen. Ich denke, es ist eher Scham. Schließlich musste ja schon als Kind der Schein gewahrt werden. Schein? Für mich war das nun mal alles normal. Ich schätze, mir war als Kind nicht klar, dass andere Kinder anders aufwachsen. Dieses andere Gefühl... Wenn ich daran denke, wie sie versucht haben, Dinge gut zu machen... Dieses Bemühen... Um Dinge, die für andere Eltern zur Normalität gehören... Das ist irgendwie fast schon Mitleid...

Es sind jedenfalls Gefühle, die mich überfordern. An die ich mich auch noch nicht so wirklich ran traue.

Es ist ehrlich kein schönes Gefühl, wenn man diese ganzen Szenen plötzlich spürt. Wenn Worte plötzlich weh tun. Wenn Schläge plötzlich weh tun. Wenn Tage lange Ignoranz plötzlich weh tut.

Gestern ist was Blödes passiert... Jörn und ich haben weiter Küchenschränke zusammen gebaut. Ich bin in letzter Zeit mal wieder überhaupt nicht Kritik fähig. Bin ich eh schon nur sehr begrenzt, mal halte ich es besser aus, meistens eher nicht. In letzter Zeit gar nicht. Jedenfalls musste ich Nägel in irgendeine Rückenwand hauen, Jörn wieß mich darauf hin, dass sich die Rückenwand verschiebt und ich darauf achten sollte. Das war schon zu viel. Ich bescheinigte mir selbst, zu blöd dafür zu sein und überreichte ihm wieder den Hammer. Ging in die Küche, stellte mich ans Fenster und schaute hinaus. Johannes Schnecke hätte das sicher locker hinbekommen, dachte ich. Die hätte sich nicht so dämlich angestellt. Ganz im Gegenteil... Die hätte ihm wahrscheinlich nebenbei sogar noch einen geblasen...
Ich weiß gar nicht warum... Und auch nicht wie... Irgendwas sagte mir, dass das jetzt nicht richtig ist. Johannes ist nicht hier und seine Schnecke auch nicht. Dafür ist nebenan ein ziemlich guter Typ, der sich seit Wochen den Arsch für mich und meinen Umzug aufreißt... Jörn weiß mittlerweile, wie er mich zu nehmen hat... Ich gehe zu ihm zurück, er steht auf und hält mich einfach nur fest. Kommentarlos... Eines Tages werde ich noch lernen, mich dafür zu entschuldigen... Im Moment muss mein "Zurückkommen" noch reichen...

Ich weine so unfassbar viel in den letzten Tagen. Wegen jedem Mist. Ja, ich bin sehr nah am Wasser gebaut. Hmm.

Nicht nur wegen den traurigen Dingen. Nein, auch wenn wir ein Fußballspiel gewinnen, zum Beispiel.

Jetzt gehe ich erstmal ins Bett. Ich kapituliere übrigens. Ja, ich hätte gerne auch irgendwann mal wieder ohne Ohropax geschlafen... Aber ich sterbe hier tausend Ängste, wenn ich nachts irgendein Geräusch höre. Da stehe ich senkrecht im Bett und bekomme regelrecht Panikattacken. Wenn hier schon eingebrochen wird, dann will ich wenigstens weiter schlafen können... Oder so ähnlich...

Es ist schlimm, wenn man nachts vor lauter Angst nicht schlafen kann. Auch kein schönes Gefühl...Wenn Jörn da ist, habe ich keine Angst.

Hmm. Gute Nacht.

Freitag, 15. Mai 2015

Hmm...

Der Zusammenhang zwischen Johannes und meiner Vergangenheit/Kindheit ist mir ja schon länger irgendwie klar...
Aber vorhin... Ich weiß nicht... Eigentlich denke ich ja immer bei diesem Zusammenhang: Meine Güte, das ist doch schon so lange her, kein Grund, um jetzt durchzudrehen.

Aber vorhin... Als ich so an Johannes und seine Schnecke dachte... Ich weiß nicht... Da sah ich plötzlich dieses kleine Mädchen da stehen und sah anstatt Johannes meine Mutter mit meinen Brüdern...

Und ich frage mich ernsthaft, wie etwas, was doch immer so normal war, plötzlich so scheiße weh tun kann?! Ich meine, was soll ich denn jetzt machen? Ich kann es doch nicht mehr ändern?! So war es halt. Na und? Wieso muss sich die Scheiße denn jetzt wiederholen? Und wenn sie sich schon wiederholt... Warum tut die Scheiße plötzlich so weh?!

Kann es so funktionieren? Wenn ich in dem Moment, in dem ich die Beiden sehe... Den Schmerz erstmal betäube, in dem ich Chilli fresse... Hauptsache erstmal "klar" bleiben... Und mich dann hinterher darum kümmere? Mir danach in Ruhe bewusst mache, dass das grade nichts mit dem Hier und Jetzt zu tun hat...

Ich verstehe es wirklich nicht. Das soll die Lösung meines Problems sein? Zunächst die Ursache? Und dann gegebenenfalls die Lösung? Warum jetzt? Mein Leben ist doch grade einigermaßen okay... War okay... Bis plötzlich dieser Schmerz auftrat. Wie kann etwas, was vor 33 Jahren bis keine Ahnung wann passiert ist, plötzlich weh tun?

Mir ist das alles zu Psycho.

Als ich vor fast vier Jahren keinerlei Spaß mehr am Fußball hatte, habe ich mich einweisen lassen. Nicht nur deswegen, aber unter anderem. Auch wenn ich mich überlegt irgendwo hin einweisen lassen würde, damit die das weg machen... Wie soll ich das denn Jörn erklären? Geht nicht. Ich muss das jetzt einfach irgendwie alleine schaffen. Keiner darf irgendwas merken. Johannes und seine Schnecke sind glücklich. Ich sterbe dabei... Muss aber lächeln, weil Jörn daneben steht. Wisst ihr, irgendwie dreht sich für jeden die Welt einfach weiter, während ich da stehe und sterbe. Keiner bekommt mit, dass ich immer weniger werde, gar nicht mehr da bin. Alle tun einfach das, was sie immer tun. Kein schönes Gefühl...

Oh man. Ich wünschte, das wäre ein wenig weniger Psycho. Ehrlich. Das kann man doch keinem erklären...

Wenn ihr Lust habt, könnt ihr euch ja mal die Seite angucken.  Bei diesem Gedicht habe ich Rotz und Wasser geheult...




Brief an mein“ inneres Kind“
Ich schaute hinaus auf den Horizont,
das Ende war nicht zu sehen.
Ich sah die Qualen eines Kindes,
ich hörte die Stummen Schreie des Kindes.
Ich griff nach seiner Hand,
aber konnte sie nicht erreichen.
Die traurigen Augen blickten mich an
und flehten um Hilfe.
Aber ich erreiche dich einfach nicht,
die Wellen der zeit trennen uns.
Noch einmal sehe ich in deine glasigen Augen
und begreife was passiert.
- ich sehe in meine eigenen Augen
- ich sehe in den Spiegel meiner Seele.-
Ich hatte dich vergessen, mein kleines Kind
-bitte verzeih mir!
Ich bin gegangen als du mich am dringensten brauchtest.
Ich hielt den Schmerz nicht aus,
die Demütigung
und ließ dich alleine mit der Gewalt.
Die Jahre vergingen
und endlich ist sie da die zeit,
die zeit wo ich dich wieder fand.
- Du bist ein teil von mir.
Ich werde dich beschützen,
dir Sicherheit geben,
wenn du ganz alleine bist mit dem Schmerz
der Vergangenheit.
Ich tröste Dich wenn die Tränen kommen
und sich Hoffnungslosigkeit breit macht.
Wir schaffen ihn-
den Weg der Heilung!
den Weg der Sicherheit!
den Weg in eine neues Leben!
Wir trennten uns vor 20 jahren
um zu überleben,
um dem grauen des Mißbrauchs zu entkommen.
Wir werden uns wieder vereinen
und merken, wie schön das Leben ist.
Wir werden die Liebe in unserem Umfeld spüren
und endlich auch weitergeben können!
Gemeinsam vereint werden wir nicht
mehr "überleben",
wir werden leben!!!
                                         (copyright by Nicole)  






Als ich lediglich dachte und noch nicht fühlte, da war manches leichter... Eigentlich war ich ein gutes Kind... Gehorsam, stets darum bemüht, alles richtig zu machen, keine Fehler zu machen, war angepasst, kümmerte mich um meine Brüder, konnte mich alleine beschäftigen, fiel so gut wie nie auf... Es gab nicht wirklich einen Grund, mich nicht zu mögen, versteht ihr? Verdammte Scheiße, echt :-( .
Ich hatte doch nur damals schon so schreckliche Angst. Das heißt nein, die Angst kam erst irgendwann. Ich weiß gar nicht warum und woher. Hmm. Als ich ganz klein war, war ich mutig. Bis ich etwa sechs Jahre alt war oder so. Meine Brüder hatten vor allem Angst, ich nicht. Ich ging alleine in den dunklen Keller, sie nicht. Irgendwann fing sie dann an, diese verdammte Angst. Ich weiß noch ganz genau, wann ich mich das erste Mal selbst darüber wunderte. Ich war 6 Jahre alt und saß in meinem Bus zur Vorschule. Ich musste zur Vorschule, meine Brüder wurden direkt eingeschult. Ich hörte bis zu meinem fünten Lebensjahr nichts, war dadurch "zurück geblieben", nicht auf dem selben Entwicklungsstand... Ich stand in diesem Bus, an der nächsten Haltestelle musste ich raus, aber der Busfahrer fuhr einfach dran vorbei. Und eigentlich hätte ich schon längst gerufen und mich bemerkbar gemacht, aber ich konnte nicht. Ich spürte, wie ich einfach nicht konnte. Stattdessen malte ich mir diret aus, wo die nächste Bushaltestelle ist, wie weit ich dann zu laufen habe, ob ich es noch püntklich zur Schule schaffe... So war fortan mein Leben. Und dann war da noch dieser ältere Junge, bestimmt fast 10 Jahre älter, der immer denselben Bus benutzte. Der mich immer ärgerte und schubbste. Erzählen konnte ich niemandem davon. Ich versuchte den Bus irgendwann gar nicht mehr zu benutzen, ging zu Fuß, irgendwann gabelte mich die Mutter eines Schulfreundes mit dem Auto auf und nahm mich immer öfter mit dem Auto mit. Nach der Schule "verpasste" ich immer wieder mal den Bus, so dass mich eine Lehrerin mit dem Auto nach Hause fuhr. Das war als Kind schon immer mein Schutz... Einfach zu flüchten...

Selbst so eine Kindergarten-Kacke tut plötzlich weh. Das ist über 25 Jahre her! Das tat damals doch schon nicht weh, warum tun denn dann heute?

Das hat auch schon irgendwie ein bisschen was von Heldentod... Das Glück der Anderen zu akzeptieren, während man selbst kaputt geht...

Geht dieser Zustand irgendwann vorüber? Was muss ich tun?

Nicht mehr alle Latten am Zaun

So etwas in der Art wird Johannes vermutlich denken ;-) . Schließlich like ich ja seit Tagen jeden Scheiß, den er postet, den seine Schnecke postet...

Hmm. Aber es fällt von Klick zu Klick leichter. Johannes ist viel mit Jens zusammen und unterwegs. Meine Güte... Vor zwei Jahren oder so haben sie mich Beide noch in den Wahnsinn getrieben. Bei Jens hab ich es geschafft. Im Nachhinein sogar "einfach so". Als Jens damals ging, dachte ich auch, ich bin im Arsch. Ich konnte damals keinen Schritt mehr ohne ihn gehen. Bei jedem noch so winzigen Problem bat ich ihn um Rat. Ich dachte, ich komme alleine mit gar nichts mehr klar. Ich war wirklich abhängig. Es gab damals nur zwei Möglichkeiten. Entweder ich bringe mich um oder ich versuche meine Probleme selber zu lösen. Ich entschied mich für den zweiten Weg, feierte Erfolge und gewann so meine Unabhängigkeit zurück.

Aber bei Johannes? Dieses Gefühl, das er mir damals gab... Wie soll ich mir das selber geben? Wie soll mir das überhaupt jemand nochmals geben? Dazu war nur er in der Lage. Ich weiß, dass ich im Grunde genommen nicht ihn vermisse. Im Grunde genommen muss ich nicht mit ihm abschließen, sondern akzeptieren, dass dieses Gefühl von damals weg ist und wohl nie wieder kommt. Und selbst wenn... Er wird mir dieses Gefühl doch eh nie wieder geben können, weil ich das doch überhaupt gar nie wieder zulassen würde. Dieses krasse Glücksgefühl bedeutete nun mal auch diesen krassen Schmerz. Hmm.

Morgen sehe ich ihn/sie wieder... Ich bin froh, wenn Sommerpause ist...

Virtuell zu lächeln, wenn ich sie sehe ist anders als zu lächeln, wenn ich sie real sehe. Wenn es um Gefühle geht, bin ich ein schlechter Schauspieler. Eigentlich kann ich ganz gut in irgendwelche Rollen schlüpfen, glaube ich... Aber in diesem Fall? Hmm. Ich muss noch getrocknete Chillischoten kaufen.

Ich wünschte mir wirklich, sie würden für immer auf diesem Schiff bleiben. Ich wüsste, wo sie sind und wenn sie so weit weg sind, fühle ich mich sicherer. Ich weiß ja schließlich wo sie sind. Hmm.

Schon komisch... Damals... Ich hab mich noch nie so sicher und geborgen gefühlt wie in Johannes Nähe. Noch nie und nie mehr. Und heute? Heute fühle ich mich sicherer wenn er so weit weg wie nur irgendwie möglich ist.

Ich weiß nicht... Ich hab einfach das Gefühl, mich seit Jahren im Kreis zu drehen. Irgendjemand von euch liest die alten Berichte über Johannes von vor ein paar Jahren. Und was soll ich sagen? all time the same shit. Mal ist es besser, mal schlechter, aber nie ist es gut.

Je näher morgen rückt, desto schlechter gehts mir wieder :-( . Ich werde es auch morgen nicht schaffen :-( . Ich hab gegen diesen Schmerz einfach keine Chance :-( . Egal, was ich tue oder nicht tue. Ach Scheiße :-( .

Wenn ich dann an diese Tanja denke... Wie unkompliziert sie mit ihm umgeht... Glaubt ihr, sie dürfte in seine Nähe, wenn sie so wäre wie ich? Wohl kaum... Aber ich bin einfach nicht so :-( . Ich bin leider einfach nicht so :-( .

Und dann Jörn... Das Beste war mir je passiert ist... Ich versuche, mich auf ihn zu konzentrieren... Aber immer wieder dieser Schmerz wegen Johannes :-( . Das ist einfach nicht normal, versteht ihr? Und das merke und weiß ich auch... Aber ich weiß doch einfach nicht, was ich dagegen tun kann :-( .

Ob das was mit dieser dissoziativen Persönlichkeitsstörung zu tun hat? Ich hasse dieses Stück Etwas, das einfach nicht von diesem Idioten ablässt. "Hör endlich auf, du brauchst dieses Arschloch doch nicht!"

Totales Chaos, und ich weiß einfach nicht, wie ich da raus kommen soll. Ich weiß es einfach nicht :-( . Ich kann mir dieses Gefühl von damals einfach nicht selber geben. Und schon gar nicht auf die Schnelle... Wie soll ein Mensch wie ich, der so sehr von Selbstzweifeln und Selbsthass zerfressen ist, sich plötzlich so wertvoll und liebenswert fühlen, wie ich mich damals bei Johannes gefühlt habe? Wie soll ich mich jemals wieder so wichtig und richtig wie damals fühlen? Wie?

Ich werde es jetzt die nächsten zwei Spiele mit Chilli versuchen.

Es tut schon wieder einfach nur weh :-( .

Jörn und sein Dad haben gestern wieder den ganzen Tag geopfert und versucht meine Küche aufzubauen. Der Unterbau steht. Das ist toll... Und ich bin ja auch dankbar. Und dennoch kommt dieses Gefühl nicht mal Ansatzweise an den Schmerz heran. Verschwindet, wird erdrückt...

Und das ist doch einfach nicht fair... :-(

Ich halte das nicht mehr aus :-(