Freitag, 17. April 2015

Großes, starkes Mädchen...

Ja, das bin ich.
Ich telefoniere mehrmals täglich mit der Uniklinik, unterhalte mich über Tumoren und Metastasen, Magensonden, Luftröhrenschnitte, Bestrahlungen. All das geschieht sehr abgeklärt und fast schon professionell. Klar, ich hab ja täglich damit zu tun... Den Gedanken daran, dass ich übermorgen in einer auf Krebs spezialisierte Uniklinik zu Besuch sein werde, schiebe ich weg. Mal davon ab, dass meine Mutter da liegt mit zig Schläuchen in und um ihren Kopf herum, künstlich ernährt wird, anscheinend ein total geschwollenes Gesicht hat, nicht mehr reden kann... Ein Anblick, den man nicht unbedingt sehen möchte. Sie wird nicht die Einzige sein. Da werden viele vom Krebs gezeichnete Patienten sein. Es gibt schönere Orte auf der Welt, nicht wahr?

Nicht unbedingt schöner ist Johannes. Auch ohne Krebs. Stop. Ich habe mir vorgenommen, ihm ernsthaft zu "verzeihen". Nicht seinetwegen. Nee. Der ist sich doch noch nicht mal einer Schuld bewusst. Für ihn habe ich docht total überreagiert und alles falsch verstanden. War schließlich nur virtuell und halt nicht ganz real. Seine Worte, nicht meine... Alleine wenn ich daran denke, werde ich so wütend. Könnte ich wütend werden. Stattdessen denke ich sowas wie: "Ich finde es scheiße, was du damals gemacht hast und ich werde es auch nie verstehen, aber ich verzeihe dir."
Dieser "Trick" stammt von google. Und die ersten paar Mal als ich den Satz so vor mich hingedacht habe, dachte ich auch, das ist der letzte Scheiß und bringt mal so gar nichts. Aber was soll ich tun in meiner Verzweiflung?
Ich will nicht mehr, ich hab die Schnauze voll, ehrlich. Und komischerweise fühle ich mich jetzt gar nicht mehr so extrem hilflos. Nur die ganz Starken verzeihen. Und dann auch noch solchen Idioten. Wenn ich in so besoffen mit irgendwelchen Weibern sehe oder bei Facebook so was in der Art irgendwo sehe, werde ich bestimmt das ein oder andere Mal "du verficktes Arschloch" denken. Oh ja. Aber wenn ich dann im nächsten Satz "ja, du bist ein Arschloch, aber ich verzeihe dir trotzdem, du Idiot" denke, dann relativiert sich das irgendwie wieder. Und eines Tages gelingt es mir dann vielleicht auch die Ausdrücke weg zu lassen.
Aber mein Ziel ist jetzt nun mal nicht, mit ihm eine Freundschaft fürs Leben aufzubauen. Nee, sicher nicht. Bäh. Ich will einfach, dass es nicht mehr weh tut. Und es gibt mir wirklich so ne gewisse Größe und auch Arroganz, wenn ich statt dem Schmerz erstmal denke: "Boah, bist du ein Arschloch. Egal, ich verzeihe dir trotzdem."  Warum? Weil ich es kann. Weil ich einfach groß und stark bin. Und der kleine Pisser mir gar nix mehr kann.

Sein Verhalten ist im Grunde genommen nicht zu entschuldigen. Keiner hat das Recht, mich so zu behandeln. Er hat mir weh getan. Ohne Rücksicht auf Verluste. Aber ich besitze die Größe, ihm dennoch zu verzeihen.

Dankbar bin ich da auch diesem anderen Idioten vom Fußball, der auch Reihenweise die Weiber abschleppt. Trotz Beziehung. Bei dem denke ich ja auch nur "was für ein ekelhafter Typ". Und dann ist aber auch gut. Keine Wut, kein Hass, keine Trauer.

Und ich werde niemals Applaus für diese Idioten klatschen. Nicht für Johannes und auch für keinen Anderen. Genauso wenig finde ich gut, dass er mir so weh getan hat. Aber die Einzige, die leidet, bin ich. Ich war die Einzige, die überhaupt jemals in dieser Geschichte gelitten hat. Und das ist seit über vier Jahren eine never ending story.

Der Kerl hat bestimmt seine guten Seiten. Ich dachte ja auch, ich hätte sie kennen gelernt... Und vielleicht ist er ja auch "privat" wirklich anders als beim Fußball. Vielleicht habe ich damals den privaten Johannes kennen gelernt, wer weiß das schon?
Ist auch nicht mehr wichtig.

Ich werde ihm verzeihen, weil ich es mir wert bin. Ich hab genug Stress und Sorgen in meinem Leben. Da brauche ich ihn nicht immer und immer wieder auch noch.

Ich hatte kurzzeitig überlegt, ob ich ihn bei FB wieder so einstellen soll, dass ich alles von ihm sehe und somit ständig konfrontiert werde. Aber ich will nicht.
Komisch... Als ich das mit den ganzen Frauen noch nicht wusste, wollte ich über alles informiert sein und hab mir nie irgendwas gedacht. Ich möchte es nicht. Ich will nicht wissen, was er wann mit wem tut. Ich will es einfach nicht wissen, es ist mir scheißegal. Ich gehe noch nicht mal mehr auf seine Chronik. Schon seit Wochen/Monaten nicht mehr.

So, und jetzt muss ich schlafen. Vor mir liegen unfassbar anstrengende Tage und schlafen klappt wieder nicht so doll. Jetzt bin ich müde, die Chance muss ich ergreifen.

Gute Nacht...

Mittwoch, 15. April 2015

Das Ende naht...

Bei meiner Mutter. Heute ist die große Operation. Doch bereits vor der OP kam der Anruf aus dem Krankenhaus. Es ist alles viel schlimmer als bislang angenommen. Zu viel gestreut. Oben wird sie aufgeschnitten, unten aufgeschnitten...

Hmm. Ich wusste bei Kira damals auch, dass sie stirbt. Bei meiner Mutter weiß ich es auch. Schon lange... Seit wann spreche ich davon? Da wurde die Diagnose noch gar nicht gestellt... Den Krebs hatte sie damals schon. Aber die Ärzte suchen ja heute nicht mehr. Kostet zu viel. Ich denke ernsthaft darüber nach, die "behandelnde" Ärztin zu verklagen. Hmm.

Ich bin heute wieder einigermaßen gefasst. Trotz dieser Nachrichten. Wenn so ein alter Körper und mit über 70 Jahren ist so ein Körper alt erstmal so dermaßen mit dieser Scheiße befallen ist... Kommt schon... Wer soll das überleben?

Ich werde am Samstag wieder runter fahren zu meinen Eltern. Muss ich. Bis Dienstag. Eigentlich sollte ich umziehen.

Sie macht immer so nen Mist wenn es mir überhaupt nicht passt. Ihren Schlaganfall hatte sie vor ein paar Jahren auch ein paar Tage vor meinen schriftlichen Abschlussprüfungen. Die ich dann auch mit bravour verkackt habe.

Ich weiß es nicht. Es ist komisch. Ich finde schlimm, dass sie stirbt. Aber ich sterbe irgendwie nicht. Ich finde es schlimm und traurig und so.

Aber es ist nicht so schlimm wie bei Johannes damals. So schlimm war ja eh noch überhaupt gar nie was. Verrückt eigentlich... Ja, bei ihm bin ich das erste Mal wirklich mit gestorben.

Frau Dr. Brenner war auch ganz schlimm. Und ich hab Monate lang gelitten, hab auch vieles angezweifelt, auch mein Leben irgendwie angezweifelt, war ohne sie hilflos und aufgeschmissen. Aber innerlich bin ich am Leben geblieben.

Bei Kiras Tod auch. Daran denke ich übrigens viel. Wie meine Mutter bald wieder Kira bei sich haben wird. Ich hätte Kira auch gerne wieder bei mir :-( . Das ist ein schöner Gedanke...


Scheiße, meine Zeitungen kommen gleich. Wirklich dazu in der Lage fühle ich mich nicht. Mittwoch ist ja immer sehr anstrengend. Aber vielleicht tut es mir auch ganz gut.

Sie wird sterben. So siehts aus...




Dienstag, 14. April 2015

Traurige Wut

"Ich hasse dich du Arschloch, ich dachte, ich hätte dir was bedeutet!"

Und das ist wohl echt der Knackpunkt. Ganz ehrlich, der Idiot kann vögeln mit wem er will. Das interessiert mich im Grunde genommen herzlich wenig. Aber dadurch immer wieder daran erinnert zu werden, dass ich nur ein Spielzeug für ihn war.

Das wäre ja noch nicht mal was Neues für mich. Ich war oft das Spielzeug für irgendwelche Idioten. Manchmal wollte ich es auch sein. Aber bei ihm... Ja verdammt... Ich dachte wirklich, ich würde ihm was bedeuten. Und die Tatsache, dass dem offensichtlich nicht so wahr, ie tut einfach immer noch so unfassbar weh. Ich hab ihm geglaubt, ich hab ihm vertraut.... ICH!!! Ich hab ihm nicht nur Worte anvertraut. Das tue ich mehreren. Worte und Geschichten sind für mich bedeutungslos. Geheimnisse gibt es für mich auch nicht... Ich hab ihm irgendwas viel Wertvolleres anvertraut. Und er hat es einfach nicht zu schätzen gewusst :-( .

Darüber komme ich einfach nicht hinweg. Hmm. Habe ich ihm das jemals verziehen? Hmm. Ich glaube nicht :-( . Ich glaube, ich kann das auch nicht. Habt ihr ne Ahnung, wie weh das getan hat? Wie weh das immer noch tut? Hat er sich jemals dafür entschuldigt? Ja, hat er... Direkt am Anfang. Es täte ihm leid, dass er mir jetzt doch weh getan hat, ich müsse ihm glauben, dass das nie seine Absicht war.

Verdammt, Jörn kommt gleich und ich sitze hier und heule wegen nem Anderen.

Okay. Ich versuche es. Ich werde lernen Johannes zu verzeihen. Ich hab Sascha damals verziehen und der hat mich um ne Menge Kohle gebracht. Ich hab Nicklas verziehen, dass er zeitgleich noch andere Weiber flachgelegt hat. Ich hatte dem Türkenarsch verziehen, dass ich auch für ihn fünf Jahre lang nur das Spielzeug war.

Ich hab schon so vielen Typen verziehen... Im Grunde genommen waren sie alle noch mieser als Johannes. Aber Johannes hat mich einfach am schwersten verwundet.

Aber... Seitdem ich mich an den FC Bayern München gewöhnt habe und meinen Frieden mit diesem scheiß Verein geschlossen habe, ertrage ich selbst die Schickeria besser...

Nicht für ihn... Aber für mich... Damit ich endlich in Frieden leben kann... Ohne ständigem Schmerz.

Ich werde es lernen. Ich fände es cooler, wenn er vor mir auf den Knien rutschen und um Gnade und Vergebung winseln würde. Ja, dann würde ich mich größer fühlen.
Ist bei meinem Online-Kartenspiel auch so. Ist so ein Teamspiel. Wenn meine Partner scheiße spielen, rege ich mich ganz furchtbar auf. Sobald sie sich aber entschuldigen, finde ich es gar nicht mehr so schlimm.

Ich weiß, dass dem Vergeben keine Entschuldigung voraus gehen muss. Wäre aber leichter...

Meine Mutter ist seit heute im Krankenhaus... Eine OP nach der anderen. Und in zwei Wochen ziehe ich um.

Alles ein bisschen viel für mich.

Wie lernt man zu verzeihen? Ich hab im Grunde genommen selbst meiner Mutter in den letzten Tagen verziehen. Johannes soll jetzt nicht im Sterben liegen. Vorher will ich mit ihm fertig sein.

Verdammt. Jörn kommt in ein paar Minuten. Aufstehen, lächeln, weiter gehts. The show must go on. Ever, ever, ever.

Fuck off!

Montag, 13. April 2015

Ach man...

Drei Stunden lang Zeitungen verteilt und doch nur drei Stunden lang an Johannes und an diese Tanja gedacht...
Es tut nicht mehr ganz so weh, aber egal ist es mir halt auch nicht.

Ich würde Beiden echt gerne sagen, was ich von ihnen halte. Sie fragen, ob sie es nicht erbärmlich findet, sich so dermaßen an einen so besoffenen Kerl ran zu schmeißen. Sich überhaupt so ran zu schmeißen.

Und er... Ja, ich würde ihm gerne sagen, dass ich ihn zum kotzen finde, wenn ich ihn so sehe.

Aber was würde das bringen? Ich wäre die eifersüchtige, hysterische Zicke.

Ich wünschte einfach, es wäre anders. Wenn ich ihn und sie schon nicht ändern kann. Dann wünschte ich, es wäre in mir anders. Ich will einfach nicht mehr, dass es ständig weh tut :-( .

Aber ich hab nen Plan. Und der lautet Sport. Hatte mir bei Nicklas damals ja auch geholfen. Das Problem ist nur, dass speziell diese Tanja jetzt auch keine Granate ist und die Schnecke von Nicklas damals, die war es. Optisch. Gegen die waren und sind 95% aller Frauen chancenlos. Diese Tanja hingegen ist Durchschnitt.

Hmm. Kann ich lernen, ihn als Mann zum kotzen zu finden und ansonsten aber ganz okay? Nein, ich glaube nicht. Damals bei Jens... Als er seine ganzen Schnecken hatte, was mir anfangs auch weh tat... Da sagten die Psychologen, dass das doch egal sei, das würde doch an seinen Gefühlen für mich nichts ändern. Und das plausibel. Weil ich für Jens nie eine seiner Schnecken war. Wir hatten ne andere Ebene. Mit denen stieg der lediglich in die Kiste, wir waren uns allerdings innerlich nah. Sie bekamen seinen Körper, ich sein Inneres. Ein sehr fairer Deal für mich...
Aber bei Johannes? Mal davon ab, dass ich nicht einfach eines seiner Schneckchen gewesen sein will. Wenn doch... Dann bin ich auch noch die Schnecke, die aussortiert wurde, weil sie viel zu kompliziert wurde. Egal wie ich die Geschichten drehe und wende... Aus mir wird kein Gewinner.

Ich hab gewonnen, weil ich diesen Idioten verloren habe? Hmm. Den Idioten von heute brauche ich in der Tat echt nicht.  Es ist einfach so tief in mir drin. Irgendwas ganz tief in mir drin hält einfach an ihm fest. Nicht als Partner oder so was. Was soll ich denn mit so Einem? Aber ich hab ihn halt auch mal anders kennen gelernt und das hab ich einfach noch nicht vergessen. Auch wenn es lange her ist. War es denn überhaupt real? Das ist die größte Frage von allen im Moment.

Mit Jens sind wir morgen wieder privat unterwegs. Wir haben es hinbekommen, er tut mir nicht mehr weh. Egal was er tut. Es tut nicht mehr weh.

Wie viel Sport muss ich machen, damit auch Johannes eines Tages nicht mehr weh tut? Denn das tut er. Nach wie vor... Verdammt, hört das denn nie auf? Wird und muss es denn immer und immer wieder weh tun?

Samstag, 11. April 2015

Bäh

Ich hab es schon wieder gesehen. Ihn gesehen... Johannes. Total besoffen. Nix Neues. Ich hab ihn zunächst ignoriert. So wie ich jeden besoffenen Typen ignoriere.
Er kam dann zu mir. Umarmte mich, lallte irgendwas, was ich nicht wirklich verstand. Es ging um Fußball, denke ich. War mir auch egal.
Szene vorbei.
Irgendwann sehe ich ihn wieder. Diese Tanja bei ihm. Bäh. Wie sie sich an ihn ran schmeißt. Er steht da, sie hält ihn an seinen Hüften. Die eine Hand links, die andere Hand rechts. Ich weiß nicht, was ich lächerlicher finden soll. Wen ich erbärmlicher finden soll.
Jemanden, der so besoffen ist oder jemanden, der noch nüchtern ist und es offensichtlich so nötig hat, dass sie sich an so nen besoffenen Idioten ran schmeißt.
Ich schaue mir das ein wenig an, komme zu dem Schluss, dass ich gleich kotzen muss. Mache auch die Würgegeste dazu. Weiß nicht, ob er es gesehen hat. Sie stand mit dem Rücken zu mir. Mit ihren Händen an seinen Hüften. Ich frage mich, ob man so jemanden anfasst, mit dem man noch nicht in der Kiste war. Haben sie zwischenzeitlich doch gevögelt? Hatte er sie erst abgeschossen und dann doch wieder zurück geholt? Doch wieder die Türe zumindst zu seinem Körper geöffnet? Ich würge und drehe mich um. Will es nicht sehen, will mir diese Fragen nicht stellen. Merke, wie es zwar nach wie vor irgendwie weh tut. Ja, wie es mir alles nur nicht egal ist. Aber ich merke auch, dass es nicht mehr ganz der fatale Schmerz ist, wie er schon war. Ich habe keine Todesängste mehr. Nicht mehr das Gefühl, es nicht überleben zu können.

Und dennoch... Es ist trotzdem schwer erkennen zu müssen, dass dieser Typ der Typ sein soll, den ich einfach mal so unfassbar gut fand. Der mir ein Gefühl von Zuhause geben konnte, wie es noch nie zuvor jemand konnte und kann. Und wenn ich ihn so sehe wie heute. Dann scheiße ich auf diesen Typen. Weil ich so genau weiß, dass jede ihm die Hände um die Hüften legen könnte und er würde es geil finden. ich hab auch kurz gesehen, wie sie sich irgendwie geküsst haben. Ich bin mir nicht sicher, ob er sie küssen wollte. So richtig küssen wollte oder ob es ein Abschiedskuss war. Ich bin mir noch nicht mal sicher, ob auf den Mund oder die Wange. Ich weiß, dass ich ihm eine gescheuert hätte, hätte mich so ein besoffener, ekliger Typ einfach abgeknutscht.
Er kam nach dieser Tanja dann wieder zu Jörn und mir. Sagte, dass ich mit Jörn nen Guten bekommen hätte. Ich sagte, ich weiß, den Besten, den ich bekommen hätte können. Er sagte, dass Jörn nur noch lernen müsse, so viel zu trinken er. Und ich sagte, dass er das Gott sei Dank nicht tut und nie tun wird. Zum Glück.

Hmm. Ich hab heute sogar zu ihm "Halt doch mal die Schnauze gesagt", nachdem er wirklich mit nem heiklen Thema anfing.

Hmm. Den Johannes von damals werde ich immer vermissen. Ich schwöre, das werde ich. Er hat mir das gegeben, wonach ich immer gesucht habe und wohl auch irgendwie immer suchen werde. Diese Sehnsucht, die wohl jeder in sich hat. Jeder vermutlich ne andere. Ach, keine Ahnung. Er hatte mich halt mal komplett gemacht irgendwie. Aber damals war er nüchtern. Und das war er wirklich. Kein einziges Mal betrunken. Ein Mal hatte er mir danach mitten in der Nacht in betrunkenem Zustand geschrieben. Wir hatten an dem Abend zuvor geschrieben. Ich hatte nen neuen TV und schrieb, dass alles funktioniert. Ein paar Stunden später schrieb er zurück... Warum bei mir alles funktionieren würde, bei ihm würde gar nichts mehr funktionieren. Hmm. Ich reagierte nie darauf. Doch, tat ich. Ein paar Tage später. Hmm. Ich glaubte ihm damals, dass es ihm ohne mich auch nicht gut ging. Aber irgendwie wusste ich, dass diese Worte nichts mehr ändern würden. Ja ehrlich, ich wusste es. Dass er deswegen den Schlussstrich nicht wegradieren würde. Damals glaubte ich ihm noch, dass auch er unter der "Trennung" litt. Gut, ich fragte ihn ein paar Tage später ob es ihm besser ginge. Seine Antwort, affig wie so viele andere Antworten danach: "Warum? Weil es spät war?" Ich glaube, ich erwiderte darauf nichts mehr. Er war in dem Moment wieder nicht erreichbar für mich.

Ja, es ist irgendwie nicht so leicht. Nach wie vor nicht. Okay, es wird erträglicher... Und dennoch Meilen weit entfernt von gleichgültig. Es ist nach wie ein Zwingen des Nichthinschauens. Wie bei so einem Autounfall oder so was. Ich weiß, dass ich das nicht sehen sollte. Wie er mit irgendwelchen Weibern in welcher Form auch immer rum macht. Aber warum eigentlich nicht? Weil es weh tut? Weil es mir immer wieder aus Neue zeigt, dass es den Typen aus meiner Vergangenheit nicht mehr gibt? Weil es ihn mir immer wieder ein Stückchen weiter fort zieht? Er sich dadurch immer mehr von mir entfernt? Wisst ihr was ich meine? Er wird mir dadurch irgendwie immer fremder. Rückt weiter weg. Zeigt mir immer wieder aufs Neue, dass er nicht mehr der Mensch ist, der mir so sehr fehlt.

Es ist aber auch krass zu sehen, dass er offensichtlich auf solche Weiber steht. Ich würde niemals irgendnen Kerl einfach so anfassen. Also Jörn mittlerweile natürlich schon. Aber irgendeinen Anderen? Hmm. Der dann auch noch so besoffen ist? Ich weiß nicht... Da könnte ich den Typen wohl noch so gut finden. Es wäre ein Leichtes ihn in diesem Zustand abzuschleppen. Hmm. Ach, keine Ahnung.

Dieser besoffene Typ soll mich auch nicht mögen, ich mag ihn auch nicht. Und irgendwie muss ich lernen das zu differenzieren... Wobei ich mir doch wirklich nicht mehr sicher bin, ob es diesen anderen Typen damals wirklich gab. Was ist, wenn ich mir alles nur eingebildet habe? Ich hab die ganzen Nachrichten ja nicht mehr. Vielleicht spinne ich mir ja irgendwas zusammen? Schaut euch den Kerl von heute doch mal an. Der hat doch nicht und zwar überhaupt gar nichts mit den Nachrichten und Worten von damals zu tun. Ich weiß es nicht...


Naja, ich bin müde. Jörn ist noch feiern. Ich werde wohl wieder krank. Oder doch nur Heuschnupfen? Ich weiß es nicht, ich fühle mich jedenfalls nicht besonders.

Gute Nacht.

Sonntag, 5. April 2015

Hmm

Fußball war gut heute. Wir sind so unfassbar gut geworden. Ein wahnsinns Entwicklung... Aber Fußball ist ja hier in dem Blog tabu. Schade eigentlich ;-) .

Zwischendurch habe ich ausgerechnet mit einem von Johannes Betthäschen über meine Mutter gesprochen. Bäh. Ich musste immer wieder dran denken. Während dem Gespräch. Dass sie mit Johannes... Hab überlegt, was sie hat, was ich nie hatte... Und als sie dann noch sagte, dass sie sich nen Cafe Latte holt, weil sie ja sonst keine Latte bekommt, da musste ich mir einen Johannes-Spruch schon sehr verkneifen. Die Frage danach, ob er ihr seine Latte denn nicht mehr zur Verfügung stellt... Hmm. Ja, sie ist für mich nur noch Johannes Betthäschen irgendwie. Sie war es, die mir damals den Boden unter den Füßen weggezogen hatte. Die mir die Wahrheit über ihn gesagt hatte. Die mir von diesem Fick-Date erzählte. Von den Worten, die er zu ihr sagte...

Worte, die er zu mir nie sagte. Er sagte nie zu mir, dass er mit mir Sex haben will, bevor ich 50 bin. Zu mir hat er überhaupt nie gesagt, dass er mich ficken will. Niemals... Es waren andere Worte. Dass ich ihn glücklich mache. Dass ich seine Welt grade noch nen Ticken schöner mache, als er sie eh schon findet. Dass es schwer für ihn ist, an was Anderes zu denken als an mich. Dass die Grenze an der es nicht mehr weh tun würde bei uns Beiden doch schon längst überschritten sei. Dass er um mich trauern würde, würde es mich nicht mehr geben.
Tja... Während sich die Beiden immer noch irgendwie nah sind, er jeden Scheiß von ihr liket... Ist zwischen uns nichts mehr von dem übrig, was er damals gesagt hatte. Ich würde ihm hoffentlich nie scheißegal sein.

Warum hat er mir nicht einfach gesagt, dass er mich nur flachlegen will? Wollte er ja offensichtlich nicht. Was wollte er dann? Was hatte er mit all diesen Worten bezweckt, wenn sie doch so wertlos für ihn waren? Ich kann das einfach nicht verstehen. Werde es nie verstehen.

Ich hatte vorletzte Nacht geträumt, Jörn hätte mit mir Schluss gemacht. Auch aus heiterem Himmel. Ich war irgendwie gefasst. Traurig war ich, das schon. Hmm. Ich hab gegoogelt, dieser Traum hatte weniger mit Jörn zu tun. Sondern mehr mit meiner Mutter. Loslassen der Vergangenheit. Hmm.

Es ist halt schon sehr viel im Moment. Aber ich glaube, dass es so im Moment ein guter Weg ist. Die Vergangenheit einfach mal ruhen lassen. Nicht für immer. Aber jetzt für den Moment. Es ist für mich auch ne neue Erkenntnis. Dass es mir nun mal nicht scheißegal ist, dass sie stirbt. Dass ich plötzlich so was wie "Liebe" für diese Frau empfinde. Ob das wirklich Liebe ist? Weiß ich nicht. Aber halt ein anderes Gefühl als sonst. Die Gegenwart ist krass genug im Moment. Ihr bevorstehender Tod, die damit verbundenen Gefühle. Ja, damit bin ich beschäftigt genug, da kann ich die Vergangenheit nicht auch noch gebrauchen.

Hmm. Jörn ist noch unterwegs, feiern. Ich wollte nicht. Ich ziehe mich da ja mittlerweile komplett zurück. Gehe in keine überfüllten Räume mehr, schon gar nicht, wenn sie mit betrunkenen Menschen überfüllt sind. Nee, ist nicht meins. Ich mache einfach nichts mehr, was mir nicht gut tut.

Nicklas hab ich dafür heute getroffen. Er wusste noch, dass wir vor zwei Jahren hier zusammen ein Foto gemacht haben. Wusste ich nicht mehr. Und dann fiel mir alles wieder ein. Das war kurz nach seiner Trennung, als er schon längst seine Arbeitskollegin vögelte und ich nichts von alledem wusste. Er hatte immer gesagt, dass er sich trennt und zu mir kommt. Er war komisch nach der Trennung und ich wusste nicht warum. An dem Tag flirteten wir. So wie immer. Und dennoch sah ich an diesem Tag noch in seinen Augen, dass irgendwas nicht stimmte. Seine Worte waren dieselben, seine Augen anders. Danach war ich blind. Es war ne krasse Zeit. Und dennoch... Obwohl mir Nicklas auch ordentlich einen eingeschenkt hat ist es zwischen uns wieder unkompliziert. Aber bei ihm wusste ich immer, dass es ein Spiel ein Feuer ist. Ich hätte ihn schon abschleppen können, als er nocht mit seiner jetzigen aufgewärmten Ex zusammen war. Ich hab ihn damals nie mitgenommen. Ich wusste, dass ich mit den Konsequenzen nicht klar kommen würde. Ich hätte ihn nicht einfach wieder gehen lassen können.
Ja, ich wusste einfach immer, dass ein Arschloch in ihm steckt. Alles was danach kam, war nur noch eine Bestätigung. Aus einem Arschloch wurde ein rießen Arschloch.

Johannes hingegen... Es geht einfach in die komplett andere Richtung. Von Eigenschaften, die ich so unglaublich gut fand, zu Eigenschaften, die ich so sehr hasse und verurteile. Von meinem Lieblingsessen zu meinem absoluten Hassessen. Von meinem Lieblingsfußballverein zu meinem absoluten Hassverein.
Hmm. Klingt nach schwarz-weiß? Ich bin Borderliner, ich darf und muss das ;-) . Nein. Ich sehe nicht gerne schwarz-weiß und weigere mich auch, das anzunehmen. Es ist einfach defacto so, dass nicht mehr viel von dem Kerl von damals übrig ist. Ich sehe ihn nicht mehr. Es ist einfach nichts mehr da von dem, was mich fasziniert hat. Was ich so von ihm mitbekomme... Klar dichte ich ihm mittlerweile wirklich mit jeder Frau irgendein Verhältnis an. Egal, welchen Beziehungsstatus sie hat, ob sie schön oder weniger schön ist, ob sie alt oder jung ist... Völlig egal. Er hatte mit jeder was. Mit mir hatte er auch nie was. Und das ist irgendwie echt das Schlimmste. Andere können wenigstens sagen: "Ich hatte mal was mit ihm." Was soll ich denn sagen? "Wir haben mal ein paar Worte miteinander gewechselt." Sagte er danach ja selbst. War doch nur virtuell und halt nicht ganz real. Seht ihr, diese Fickereien bedeuten ihm viel mehr als irgendwelche Worte... So ein Fick ist schließlich real. Worte hingegen bedeutungslos.

Ich glaube, sie ist schlanker als ich. Ich bin wieder ziemlich fett geworden. Und sie ist blond. Auf blond steht er. Wobei sein anderes Betthäschen dunkle Haare hat. Hmm. Aber sie ist auch schlank. Vielleicht war ich einfach zu hässlich? Damals war nich noch fetter als heute. Blond war ich... Heute nicht mehr. Heute bin ich ein Mischmasch auf schwarz und lila. Tausend Weiber gefickt, mich wollte er nicht. Auch geil...

So, ich leg mich schon mal hin. Jörn wird nicht soooooooooo lange wegbleiben. Denke ich. Er passt sich mir ja mittlerweile an. Meistens zumindest. Nicht allzu besoffen und nicht erst morgen Früh nach Hause kommen. Er ist schon ein Guter. Ja, das ist er. So ziemlich den Besten, den ich bekommen konnte. Auch wenn er kaum was über mich weiß, mich oft nicht versteht... Er tut was er kann für mich. Und das ist sehr, sehr viel. Ich kann mich auf ihn verlassen, versteht ihr? Nicht so wie bei Johannes. Nicht nur virtuell... Für Jörn bin ich real. Und bald sind wir schon 14 Monate zusammen. So lange hat mich definitiv noch keiner ertragen. Und ich auch noch keinen. Ja, Jörn ist nicht so wie Johannes. Und das ist gut so.

Ich weiß nicht, warum ich noch immer so oft an Johannes denke und warum es immer noch so oft so weh tut. Frau Dr. meinte, dass er halt was hatte, was mich total fasziniert hatte. Aber das hätte Jörn ja offensichtlich auch. Auch wenn es unterschiedliche Dinge sind. Jörn und ich hatten diese Woche das erste Mal überhaupt miteinander geskypt. Und ihn dabei zu sehen, wie er sich freut, wie er lächelt... Ich wusste, dass ich ihm wichtig bin. Es war anders als die sonstigen Telefonate. Und wenn mir das fehlt, was mir Johannes damals gegeben hat. Ich weiß noch nicht mal genau, was das war... Vielleicht kann ich mir das irgendwie selber geben? Hmm.

Jetzt gehe ich erstmal ins Bett.

Gute Nacht.

Freitag, 3. April 2015

Absehbar und doch unvorbereitet

Wisst ihr, was mich erschreckt? Es ist doch irgendwie so logisch, dass die Eltern vor einem sterben. Also im Normalfall ist das so. Sollte so sein. Ausnahmen bestätigen die Regel. Aber wenn alles natürlich und gesund im weitesen Sinne vor sich geht, dann überleben die Kinder die Eltern.

Und nachdem ich nun mal nie gestorben bin, auch wenn es das ein oder andere Mal knapp war, war und ist es doch eigentlich klar, dass meine Eltern vor mir sterben.

Und dennoch fühle ich mich so völlig unvorbereitet. So überrascht. Ganz komisch...

Und dann telefoniere ich mit meiner Mutter. Wir reden ganz offen über ihren Tod. Und ich bin so abgebrüht und sie ist mir dankbar, dass ich scheinbar die Einzige bin, die damit so gut umgeht. So normal. Hmm. Ich fühle wenn ich mit meiner Mutter in Kontakt bin nichts mehr. Schon seit Jahrzehnten nicht. Hmm. Ich rede mit ihr darüber, warum mein Dad grade so gereizt ist. Versuche ihr zu erklären, dass er sich doch natürlich auch mit ihrem Tod auseinandersetzt und ihn das für ihn doch grade auch nicht leicht ist. Dass er sich sicherlich Gedanken darüber macht, was ist, wenn sie tot ist.




 Diese ganze Situation. Sie ist so absurd. Mit einem lebendigen Menschen darüber zu reden, was nach dessen Tod ist. Aber es ist nun mal ein Thema, dem man sich durchaus stellen sollte. Sich damit konfrontieren sollte.


Und grade für mich... Der Tod und ich... Nein, ich mag ihn nicht. Er hat mir unter anderem Frau Dr. Brenner genommen.

Und was natürlich auch nicht so einfach ist. Ich bin 600 Kilometer weit weg. Was ist, wenn es jetzt immer mehr Berg ab geht. Ich bin nicht da. Sie sagt, dass ihr mein Besuch am Wochenende so gut getan und neue Kraft gegeben hat. Und ansonsten dachte ich bei solchen Worten so oft: Fich dich! Aber dieses Mal denke ich: Okay.

Ich weiß nicht. Diese Frau hat mir so viel Leid zugefügt. Aber das ist plötzlich irgendwie weg. Stattdessen fällt mir der Geruch ihrer Handcreme ein, ich mochte ihn als Kind. Ich kann mich an keine Hand erinnern und wenn, dann nur an Hände, die mich schlugen. Und trotzdem habe ich den Geruch in der Nase. Aber es fällt mir schwer, schöne Dinge zu finden. Je mehr ich darüber nachdenke und versuche zu finden, desto mehr fallen mir die ganzen verbalen Beschimpfungen und körperlichen Misshandlungen ein. Oh man.

Ich wünsche mir grade irgendwie zum ersten Mal, das wäre alles nie passiert. Weniger für mich und für mein Leben. Ich finde mein Leben grade okay wie es ist. Aber sich auf ihren Tod vorzubereiten ist schon heftig genug irgendwie. Ich wäre einfach irgendwie gerne bedingungslos traurig. So ist das grade ein ziemlicher WirrWarr. Wut, Traurigkeit. Vielleicht kann ich versuchen, die Vergangenheit bis nach ihrem Tod zur Seite zu schieben? Ich weiß es nicht.

In dem Zusammenhang denke ich auch immer wieder an Johannes. Wie er ging. Die Zeit danach. Als ich ihn so sehr gebraucht hätte. Die ganzen Schmerzen.

Und mir fiel was auf. Wegen Jens und ihm. Bei Jens hatte mein Kopf und Verstand vertraut. Ich wusste, dass er mit dem Psycho-Kram Erfahrung hat und mir helfen kann. Jens weiß mehr über mich wie jeder andere Mensch auf dieser Welt. Natürlich hatte ich Jens auch lieb. Er war so wichtig für mich.

Und bei Johannes war es halt einfach mein Herz. Das hat echt noch keiner geschafft. Und dann ist er noch nicht mal so toll wie ich dachte.

Meine Mutter wird sterben. Das Schlimme ist... Ich weiß, dass sie auch sterben will, sie ist bereit dazu. Sie hat seit ewigen Zeiten Schmerzen, die Schmerzen werden immer schlimmer werden. Viele sagen dann nach dem Tod, dass man froh ist, dass die Person nicht mehr so leiden musste. Ich will nicht, dass sie leidet. Ehrlich nicht. Aber ich will auch nicht, dass sie stirbt. Ja verdammt, ich will nicht, dass meine Mutter stirbt. Hätte ich ja auch nicht gedacht, dass dem so sein wird. Ich dachte wirklich immer, dass es mir bei ihr egal sein wird. Aber es ist nicht so.

Und ganz genau deswegen habe ich auf dieser scheiß Welt immer so abgekackt. Ich bin einfach viel zu weich und viel zu sensibel und überhaupt.

Nein, es ist nicht einfach. Verdammt. Morgen kommt Jörn. War ja klar. Anfang der Woche meinte er schon, dass es wahrscheinlich wegen dem Sturm nicht klappt. Es stürmt zwar nicht mehr, aber er muss morgen Früh sein Auto putzen und mittags in die Sauna.
Soll er machen, ich bin eh nicht wirklich anwesend. Und bin froh, dass ich noch ein wenig alleine sein kann. Die nächsten Tage werden anstrengend genug. Samstag Fußball, Sonntag sind wir bei seinen Eltern zum Essen eingeladen und am Montag gehen wir mit seinen Eltern frühstücken. Ich mag seine Eltern. Aber nachdem das jetzt mit meiner Mutter so ist... Wenn ich seine Eltern sehe, muss ich automatisch an meine denken. Wirklich Ablenkung ist das also nicht.

Naja, ich bin müde. Wieder viel geweint, das ist anstrengend. Viel zu wenig Schlaf in den letzten Nächten.

Gute Nacht...