Freitag, 24. Juni 2016

Ich will, dass du glücklich bist

Ich finde vieles nicht gut von dem was du tust. Viele Dinge schrecken mich ab. Tun mir sogar weh. Sehr weh. Du hast keine Vorstellung davon, wie weh mir manche deiner Verhaltensweisen tun. Das wirst du auch nie erfahren. Es ist besser so. Für dich, für mich, für uns.

Als wir heute kurz geschrieben haben... Weißt du, was ich dabei gedacht habe? Was ich dir fast geschrieben hätte?

"Du bist mir verdammt wichtig und ich will, dass du glücklich bist."

Und weißt du noch was? Ich hätte dir gerne gesagt, dass mir unsere Gespräche von damals fehlen. Diese Nähe und Vertrautheit. Das Gefühl, dich erreichen zu können. Das Gefühl, dich nicht mit meinen Nachrichten zu nerven. Keine Angst davor haben zu müssen, dass ich auf meine nächste Nachricht keine Antwort mehr bekomme.

Manchmal frage ich mich, ob auch du einen Unterschied zu damals wahrnimmst? Weißt du... Heute habe ich mit einem anderen Bekannten geschrieben. Kurz. Über so ne Fußballgeschichte. Es ist anders. Ich kenne ihn nicht, er kennt mich nicht. Er will nichts über mich erfahren, ich nichts über ihn.

Und genau das ist der Unterschied. Ich will wissen, wie es dir geht. Wie es dir wirklich geht. Was in dir vorgeht. Was du denkst, was du fühlst. So wie damals. Ist das so verwerflich? Dass ich wissen möchte, was du tust, womit du dich beschäftigst, wie dein Leben so funktioniert. Darf man das nicht von seinen Mitmenschen wissen, ohne dass man mit ihnen zusammen ist?

Stattdessen führen wir Smalltalk. Ich lache, wo mir nicht nach lachen zumute ist. Akzeptiere, dass meine letzte Nachricht unbeantwortet bleibt. Unser Gespräch endete wengistens mit einem lachenden Smiley. Ohne zu wissen, wie es dir wirklich geht. Was du tust. Was dich beschäftigt.

Bis zum nächsten Mal. Wenn ich dich wieder anschreibe. So wie es immer ist. Spätestens zum Todestag. Hey... Wie meine letzte Nachricht zum Todestag mit dem Spruch: "Was bleibt ist die Liebe".

Und sie bleibt... Ein Stückchen Liebe wird für immer bleiben. Für diesen Kerl, mit dem ich Smalltalk halte, der mir so fremd ist, der mich nicht mehr in seine Nähe lässt und über den ich nichts mehr weiß...

Aber weißt du was? Ich will, dass du glücklich bist...

Samstag, 4. Juni 2016

Warum ist es so schwer, die Wahrheit zu aktzeptieren?

Ich fühle mich wieder Kilometer weit zurück geworfen. Tue mir plötzlich mit der Wahrheit über Johannes wieder so schwer. Kann es nicht glauben. Es ist schwierig.

Wisst ihr... Ich hab genug Beweise dafür, dass er so ist. Dass er ständig blöd durch die Gegend vögelt. Willkürlich und wahllos. Das ist Fakt. Ich weiß das. Und dennoch... Ich glaube es nicht.

Das ist so... Kann eine Wahrheit zu schlimm sein? Ich weiß es nicht. Ich versuche mich dazu zu zwingen, es zu glauben. Aber je mehr ich das versuche, desto schlechter klappt es.

Das nächste Problem. Ich versuche zu akzeptieren, dass ich ihm nie wirklich was bedeutet habe. Da ist es aber so ähnlich. Ich finde tausend Gründe die dagegen sprechen. Kann es einfach nicht glauben. Ich hab es damals doch gespürt... Zum ersten Mal in meinem Leben. Und auch zum letzten Mal...

Ich bin müde. Erschöpft. Ich kann nicht mehr. Das macht mich alles kaputt. Wie kann man akzeptieren, dass man nicht gut genug war? Nicht liebenswert genug? Wisst ihr... Das war ich für meine Eltern, speziell meine Mutter, auch nicht. Da ist das normal. Und das ist auch bei 99 Prozent aller Menschen normal. Ich bin niemand, den man mag und den man in seiner Nähe braucht. Das erwarte ich nicht von den Menschen. Aber bei ihm... Ich hab es damals einfach gefühlt. Ja, es fällt mir sehr schwer, mir das einzugestehen. Dass ich in der Tat nichts für ihn war. Wieder mal wertlos war. Nie so wichig und wertvoll war, wie ich mich damals gefühlt habe. Im Grunde genommen auch nur ne Wichsvorlage. Wenn auch nicht körperlich. Zwei Minuten gequatscht und dann flachgelegt. So wie er all seine Weiber flachlegt.

Ja, es tut weh, dass ich wieder nicht genügt habe. Zu wenig wert und liebenswürdig war. Das tut sehr weh. Wisst ihr... Bei Jörn weiß ich, dass er viel zu sehr Kopfmensch ist. Ich bin nicht die Liebe seines Lebens. Es passt halt irgendwie. Zumindest meistens.

Wie kann man lernen, das zu akzeptieren? Sich das einzugestehen? Ich kann es nicht :-( . Ich hab Angst vor dem Schmerz, Angst davor, wieder ganz kaputt zu gehen. Aber wenn es doch nun mal die Wahrheit ist? Ich hab ihm nie was bedeutet, habe wieder nicht genügt, hab wieder versagt...

Freitag, 27. Mai 2016

Noch was vergessen

Nachdem mich Johannes abserviert hatte, hatte ich ihn ja bis zur Vergasung gegoogelt, wollte jedes Detail über ihn erfahren. Alles... Damals bin ich auf ein Detail gestoßen, das ich für völlig abwegig hielt.
Ein Typ aus einem Ort mit dem selben Namen, war in so Parkplatz-Treffs-Foren unterwegs. Ihr wisst schon... Mein Johannes von damals... Der fickt nicht mit wildfremden Weibern auf irgendnem verlassenen Parkplatz. Im Leben nicht. Es war für mich so abwegig. So unrealistisch. Das konnte einfach nicht sein. Da musste es nochmal jemanden in diesem Ort geben, der denselben Spitznamen hat.

Oder auch manche Bilder und Kommentare bei ihm auf Facebook. Er mit zwei Weibern im Arm bei irgendeiner Fußballveranstaltung. Die Kommentare seiner Kumpels waren eindeutig. Aber auch da galt für mich, dass das nicht so war. Ich hätte meine Hand dafür ins Feuer gelegt, dass er nicht so ist.

Aber wer nur fünf Minuten braucht, um sich ne wildfremde Schnecke klarzumachen und abzuschleppen... Der vögelt regelmäßig alles, was nicht auf drei auf den Bäumen ist.

Ja. Heute weiß ich, dass all die Geschichten wahr sind. Dass er vermutlich mit viel mehr Weibern aus dieser ganzen Fußballszene etwas hatte, als ich es mir in meinen schlimmsten Albräumen je ausmalen hätte können. Nur mein Gefühl ist ein anderes.

Ich kann das noch gar nicht so recht erklären.Dieser gottverdammte Schmerz ist nicht mehr so prägnant. Ja, vielleicht ist genau das der Unterschied. Ich kann plötzlich auch denken. Davor war da immer nur dieser Schmerz. Wenn ich ihn live mit einer Anderen erlebte. Wie gesagt, all diese Geschichten konnte ich oft abwinken. Aber in den vergangen Monaten (oder sind das auch schon Jahre?) brach die Fassade halt immer mehr. Selbst ich konnte es nicht mehr übersehen. Dass er nun mal so ist.

Kennt ihr den FB-Spruch? "Ich dachte, du wärst anders. Besser irgendwie." So in etwa ist das grade. Aber... Auch wenn er so ist. Und er ist so... Das konnte ich damals nicht wissen. Er hat es mir nicht gesagt und zu mir war er auch nicht so. Ich konnte es wirklich nicht wissen. Für mich war er der Kerl, der vor acht Jahren nach 12 Jahren von seiner Ex verlassen wurde, nie darüber hinweg kam, zwar hin und wieder ne Affäre von 4-6 Wochen hatte, aber das auch schon ganz lange nicht mehr. Zu mir war er nicht so, als wolle er mich auf dem nächstbesten Parkplatz flachlegen. Nie. Manchmal wünschte ich, er wäre es gewesen. Grade zu dem Zeitpunkt damals... Als mich jeder nur ficken wollte. Als ich all die Kerle magisch anzog.

Es war krass damals. Da landest du mal wieder mit dem Typen in der Kiste, den du fünf Jahre lang oder so ziemlich gut findest. Wegen dem du ziemlich gelitten hast... Und dann sagt dieser Typ dir am nächsten Morgen, dass du noch nicht mal zu seinem Freundeskreis gehörst, dass du halt gut genug zum ficken seist, aber mehr halt auch nicht. Und du bist völlig am Ende. Liebst Tage lang nur noch im Bett, vegetierst vor dich hin, isst und trinkst nichts, hast die Räume völlig abgedunkelt, willst nur noch da liegen und warten, bis alles vorbei ist. Dann kommt der nächste Typ. Virtuell natürlich. Gibt sich zunächst als dein Seelenverwandter aus, bis er dir ein paar Stunden später schreibt, dass auch er gerne mit dir vögeln will, das würde an der Seelenverwandtschaft schließlich auch nichts ändern. Und du vergräbst dich nur noch mehr und mehr. Postest ein Todesvideo über Robert Enke, willst eigentlich einfach auch nur noch weg... Dann taucht da plötzlich wieder so ein Kerl auf. Kommentiert erst öffentlich, schreibt dir irgendwann privat. Du antwortest irgendwann nicht mehr, weil er ja eh wie alle anderen ist und du einfach keinen mehr kennen lernst willst, einfach deine Ruhe haben willst. Aber er lässt nicht locker. Schickt dir einen gute Nacht-Gruß, meldet sich am nächsten Tag wieder. Und am übernächsten und am überübernächsten und immer wieder und ist einfach jeden Tag da. Am Anfang bemerkst du es noch nicht mal. Bis es irgendwann zu spät ist. Du dich daran gewöhnt hast, dass er da ist. Dass er sich für dich interessiert. Dir Fragen stellt, die dir noch nie jemand gestellt hat. Fragen stellt, die deine Person betreffen. Fragen, die dazu dienen, dich besser kennenzulernen. Der dir schöne Worte sagt. Dass du ihm wichtig bist und er an dich denkt und er um dich trauern würde. Der so schüchtern nach deiner Handynummer fragt, der noch viel schüchterner fragt, ob man nicht auch mal telefonieren könne... Der im Papiermüll kramt, um dir dein Horoskop vorzulesen... Der dich übermorgen treffen will, der sich eine Beziehung mit dir vorstellen kann, auch wenn es schwierig wird. Der meint, dass die Schmerzgrenze bei Beiden doch schon längst überschritten sei, dass man nur ehrlich zueinander sein müsse, das seie das Wichtigste...

Und der dann einfach über Nacht abhaut und dich einfach wieder alleine lässt. Und der dann letztendlich doch auch nur einer von diesen Typen ist, der alle flachlegt. Alle die, die noch nicht mal zu seinem Freundeskreis gehören. Der also doch kein bisschen anders ist als all die Anderen.

Eine Erkenntnis, die weh tut. Aber die nun mal wahr ist. Auch wenn es weh tut. Ich hab das Gefühl, seitdem ich die Wahrheit "zulasse", ist es wenigstens ein bisschen leichter. Der Kampf darum sein Denkmal aufrecht zu erhalten, war sehr mühsam. Er hat es mir auch sehr schwer gemacht. Es waren ein paar zuviele Frauen und zu offensichtlich. Er hat es selbst zerstört. Eigentlich hätte ich ein Denkmal verdient... Ich hab sehr um ihn gekämpft. Um seinen Ruf. Ich wollte auch euch immer zeigen, wie toll er ist. Er war auch toll, das war er wirklich. Damals... Aber das ist vorbei. So toll war er seitdem nie wieder zu mir. Und wird er wohl auch nie wieder sein. Auch wenn er hinterher mehrfach betont hat, dass das alles für ihn relativ bedeutungslos war... Was ich ihm auch nicht absprechen möchte... Ja, vielleicht gab es seit der Trennung von seiner Ex andere Frauen, die ihm viel wichtiger waren als ich. Die ihm noch viel näher waren... Aber... Wären wir damals nicht fast 800 Kilometer weit voneinander entfernt gewesen... Wer weiß, was dann passiert wäre? Der Typ wird nie wieder in seinem Leben eine Beziehung führen, das Ding ist bei ihm durch. Dafür ist er zu kaputt. Aber hätten wir uns real getroffen... Obwohl... Wenn ich da an diese eine denke, mit der er eine Beziehung führen wollte... Da sagte er, dass die Entfernung das Problem war. Das sagte er damals auch bei mir. Ich glaube ja, er sucht sich immer genau solche aus. Von denen er genau weiß, dass die Entfernung eh zum Problem wird. Und er dann gar keine Beziehung eingehen "muss". Ja, für ihn war es im Nachhinein nur virtuell und halt nicht ganz real. Aber auch dafür kann ich nichts. Ich hätte es real werden lassen. Er nicht. Ich fände es natürlich schöner, wenn er auch heute über mich sagen würde, dass es wegen der Entfernung nicht geklappt hat. Stattdessen sagt er ja heute, dass ich ihm halt einfach nicht so viel bedeutet habe wie er mir. Aber vielleicht ist dieser Aussage auch meinem Verhalten danach geschuldet. Durch sein Abhauen hatte er nun mal irgendein Trauma in mir ausgelöst, ich war nicht mehr zurechnungsfähig. Er hat ne Menge krankes Zeugs abbekommen. So verhalten sich erwachsene und gesunde Menschen nicht. Das weiß ich heute und würde ich heute auch anders machen. Damals war ich einfach noch so klein und schwach und wurde mal wieder von dem wichtisgen Menschen in meinem Leben verlassen. Damit konnte ich nicht umgehen. Das tut mir im Nachhinein auch leid. Ja, das tut es wirklich. Ich hätte uns beiden einiges ersparen können. Aber ich habe daraus gelernt und das ist gut.

Apropos verlassen... Heute vor drei Jahren ist Kira gestorben... Sie war auch ganz schön toll...

Meiner Mutter geht es sehr schlecht. Sie baut immer mehr ab. Kann kaum noch ein paar Meter gehen. Als damals die Krebsdiagnose das erste Mal gestellt wurde, versank sie ja so völlig in Selbstmitleid und WOLLTE nicht mehr. Ein Verhalten, das ich nicht akzeptieren konnte. Heute ist es so, dass sie nicht mehr KANN. Es geht zu Ende und ich befürchte, mein Dad geht mit. Auc er nimmt in den letzten Monat immer mehr ab, hat ständig mit Schwindel zu kämpfen, baut ab... Meine Eltern sterben. Irgendwann gehen einfach alle... Man kann einfach nichts dagegen tun...

Ich weiß noch nicht so recht, was ich mit Johannes machen soll. Ob ich versuchen sollte, das differenziert zu betrachten. Ich war damals nun mal so glücklich wie noch nie zuvor und auch nicht danach in meinem Leben. Das geht auch nicht weg, nur weil er so ein blöder Ficker wie all die anderen ist. Ich würde es gerne wegpacken. Also nicht vergessen oder so. Aber gerne als Teil meiner Vergangenheit akzeptieren und eigentlich auch gerne daran zurückdenken. Es war immerhin die beste Zeit meines Lebens. Natürlich kann man das nicht wirklich jemandem erzählen. Schon gar nicht, wenn man dann den "realen" Johannes anguckt. Das stimmt nicht überein. Dieser Typ von heute ist nicht der Typ von damals. Aber ich will einfach nicht mehr, dass der Typ von heute mir ständig das schöne Erlebnis von damals kaputt macht. Scheiß auf den Typen von heute, aber er soll mir wenigstens meine Vergangenheit lassen. Ist das gut so? Hat das was mit verdrängen zu tun? Ich weiß es nicht... Ich weiß auch nicht, ob ich da meine Psychologin danach fragen soll. Die bringt mir eh nichts die Frau. Ich glaube, ich bin übertherapiert oder so. Und für die Probleme die ich noch habe, brauche ich jemand richtig Gutes. Ich brauche niemanden, der anfängt, mir irgendwelche Dinge suchen zu wollen, die mir gut tun. Das kann ich alleine. Könnte ich alleine, wenn ich denn wollte. Ich habe wirkliche Probleme.

Ich fände es gut, wenn meine Erinnerung wenigstens behütet werden konnte. Und was mir wirklich grade wichtig geworden ist... Mein Verhalten danach... Johannes gegenüber... Das war nicht korrekt. Und das tut mir ehrlich leid. So verhält man sich nicht. Ja, er hat mich alleine gelassen. Und das war ganz schrecklich, weil ich nicht damit gerechnet hatte. Aber ich habe ihn danach wirklich emotional erpresst und unter Druck gesetzt. Habe geklammert und erdrückt. Das war nicht gut. Nicht richtig. Das hat noch nichtmal so ein blöder Ficker verdient.

Ich hatte ihm damals nen Satz geschrieben... Lieber ehrlich in den Arsch gefickt, als unehrlich ins Herz... Im Kern ist was Wahres dran, auch wenn ich den natürlich lieber für mich behalten hätte...

Wird wirr und zulange ;-) . Merke ich selber.

Gute Nacht.

Mittwoch, 25. Mai 2016

So und so

Hmm. Ich mache Fortschritte was Johannes angeht. Und dennoch... Ist es noch nicht gut.
Ich hab letzten Sonntag von Jörn erfahren, dass Johannes am Abend zuvor nen Quicky hatte. Sie waren gemeinsam mit dem Fanklub unterwegs, eigentlich hatte sich Johannes auch das Zimmer mit nem Kollegen geteilt. Sie waren noch in ner Kneipe, Johannes ist ein paar Minuten früher abgehauen, als sein Kollege aufs Zimmer kam, hatte Johannes ne Schnecke im Bett. Die können sich keine fünf Minuten unterhalten haben, sagt Jörn...

Hätte Jörn mir sowas vor ein paar Monaten erzählt... Dann wäre dieser unfassbare und unbeschreibliche Schmerz gekommen. Der Schmerz, der mich so sehr lähmt. Der alles lähmt, nur nich dieses Gefühl des Schmerzes. Dieses Mal war und ist es anders. Es ist nach wie vor so, dass es irgendwie weh tut. Es ist so, wie wenn da immer wieder ein großer Gegenstand sich mir in den Weg stellt. Etwas, was nervt. Etwas, worum ich immer und immer wieder drum herum gehen muss. Das nun schon seit 1,5 Wochen. Ja, ich kann drum herum gehen. Ich hab sogar kein einziges Mal deswegen geweint. Doch, jetzt tue ich es. Das erste Mal seit dieser Nachricht... Aber auch nur, weil ich es mir jetzt zugestehe. Ich bin nicht umsonst hier und mülle euch zu. Ich will es jetzt einfach mal loswerden, vielleicht ist der Gegenstand dann nicht mehr so groß.

Und dann, nur wenige Tage später... Fährt Johannes mit seinen Eltern und seinen Geschwistern in den Urlaub. Malt ein Herz für seine verstorbene Nichte in den Sand... Schickt mir Bilder von sich und seiner Familie... Fragt, wie es meiner Mutter geht. Sagt, dass ich mich jederzeit bei ihm melden darf, wenn ich jemanden zum reden brauche... Wenn er so Herzen in den Sand malt, wenn er so sehnsüchtig am Strand sitzt und auf das Meer blickt... Dann fühle ich mich ihm plötzlich wieder so nah. Und ich frag mich einfach, wie so ein Mensch, gleichzeitig auch so dumm in der Gegend rumvögeln kann. Alles mitnimmt, was ihm grade über den Weg läuft. Ich mag solche Menschen nicht.

Und das Ding ist... Es geht mich überhaupt nichts an. Und wenn er jede Nacht zehn Weiber flachlegt. Es hat mich einfach nicht zu interessieren. Mein Kopf weiß das. Und ich handele ja auch danach.

Aber dass er so ist... Ich meine... Ich dachte doch er wäre anders... Ich dachte, er sei meine große Liebe oder sowas.

Dann noch was... Als Jörn mit dem Fanklub unterwegs war, war ich mit meinem neuen Chef zusammen. Also beim Fußball. Kennt ihr das? Wenn man eigentlich so gut zusammen passen würde? Wir haben die ganze Autofahrt über gemeinsam im Auto gesungen. Ich singe eigentlich nie laut vor Menschen, ich kann das nicht. Aber mit ihm... Ja, wir haben uns sehr gut verstanden. Egal... Jedenfalls sind wir dann auch auf den Fanklub gestoßen und hinterher im Auto nochmal an den ganzen Jungs vorbeigefahren. Ich sagte ganz locker: "Guck, mit dem Typen mit den langen Haaren (Niklas) hatte ich vor Jörn ne Affäre." Und dann kam Johannes... Ich fing an, wollte erzählen, wer Johannes ist. Also der Chef (für ihn muss ich mir mal bei Gelegenheit mal ein Pseudonym) ausdenken) weiß im Grunde genommen von Johannes. Er weiß, dass es in meinem Leben einen Typen gab, für den ich gestorben wäre, bei dem ich dachte, es wäre für immer... der mich dann aber abgeschossen hat und ich seitdem nie wieder lieben will und kann, weil ich den Schmerz nicht nochmal überleben würde. Aber als ich den total besoffen Johannes so sah... Ich fing an zu sagen: "Und der Typ in dem Trikot, das ist...", dann brach ich ab. Fragte mich selbst, ob dieser total besoffene Typ wirklich der ist, der meine große Liebe sein soll. Der Chef fragte nach, wer er denn ist. Und ich sagte: "Nichts ist er, gar nichts."

Der Johannes von heute... Das ist nicht meine große Liebe. Hallo? Meine große Liebe legt nicht wahllos jede Bitch flach. Und meine große Liebe besäuft sich auch nicht ständig so. Und meine große Liebe hält sich an das, was er sagt.

Die Frage ist... Gab es diese Person überhaupt jemals? Von der ich dachte, sie sei meine große Liebe? Diese Person, die mich so... So verändert hat. Damals sagte Johannes, dass er seit seiner Trennung nur noch so kurze Geschichten gehabt hätte, meist so 4-6 Wochen, aber das jetzt auch schon ganz lange nicht mehr.

Irgendwas ist passiert. In mir. In Bezug auf Johannes. Aber ich weiß noch nicht so recht was. Aber Fakt ist... Der Johannes von heute hat nicht viel mit meiner großen Liebe gemein. Es ist nicht alles verkehrt. Wie gesagt... Seine Liebe zu seiner verstorbenen Nichte zum Beispiel... Ja, da ist er mir für einen Moment nah. Im Grunde genommen... Dass ich ihm immer zu ihrem Todesmonat ein Bild schicke... Ihm hilft es und mir auch. Nur nehme ich dadurch nicht Abschied von seiner Nichte. Und auch obwohl ich kurz vor dem besagten Tag von seinem Abenteuer im Hotel erfahren habe, hatte ich ihm dennoch ein Bild geschickt. Hätte ich früher nicht gemacht. Und wenn ich es getan hätte, dann hätte ich ihm noch ein paar gesalzene Worte dazu geschickt. Ich hab kein Wort darüber verloren. War nicht ganz leicht, zugegeben. Aber es geht mich nun mal nichts an. Es ist die Ebene, auf der wir harmonieren. Im Übrigen auch die Ebene, durch die wir uns überhaupt erst kennen gelernt haben. Da war es der Tod von Robert Enke. Ich hatte bei FB ein Video gepostet, er hatte kommentiert und mich dann irgendwann privat angeschrieben. Ja, so begann alles. Das ist halt unser Thema. Mein Gott... Man kann nicht mit jedem Menschen bei jedem Thema auf derselben Wellenlänge liegen. Aber... Dieser dumme Rumgeficke... Ist halt schon was, was ich prinzipiell nicht mag. Nicht nur bei ihm nicht. Bei ihm wohl noch weniger, aber auch bei anderen Menschen mag ich es nicht. Und das ist so ein Punkt... Wenn ich jemanden kennen lerne und das direkt über die Person erfahre, dann will ich die Person nicht weiter kennen lernen. Dann drehe ich mich um und gehe. Ist so.

Meine Aufgabe ist jetzt zu akzeptieren, dass er halt so ist. Dass er schon gefühlten 10000000000000000000 Frauen in der Kiste hat. Über sie alle drüber gerutscht ist. Aber eins habe ich jetzt auch begriffen. Vorausgesetzt es stimmt, dass er mit irgendner Fremden da gevögelt hat... Dann bedeuten ihm diese Geschichten wirklich nichts. Da gehts nicht um Gefühle. Es wird nicht leicht für mich, das zu akzeptieren. Wie gesagt, normalerweise wende ich mich von solchen Menschen direkt gänzlich ab. Das geht bei Johannes nicht. Auch wenn er aktuell nichts mehr mit meiner großen Liebe von einst zu tun hat. Ich hab ziemlich viel durchgemacht wegen ihm. Er hat mich so viele Jahre begleitet, wenn auch meistens nur in meinen Gedanken und Gefühlen. Es ist zu spät, um mich jetzt vollkommen abzuwenden. Ich weiß auch nicht so recht, wie das geht. Wie ich lerne, damit umzugehen. Ich weiß das wirklich nicht. Aber ich bin hochmotiviert, das zu lernen. Für mich. Dass ich nicht ständig irgendwelche Gegenstände umkurven muss, die mir plötzlich den Weg versperren. Ich will sie locker zur Seite schieben können und dann ist gut. Im Moment kann ich sie nicht bewegen und muss jedes Mal drum herum laufen. Das ist anstrengend. Zum ersten Mal habe ich versucht, diese Methode anzuwenden. Dass man Gedanken und Erinnerungen in eine Kiste sperrt und nur gelegentlich heraus holt. Das erste Mal hatte ich das Gefühl, es könnte funktionieren.

Ich hatte eine große Liebe in meinem Leben. Und auch, wenn das schwer nachzuvollziehen ist. Es war nun mal nicht so lange und auch nicht so richtig real. Aber gibt es dafür ein Gesetz? Wie lange etwas sein muss und wie real? Nein. Fakt ist, ich habe damals so gefühlt. Und es war kein Strohfeuer, das kurz entflammt ist. Es war was Großes. Für mich. Das Größte, das ich je erlebt habe. Warum und wieso, ist hierbei nicht mehr wichtig. Ja, ich hatte eine große Liebe, aber sie existiert nicht mehr. Und schon gar nicht in Johannes.

Eins habe ich mir noch geschworen... Ich dachte öfters mal darüber nach, dass ich ja mit Johannes in die Kiste steigen könnte, falls es mit Jörn eines Tages mal zu Ende sein sollte... Aber seit ein paar Tagen... Selbst wenn Jörn und ich uns eines Tages trennen. Ich werde niemals eine von seinen Weibern sein. Ob er selbst noch weiß, mit vielen Weibern er schon gevögelt hat? Welche Nummer wäre ich? Ich bleibe dabei: Lieber bin ich nichts für ihn, als irgendein Strich auf seiner Liste.

Und dann habe ich noch ein Problem... Ich ertrage es nicht mehr, wenn Jörn mich anfasst. Ich verbringe gerne Zeit mit ihm, der Urlaub war toll, unglaublich harmonisch. Aber sobald seine Hände meinen Körper berührt haben... Er hat dann direkt aufgehört, obwohl ich mich zusammen reißen wollte. Ich meine, wir hatten bestimmt schon ein Jahr lang keinen Sex mehr... Ich dachte, ich müsse einfach mal wieder tapfer sein und mich zusammen reißen... Ja, ich ertrage es nicht. Finde ich komisch. War am Anfang nicht so. Tja... Läuft... Ich dachte ja immer, ich will einfach nicht... Aber dass ich jetzt auch schon gar nicht mehr kann... Das ist nicht gut... Gar nicht gut...

Donnerstag, 28. April 2016

Und dann plötzlich...

Ist es einfach nicht mehr zu übersehen. Dass Johannes gar nicht so perfekt ist.

Hmm. Mit seinen ganzen anderen Schnecken... Ich weiß nicht, vor ein paar Monaten fing es ja an, dass ich es plötzlich steuern konnte. Ich konnte die Gedanken an ihn und seine Weiber zulassen, es tat scheiße weh, aber ich konnte es plötzlich auch wieder stoppen. Etwas, was ich Jahre lang zuvor nicht konnte. Wenn der Film lief, dann lief er in Endlosschleife. Wenn ich heute daran denken würde, dass ich ihm einfach nichts bedeutet habe, dass ihm so viele Weiber viel mehr bedeutet haben und bedeuten, als ich es jemals getan habe, dass ich für ihn einfach nur Nichts war. Ein Zeitvertreib. Bedeutungslos. Dann würde das immer noch weh tun. Ich glaube, so ganz wird dieser Schmerz nie vergehen. So was tut nun mal auch entsetzlich weh. Wenn man glaubt, dass man für einen Menschen wichtig und wertvoll ist, man dies zum ersten Mal nicht nur glaubt, sondern auch spürt... und dann am Ende erfährt, dass dem nie so war. Dass man nur ein Spiel war. Ja, das tut weh.

Irgendwie erinnert mich das ans Kiffen früher. Ich habe ja lieber immer Tüte geraucht als Bong. Da konnte ich meinen Zustand besser steuern. Und naja, sobald ich dieses gewissen Grinsen in der Fresse hatte, legte ich die Tüte weg. Das war mein Lieblingszustand. Wie in Watte gepackt, so geschützt, alles war so weit weg. Ja, das war ein schönes Gefühl.
Bei Johannes ist es jetzt so ähnlich und doch anders. Ich kann daran denken und sobald ich plötzlich diese Lähmung spüre, diese Lähmung, die noch versucht den Schmerz aufzuhalten, lege ich die Gedanken weg.

Hmm. Beim letzten Spiel war es komisch. Wir standen wieder recht nah beieinander. Aber wir haben beide wieder nichts gesagt. Haben uns angeschaut, er hatte eine Sonnenbrille auf, ich habe seine Augen nicht gesehen und ich hatte schon das Gefühl, als wollten wir uns gegenseitig demonstrieren, dass wir uns irgendwie nahe sind, fast schon zusammengehören. Aber... Gesagt haben wir wieder Beide nichts. Diese Nähe tut uns nicht gut. Anfangs dachte ich ja immer, nur ich wüsste dann nicht mehr, was ich sagen soll. Aber er weiß es auch nicht. Ich habe ihn dieses Mal zumindest offen angelächelt. Und mich dann aber doch weggedreht und mit "meinen" Leuten gesprochen. Nicht vergessen, ich schreibe ihm seit über einem halben Jahr jeden Monat zum Todestag seiner Nichte. Schicke kommentarlos ein Trauerbild. Das rechnet er mir schon hoch an, glaube ich.

Aber... Wie oft habe ich ihm zum Beispiel erzählt, dass das heutige Datum, der 28.04. mein Datum ist? Schon krass. 13 Jahre ist sie nun schon tot. Die Erinnerungen an sie verblassen. Aber ich werde nie vergessen, dass sie der Mensch war, der an mich geglaubt hat, als es ansonsten schon längst keiner mehr getan hat. Und dass ich ohne sie niemals hier wäre, wo ich heute bin.

So was weiß Johannes nicht. Er kennt ja noch nicht mal meinen Geburtstag. Und dann mache ich ja jede Woche mittlerweile eine Umfrage innerhalb der Fanszene. Ich hatte ihn dieses Mal auch befragt, er wollte bis dann und dann antworten. Und? Er hat es vergessen. Es kam nichts. Obwohl er zugesagt hat.

Zugegeben, es ist noch nicht ganz leicht, ihm diese negativen Eigenschaften zu zugestehen. Wie er total besoffen die Hälfte vom Fußballspiel beispielsweise verpennt. Ständig irgendwelche Termine vergisst. Sich noch nicht mal dafür entschuldigt. Aber ich schätze, da läuft es so ähnlich wie mit dem Kiffen. So lange zulassen, bis es anfängt weh zu tun und dann erstmal wieder weglegen.

Ich habe ihn schon lange nicht mehr mit einer anderen Schnecke gesehen. Gut, ich bin ja mittlerweile auch häufig nicht mehr im Fanblock, sondern mehr in anderen Bereichen des Stadions unterwegs. Weiß nicht, wie es wäre, wenn ich es jetzt wieder sehen würde. Ob da die Kiffer-Mentalität auch greifen würde. Als ich es vor ein paar Monaten immer gesehen hatte, war es eher wie Bong rauchen. Ein Zug und alles war vorbei, out of control. Dauerschmerzberauscht. Hmm.

Ja, ich fange so langsam an hinzuschauen und mich zu trauen, gegebenenfalls auch zu sehen, dass er gar nicht so toll ist. Ich habe viele Jahre lang wegen ihm gelitten. Hatte mega große Schmerzen. Hätte das fast nicht überlebt. Schon schlimm genug, dass ich ihm nichts wert war. Aber all das für jemanden, der in Wirklichkeit gar nicht so toll ist? Und... Wenn dem so ist... Dann würde das ja in der Tat beweisen, dass ich damals blind war. Wäre das dann nicht der letzte Beweis dafür, dass ich damals alles falsch verstanden habe? Dass er nichts davon so gesagt hat, wie ich es verstanden habe? Dass es offensichtlich war, dass er nie an mir interessiert war?
Das wäre noch ein bisschen zu viel. Das wären härtere Drogen, da reicht Cannabis nicht aus.

Ich kann das doch nicht alles falsch verstanden haben, oder? "Du bist ganz klar meine Nummer 1." "Ich würde um dich trauern, wenn du nicht mehr bei mir wärst." "An was anderes denken als an dich?" "Mir gehts doch ganz genauso wie dir, wir müssen nur ehrlich zueinander sein." "Ich hab dich sehr, sehr lieb und das ist nicht nur so daher gesagt." Man schickt doch nicht jeder jeden Abend irgendwelche seiner Lieblingslieder, oder? Man schreibt doch nicht mit jeder rund um die Uhr, oder? Man sagt doch nicht zu jeder, dass man sich mit ihr eine Beziehung vorstellen kann, dass es aber halt schwierig aufgrund der Entfernung und des Zeitfaktors werden könnte, oder?
Er scheinbar schon... Ich hab so sehr an seine Worte geglaubt. An jedes seiner verfickten Worte.

Seitdem fällt mir Vertrauen nur noch schwerer. Bekommt am meisten mein neuer "Chef" zu spüren. Wir flirten immer noch. Und ja, wenn ich wollte, wären wir schon längst in der Kiste gelandet. Trotz Beziehungen. Aber genau deswegen mache ich das nicht. Ich bin in einer Beziehung. Und auch, wenn es da irgenwie echt irgendwas in mir auslöst... Ich hasse Fremdficker, das geselle ich mich sicherlich nicht zu ihnen. Vor allem wäre danach meine Beziehung vorbei. Ich könnte nicht so tun, als sei nichts gewesen. Egal. Ist auch kein Thema. Jedenfalls ist dieser Chef so gut zu mir. Aber ich glaube ihm trotzdem nichts. Und er merkt das auch bzw. weiß es. Weil ich ihm das auch sage... "Weißt du, bislang gab es noch nicht allzu viele Menschen in meinem Leben, die es wirklich gut mit mir gemeint haben, warum also solltest also ausgerechnet du so sein?" Eine Frage, die ich ihm schon öfters gestellt habe. Ich wünschte, ich wäre bei Johannes damals so gewesen. Hätte mir einiges an Schmerz erspart. Ja, ich war ein paar Tage lang glücklich. Unfassbar glücklich sogar. So glücklich, wie ich es noch nie in meinem Leben war und wohl auch nie wieder sein werde. Was aber auch okay ist. Weil wenn diese paar Tage Glück mit Jahre langem Schmerz bezahlt werden müssen, dann verzichte ich sehr gerne darauf.

Ja, ich glaube, Johannes hat mich in dem Punkt vollends zerstört. Vertrauen war ja noch nie so meine Stärke. Aber seitdem... Komisch, dass ich das erst jetzt merke. Bei meinem Chef. Gut, vermutlich weil da eben noch so ein anderes Gefühl ist. Er könnte mir weh tun. Wenn ich es zulassen würde. Aber so schotte ich mich ab und lasse es nicht zu. Er kommt mir nicht zu nahe. Nahe ja, aber nicht zu nahe. Das werde ich nie wieder zulassen. Nie wieder.

Vor zwei Wochen hatten Jörn und ich uns quasi schon getrennt. Wie immer ging es um Alkohol. Darum geht es immer wenn wir uns streiten. Und... Es ist halt leider definitiv so, dass ich Jörn emotional nicht so sehr vermissen würde. Aber er tut halt schon sehr viel für mich und ist sehr gut für mich. Das würde ich vermissen. Und würde mich auch erstmal überfordern. Wenn ich Hilfe brauche, ist er da. Er nimmt mir schon viel ab. Und ich glaube, dass ich vieles auch wirklich nicht alleine hinbekommen würde. Von daher macht er mein Leben irgendwie besser. Holt mich ein bisschen mehr raus aus meiner kleinen, geschützten Welt. Ich würde auch alleine klar kommen. Ich würe mich voll und ganz auf meine Zeitungen und meinen Autorenjob konzentrieren. Aber das wäre es dann halt auch. Mehr würde ich nicht mehr tun. In ein paar Tagen ziehe ich um. Ich glaube nicht, dass ich das ohne ihn tun würde. Ich würde lieber an meinem Nachbarn kaputt gehen, weil ich es alleine nicht schaffen würde, den Umzug zu stemmen. So was halt.

Meine Psychologin bringt mich leider nicht weiter. Schade. Sowas spürt man einfach. Sie reißt die Gespräche an sich. Nach der "Trennung" von Jörn, das war grade mitten drin, kam ich gar nich dazu, davon zu erzählen. Stattdessen wollte sie mich in so einen Park schicken, damit ich da Fußball spiele. Häh? Ich hätte ja dann lieber über den Streit gesprochen, vielleicht auch erfahren, was ich denn da besser machen kann, in so Streitsituationen mache ich schon auch sehr viel falsch, glaube ich. Ich werde da schon auch sehr gemein und ungerecht.
Ach, und dann auch manche Diskussionen um das Fanleben. In so einer Fanszene gibt es Regeln und Gesetze und die sind einfach so. Punkt. Da versucht sie dann, mich auf die Unsinnigkeit dieser Gesetze aufmerksam zu machen, indem sie irgendwelche überspitzten Fragen stellt. Ich bin ziemlich therapieerfahren und weiß, worauf sie hinaus will. Aber das sind Gesetze und keine persönlichen Empfindungen, daran gibt es nichts zu rütteln. Ja gut... Mir persönlich bringt es also jetzt leider nichts. Aber für die Rentenversicherung ist es wohl ganz gut. Und was Johannes angeht... So ganz kleine Fortschritte mache ich ja auch ohne Psychologen.

Ich hatte auf der Depressions-Station ne ganz tolle Ärztin. Die hatte mir damals in puncto Johannes und auch Jens wirklich sehr geholfen. Die Zeit war halt einfach zu kurz. Waren ja nur sechs Wochen. Aber sie war die erste und auch die einzige, bei der ich das Gefühl hatte, sie würde mich verstehen und so vertraute ich ihr auch irgendwie. Nahm ihre Ratschläge an. Sehr gerne an. Was sie mir sagte, das tat ich. Und es fühlte sich richtig an. Und selbst wenn sie damals sagte, dass ich Johannes zu dem Zeitpunkt als er es sagte, bestimmt auch wichtig war. Dass er es bestimmt so gemeint hat, wie er es gesagt hat... Ja, selbst das hatte ich ihr damals geglaubt. Aber ich kann mich ja jetzt nicht deswegen einweisen lassen. Das würde Jörn nicht mitmachen. Dabei würde mir das vielleicht mal wieder ganz gut tun... So ne Reha oder so ne psychosomatische Kur oder so was. Nicht so ne Klinik, wo die total Gestörten sind. Einfach so ein Ort, um mal wieder ein bisschen zur Ruhe zu kommen, sich mal wieder ein bisschen zu sortieren und dann hinterher wieder gestärkt zurück zu kommen. Hmm.

Naja... So, hiermit beende ich meinen Roman.

Mittwoch, 6. April 2016

Nähe und Distanz

Ich denke heute viel an Johannes. Nein, eigentlich erst seit ein paar Minuten. Aber manchmal sind die Gedanken so intensiv, dass sie sich wie Stunden anfühlen...

Bei letzten Spiel hatten wir eine Unterhaltung. Es war eine ganz komische Situation. Er war schon im Stadion und ich lief von außen vorbei, weil ich zum Presseeingang musste. Er sah mich, wir unterhielten uns. Zwischen uns waren zwei Zäune. Und doch waren wir uns in diesen Minuten so nah wie schon seit ewigen Zeiten nicht mehr. Es war nicht nur Smalltalk, es war auch kein Schweigen, es war so was wie eine richtige Unterhaltung mit jemandem, den man etwas besser kennt.

Seit ein paar Minuten denke ich daran, wie es "früher" zwischen uns war. Eine Szene, die es so oft zwischen uns gab. In der Zeit, in der wir noch gar nicht miteinander sprechen konnten... So oft standen wir uns einfach gegenüber, er hielt meine Hand, manchmal auch nur einen Finger davon und wir schauten uns einfach nur an. Wortlos. Das war schön. Damals... Heute würde ich ihm den Vogel zeigen. Aber damals... Ich war noch so voller Fragen, damals noch viel mehr als heute, aber wenn er mir so gegenüber stand, meine Hand in seiner, ich ihm in die Augen schaute, dann fühlten sich die Fragen irgendwie anders an. Sie waren auszuhalten. Nicht so wichtig.

Damals wusste ich diese Art der Nähe überhaupt nicht zu schätzen. Heute empfinde ich sie plötzlich als wertvoll. Und jetzt in diesem Moment sehne ich mich sogar fast danach. Dass einfach jemand schweigend meine Hand hält und mir in die Augen schaut und mir das Gefühl vermittelt, dass alles okay sei...

Das letzte Mal hatte er das übrigens getan, nachdem er mich bei Facebook raus geschmissen hatte. Er hatte sich zunächst dafür entschuldigt, mir aber doch keine neue Anfrage mehr geschickt. Beim nächsten Wiedersehen begrüßte ich ihn mit den Worten: "Na, Ex-Facebook-Freund" und er sagte, dass es besser so sei. Ich stammelte nur so was wie "Wie du meinst" vor mich hin und drehte mich weg, um andere zu verabschieden. Als ich danach wieder an ihm vorbei wollte, hielt er meine Hand fest. Wir standen zunächst ziemlich auf Spannung uns gegenüber, weil ich ja eigentlich schnell an ihm vorbei wollte. Ich ging einen kleinen Schritt auf ihn zu, so dass zwar die Spannung nicht mehr ganz so krass war, aber dennoch noch vorhanden und genug Distanz zwischen uns. Auch da schauten wir uns einfach nur wortlos in die Augen. Und obwohl sein Verhalten so schlimm für mich war. In diesem Moment tankte ich irgendwie wieder Kraft. Immer noch mit ziemlich wenig Verständnis vür sein Verhalten, aber durch dieses Festhalten und angucken, fühlte es sich irgendwie besser an. Richtiger an. Ich kann gar nicht beurteilen, wie lange diese Szenarien wirklich immer dauerten. Irgendwann, als es sich für mich richtig angefühlt hat, ließ ich dann seine Hand los, nickte - immer noch wortlos -, drehte mich um und ging. Es war so ein "ich verstehe" - Nicken.

Hmm. Mir fehlt diese Nähe. Nicht nur in unseren Gesprächen, sondern halt auch diese Momente. Aber so langsam... So langsam beginne ich zu verstehen, dass es besser so ist. So war es bei Jens damals auch. Das ist ein ganz wichtiger Prozess, glaube ich. Auch wenn er weh tut und nicht die schönste Phase des Loslassens ist, glaube ich. Weil einem eben auch bewusst wird, dass es solche Momente nie wieder geben wird.

Zack. Plötzlich war der Gedankenblitz da, ob er das mit all seinen Weibern so gemacht hat. So macht. Dass auch diese Geste nichts von Bedeutung für ihn ist. Solche Gedanken tun ziemlich weh.

Ich habe eine neue Wohnung. Nächsten Monat gehts endlich hier raus. Den üblichen Stress mit dem aktuellen Vermieter... Erst sagt er, wir werden uns mit einer vorzeitigen Kündigung schon einig und ann plötzlich doch nicht mehr... Doppelte Mieten könnten mich ziemlich ruinieren und mein komplettes Erspartes auffressen. Und nicht finanziell abgesichert zu sein ist eine sehr große Katastrophe für mich, die mir sehr große Angst macht. Die neue Wohnung ist größer, schöner und natürlich hoffentlich auch ruhiger. Und der Vermieter hat sich für mich entschieden, obwohl ich ehrlich war. Das bedeutet mir sehr viel. Dass er mir vertraut, obwohl ich ich bin. Das ist so ähnlich wie Händchen halten und schweigen...

Ja, das fehlt mir. Es war ein sehr schönes und beruhigendes Gefühl... Das mir sehr gut getan hat. Selten hat mich etwas so sehr beruhigt wie das. Dabei kann ich eigentlich überhaupt niemandem in die Augen schauen. Einfach nur in die Augen schauen. Und wieder stellt sich die Frage: Was hat er anders gemacht als die Anderen? Ich weiß es nicht. Aber vieles von dem was er tat, hatte mir sehr gut getan. Und es fehlt mir.

Freitag, 25. März 2016

Immer noch da

Hey, ihr schaut ja immer noch hier vorbei. Danke hierfür.
Und auch, wenn ich nicht mehr so viel schreibe. So könnt ihr euch doch geehrt fühlen. Denn hier komme ich irgendwie nur noch her, wenn es mir schlecht geht. Wenn ich traurig bin. Wenn ich so traurig und so voller Gedanken bin, dass ich eigentlich nur noch alleine sein möchte und niemanden mehr an mich ran lassen kann.

So wie jetzt.

Ich bin kaputt. Körperlich am Ende. Die letzten drei Tage habe ich so viele Zeitungen verteilt, morgen gehts weiter. Ein Zustand, der einen ja durchaus auch mal befriedigen kann. Aber nicht, wenn man in eine Wohnung kommt und der Typ von oben drüber wieder da ist. Seit zwei Tagen. Ich höre wieder jeden Schritt, den er macht. Ich höre seinen Fernseher, ich höre sein Radio. Ich ertrage das einfach nicht. Er war die letzten Monate in einer Klinik. Ich hatte mich zuvor schon versucht daran zu gewöhnen. Ohne Erfolg. Und in den letzten Monaten hab ich einfach gemerkt, wie sehr ich diese Ruhe brauche. Ich hatte das Gefühl, das erste Mal in dieser Wohnung angekommen zu sein. Ein Stück weit wieder frei zu sein. Jetzt wird wieder alles von diesen Geräuschen dominiert. Nachts kann ich nur noch mit Ohropax schlafen, weil ich ansonsten überhaupt nicht schlafen kann. Die Geräusche... Auch tagsüber. Ich ertrage es einfach nicht, dass da ständig was ist, was ich nicht zuordnen kann. Also auch tagsüber mit Ohropax oder Kopfhörern in den Ohren. Ich fühle mich einfach in meiner eigenen Wohnung nicht sicher und wohl. Komm auch hier nicht mehr zur Ruhe. Muss auch hier ständig alles beobachten und im Griff haben. Das hab ich aber nicht. Wegen diesen Geräuschen, auf die ich einfach keinen Einfluss habe.
Also bedeutet das wieder umziehen. Aber wohin? Wer bezahlt das? Und wer hilft? Jörn findet die ganzen Geräusche ja nicht schlimm, hört man doch kaum bis gar nicht. Ich höre sie. Laut und deutlich... Und vor allem gibt es im Moment nirgendwo eine freie Wohnung. Und nicht vergessen, ich bekomme die EU-Rente. Damit ist man bei Vermietern noch viel unbeliebter als Hartz4-Empfänger. Kein Witz, die Erfahrung musste ich machen. Hätte Jörn nicht bei dieser Wohnung für mich gebürgt, hätte ich die auch nicht bekommen. Dabei habe ich mir in meinem Leben noch nie was zu schulden kommen lassen. Hab keine Schulden, hasse Schulden...

Seit drei Wochen gehe ich wieder zu einer Psychologin. Es ist noch kein Gespräch vergangen, in dem ich nicht geheult hätte. Ich... Ich glaube, Frau Dr. hat mich in über zehn Jahren nie heulen sehen. Auf Frau Dr. Brenners Beerdigung... Doch, da schon. Aber ansonsten? Nicht das ich wüsste. Es liegt auch nicht an der Person, die mir da gegenüber sitzt. Ich weiß noch nicht mal wie sie heißt. Ehrlich nicht. Ich hab keine Ahnung. Das ist eine Gemeinschaftspraxis, ich hab einfach einen Termin bekommen und zack war ich da. Ist auch egal wie sie heißt. Ich glaube, es ist einfach, weil ich so lange "ohne" war. Über zwei Jahre lang in dem Strom der Normalen mitgeschwimmt bin und meine Gedanken und Gefühle für mich behalten habe. Und jetzt ist es wie so ein Ventil. Ich darf jetzt einfach drauf los plappern. Und nichts anderes tue ich. Ich rede einfach vor mich hin. Und heule wegen jedem Scheiß. Wenn ich erzähle, wie perfekt das Leben von meinen Brüdern verlaufen ist, was sie alles haben, dann fange ich an zu heulen. Wenn ich von meinem alkoholkranken Knasti-Bruder erzähle, heule ich. Wenn ich von dem Krebs meiner Mutter erzähle, heule ich. Wenn ich erzähle, dass meine Gefühle für Jörn immer weniger werden, ebenfalls.

Ja, und dann gibt es da noch Johannes... Ich wollte eigentlich gar nicht über ihn reden. Weil eigentlich ging es mir "dank" der Erkrankung und des bevorstehenden Todes meiner Mutter wegen ihm besser. Ich konnte sehen, wie diese Bitch ihm zum Beispiel irgendwelche Fotos auf die Pinnwand krallt. Wegen einem davon bin ich vor Monaten noch ausgerastet. Konnte damals nicht atmen, hatte wieder diesen unfassbaren Schmerz. Jetzt habe ich das Bild halt zur Kenntnis genommen und nicht all zu viel gefühlt. "Dumme Bitch", habe ich dennoch gedacht. Stimmt ja auch.
Tja... Letzte Woche hieß es bei meiner Mutter dann mal kurzzeitig aufatmen. Doch kein weiterer Tumor. Eine Diagnose, die mein Vater und mein Bruder anhand von Arztberichten gestellt haben. Ich wusste nur nicht, dass sie die Diagnose und nicht der Arzt sie gestellt hat. Und nachdem der Tod plötzlich doch nicht mehr so nah war, war Johannes plötzlich wieder akut. Plötzlich wieder die Gedanken, dass ich ihn nie etwas bedeutet habe. Dieser unfassbare Schmerz. Die Gewissheit, dass es nie aufhören wird weh zu tun.
Und deswegen habe ich dann doch kurz über ihn gesprochen. Bzw. mehr über Jörn und dann halt in dem Zusammenhang über die starken Gefühle, die ich damals für Johannes hatte. Dieses Gefühl, ihm wichtig zu sein, mir wichtig zu sein, generell wichtig und wertvoll zu sein, keine Angst zu haben, sicher und geborgen zu sein... Diesen Kram halt. Und sie stellte mir eine eigentlich relativ simple Frage, auf die ich bis heute nicht wirklich eine Antwort finde. Was hat er denn anders gemacht als ihr aktueller Freund? Was hat er überhaupt gemacht, dass es so war wie es war? Tja. Wie erklärt man das? Ich weiß es nicht. Ist ja auch egal, ist ja eh nichts davon wahr. War nichts wahr.

Jörn... Wir haben unseren ersten gemeinsamen Urlaub gebucht. Nach Tunesien eine Woche. Er freut sich total. Hmm. Selbst da denke ich, dass ich lieber alleine gefahren wäre. Einfach an den Strand legen, lesen, Sonne, Meer, hin und wieder kurz abkühlen... Er will Action, Kamel reiten und so. Immer häufiger sage ich unser abendliches Telefonat ab. Heute auch. Morgen sollte ich eigentlich zu ihm. Hab es auf Sonntag verschoben. Ich bin aber auch wirklich erschöpft. Will und muss Kraft tanken. Ob das jetzt in dieser Wohnung hier funktioniert mit dem Typen über mir weiß ich auch noch nicht. Naja, mit Kopfhörern und Musik höre ich es ja nicht. Und auf die Musik kann ich Einfluss nehmen.
Ja, ich bin mir eigentlich ziemlich sicher, dass nur noch mein Kopf mit Jörn zusammen sein möchte. Und selbst der zweifelt, weil Kopfbeziehungen nicht fair sind. Dem Anderen gegenüber. Der ja vielleicht mit dem Herzen fühlt... Aber auch hier... Bei Johannes dachte ich, er würde mit dem Herzen fühlen. Ja, ich dachte wirklich er würde fühlen. Für mich. Ich hätte ihn berührt und erreicht. Hab ich nicht. Bei Jörn hingegen... Da habe ich diese Zuneigung nie so richtig gefühlt. Hatte nur ganz selten das Gefühl, als ginge es wirklich um mich. Eine Beziehung halt. Aber nicht zwingend mit mir. Ja, vielleicht ist ja auch wirklich das die Antwort. Johannes kann alleine. Sehr gut sogar. Und ich dachte halt wirklich, er wäre wegen mir mal kurzzeitig da ausgebrochen, hätte sich raus getraut. Dass er das mit so ziemlich jeder macht die er flachlegt, wusste ich doch nicht. Und mittlerweile frage ich mich auch, ob ich nicht wirklich alles falsch verstanden habe... Zum Beispiel... Es ging ums Kochen. Können wir Beide nicht. Und um den anstehenden Besuch. Und er sagte damals so was wie: Wir sollten unsere wenige kostbare Zeit die wir gemeinsam haben dann eh sinnvoller nutzen, als in der Küche zu stehen. Würde mir das irgendein anderer Typ sagen, wäre mir klar, dass er vom Vögeln redet. Aber bei Johannes... Ich hab mir überhaupt keine Gedanken darüber gemacht, was er damit meint. Aber weil auch völlig egal war, was er damit meint, es wäre einfach alles okay gewesen. Ein anderes Beispiel. Da ging es um das tägliche Schreiben bis zu unserem Treffen: Wir können uns jetzt nur die Finger wund schreiben und uns dann die Wunden lecken, wenn wir uns endlich sehen. So oder so ähnlich. Auch da würde ich jedem unterstellen, dass er vom Vögeln redet, wenn er "lecken" sagt. Ja, die Worte von Johannes kamen bei mir einfach anders an. Wahrscheinlich war ich wirklich einfach zu doof und hab nicht kapiert, dass es auch bei ihm nur ums Ficken ging.

Ich hab schon ein Talent dazu, mich immer noch weiter runter zu ziehen... Meine Mutter stirbt bald, ich fühle mich in meiner eigenen Wohnung nicht wohl, meine Beziehung ist im Arsch... Ja. Da kann ich Johannes grade auch noch gebrauchen.

Läuft bei mir...

Ein Arzt hat die Diagnose nicht bestätigt. Meine Mutter hat wieder Krebs, in 1,5 Wochen gehts wieder in die Uniklinik.